Kurztitel: Bewertung Maßnahmenpläne Reduktion
Laufzeit: 07.07.2026 – 28.02.2027
Die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist ein zentrales Ziel nationaler und internationaler Strategien zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, die zu den größten globalen Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit zählen. Die zunehmende Verbreitung resistenter Krankheitserreger erschwert weltweit die wirksame Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten und stellt die Human- und Veterinärmedizin gleichermaßen vor wachsende Herausforderungen. Gleichzeitig bleiben Antibiotika bei bakteriellen Infektionen eine unverzichtbare therapeutische Option für Mensch und Tier.
Antimikrobielle Resistenzen entstehen zwar als natürlicher evolutionärer Prozess, ihre Entwicklung und Ausbreitung werden jedoch durch einen übermäßigen oder unsachgemäßen Antibiotikaeinsatz erheblich beschleunigt. Darüber hinaus tragen u.a. unzureichende Hygienemaßnahmen sowie der Handel und die Verbringung von Nutztieren zur Verbreitung resistenter Erreger bei.
Im Rahmen des Antibiotikaminimierungskonzepts werden für bestimmte nutztierhaltende Betriebe halbjährlich Therapiehäufigkeiten berechnet und anhand bundesweit ermittelter Kennzahlen bewertet. Betriebe, deren Therapiehäufigkeit über der Kennzahl 2 liegt, sind verpflichtet, gemeinsam mit der bestandsbetreuenden Tierärztin oder dem bestandsbetreuenden Tierarzt Maßnahmen zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes zu entwickeln, diese in einem Maßnahmenplan zu dokumentieren und der zuständigen Überwachungsbehörde vorzulegen. Die Maßnahmenpläne sollen konkrete betriebliche Maßnahmen enthalten, mit denen die Ursachen eines erhöhten Antibiotikaeinsatzes identifiziert, adressiert und langfristig reduziert werden können.
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass die erfassten Abgabemengen antimikrobieller Wirkstoffe im Vergleich zum Vorjahr erneut angestiegen sind. Der größte Anteil am Antibiotikaeinsatz entfällt weiterhin auf Mastschweine, gefolgt von Ferkeln, Mastputen und zugegangenen Kälbern. Gleichzeitig ist ein weiterer Anstieg der betrieblichen Therapiehäufigkeiten zu beobachten, insbesondere bei Mastschweinen, Masthühnern, Ferkeln und Mastputen.
Vor diesem Hintergrund besteht Bedarf an einer wissenschaftlichen Untersuchung der Umsetzung und Wirksamkeit betrieblicher Maßnahmen im Rahmen des Antibiotikaminimierungskonzepts. Hierzu werden pseudonymisierte Maßnahmenpläne systematisch hinsichtlich der darin dokumentierten Maßnahmen untersucht und nach thematischen Schwerpunkten, beispielsweise in den Bereichen Biosicherheit, Hygiene, Stallklima, Fütterungsmanagement und betriebliches Management, kategorisiert. Soweit möglich wird diese Datengrundlage durch Informationen zur Entwicklung der betrieblichen Therapiehäufigkeiten sowie durch weitere betriebs- und tierbezogene Kennzahlen ergänzt, um eine belastbare Grundlage für die anschließenden Analysen zu schaffen.
Ergänzend werden leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Tierärztinnen und Tierärzten sowie Mitarbeitenden der zuständigen Behörden durchgeführt, um deren praktische Erfahrungen, fachliche Einschätzungen sowie wahrgenommene Herausforderungen und Verbesserungspotenziale bei der Erstellung, Umsetzung und Bewertung der Maßnahmenpläne zu erfassen.
Ziel des Projekts ist es, die Wirksamkeit betrieblicher Maßnahmen zur Reduktion des Krankheitsdrucks und des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung zu bewerten, ohne die Tiergesundheit zu beeinträchtigen. Darüber hinaus sollen Erfolgsfaktoren und Hemmnisse bei der Umsetzung identifiziert werden, um evidenzbasierte Empfehlungen für die Weiterentwicklung betrieblicher Strategien zur nachhaltigen Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung abzuleiten.
Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, Soest
Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MLV)
