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FH-Storys

Die Landwirtschaft der Zukunft denkt smart

Christopher Weber studiert Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement: Warum Smart Farming Arbeitsprozesse erleichtert und der Natur hilft

Kühe grasen auf der Wiese, ein Traktor fährt über das Feld, Hände, die durch goldene Weizenköpfe vor der Ernte streichen – diese eher traditionell anmutenden Bilder assoziieren viele Menschen mit Landwirtschaft. Tatsächlich ist aber der digitale Wandel längst im Alltag von Höfen und Unternehmen des Agribusiness angekommen: Sensoren messen den Wassergehalt im Boden, Drohnen fliegen über Felder und identifizieren Schädlingsbefall, Algorithmen empfehlen den optimalen Erntezeitpunkt. Christopher Weber studiert Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement an der Fachhochschule Südwestfalen im 6. Semester. Im Interview erklärt der 28-Jährige, warum konventionelle Ansätze und smarte Methoden der landwirtschaftlichen Bearbeitung keine Gegensätze sind, sondern sich effizient ergänzen.

Herr Weber, Sie studieren Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement, ein Studiengang, der Naturschutz und Landnutzung zusammenbringt. Warum haben Sie sich für dieses Angebot entschieden und wie wichtig ist Ihnen dabei das Thema Smart Farming?

Ich fand die Idee sehr attraktiv, Naturschutz und verschiedene Formen der Landnutzung und Agrarwirtschaft zu verbinden. Landwirte sind im Bereich Naturschutz ein ganz großer Hebel – sie besitzen viele Flächen und profitieren selbst von intakten Ökosystemen. Beides irgendwie miteinander zu verbinden, fand ich von Anfang an sehr charmant. Smart Farming kannte ich vorher, ehrlich gesagt, kaum – ich komme nicht aus der Landwirtschaft und habe vorher eine kaufmännische Ausbildung gemacht und im Projektmanagement gearbeitet. Aber ich habe im Studium gelernt, dass es im Kern darum geht, Abläufe effizienter zu gestalten und Ressourcen besser zu nutzen. Und das hat natürlich auch direkten Einfluss auf unsere Umwelt.

Daten sinnvoll nutzen – Tablets oder Laptops gehören mittlerweile auch auf dem Schlepper dazu. Daten sinnvoll nutzen – Tablets oder Laptops gehören mittlerweile auch auf dem Schlepper dazu.

Sie haben einen kaufmännischen Hintergrund und sehen Ihre berufliche Zukunft an der Schnittstelle von Ökologie und Landwirtschaft. Wie erklären Sie jemandem, der in der konventionellen Landwirtschaft verwurzelt ist, was Smart Farming eigentlich ist und warum es keine Bedrohung darstellt?

Ich glaube nicht, dass Smart Farming Arbeitsplätze abschafft. Es macht die Arbeit von Landwirtinnen und Landwirten leichter – effizient, besser vernetzt, besser dokumentiert. Viele wissen gar nicht, wie viel Büroarbeit auf modernen Betrieben inzwischen dazugehört. Smart Farming hilft dabei, Daten, die ohnehin erhoben werden, auch sinnvoll für Buchhaltung oder Planung zu nutzen. Es ist eher unterstützend als ersetzend. Und wenn man sich die Geschichte der Landwirtschaft anschaut, sie musste sich immer neu anpassen, hat neue Dinge weiterentwickelt. Smart Farming ist einfach der nächste, logische Schritt.

Landwirtschaft und Ökologie gelten oft als Gegensätze. Pflanzenschutzmittel, Flächenverbrauch, Artenrückgang – wie kann Smart Farming helfen, diesen Interessenkonflikt zu entschärfen?

Es geht am Ende um die gleichen Flächen. Wenn man diese Flächen effizienter bewirtschaften kann, kann man auch besser Rücksicht auf bestimmte Arten nehmen. Weniger Pflanzenschutzmittel bedeuten weniger Einträge in angrenzende Lebensräume – das kommt Feldvögeln, bodenlebenden Insekten und der Pflanzenvielfalt zugute. In den Praxisphasen im Studium werden zum Beispiel grüne Fahrgassen angelegt – Bereiche, in denen keine Ackerfrucht angebaut und kein Pflanzenschutz eingesetzt wird. Das funktioniert nur über präzise Maschinen, die genau diesen Bereich aussparen. Oder es werden neue Mulchverfahren getestet, die wesentlich schonender für Insekten sind als herkömmliche Praktiken und das bei einem vergleichbaren Arbeitsergebnis.

Christopher Weber schätzt den ganzheitlichen Ansatz des Studiengangs Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement. Dazu gehört auch, die Theorie aus dem Hörsaal nach draußen in die Praxis zu bringen.

Ihr Studiengang ist im Fachbereich Agrarwirtschaft verortet. Hier treffen Sie auf Studierende der „klassischen“ Agrarwirtschaft. Wie erleben Sie das Miteinander verschiedener Perspektiven?

Das ist tatsächlich einer der größten Mehrwerte hier in Soest. Es gibt Kommilitoninnen und Kommilitonen, die vom elterlichen Betrieb kommen und andere, die wie ich über Umwege in die Landwirtschaft gefunden haben. Diese Mischung bringt echten Erkenntnisgewinn. Ich habe sehr viel über die wirtschaftliche Realität auf landwirtschaftlichen Betrieben gelernt – und viele aus dem klassischen Agrarumfeld haben gemerkt, dass Naturschutz kein Widerspruch zur profitablen Landwirtschaft sein muss. Stichwort Vertragsnaturschutz: Wer bestimmte Maßnahmen in seinen Betriebsablauf integriert, kann damit sogar wirtschaftlich arbeiten, ohne Flächen stilllegen zu müssen.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, welche Kompetenzen benötigen Studierende, die heute ihr Studium beginnen, um im Agribusiness von morgen bestehen zu können?

Breite Grundkenntnisse in allen Bereichen der Landwirtschaft sind wichtig – aber genauso wichtig ist Offenheit gegenüber Technik. Geoinformationssysteme, Drohnentechnologie, Datenmanagement – all das wird relevant sein. Daten sammeln, auswerten und dann gezielt eingreifen, das geht nur mit digitaler Technologie. Hier in Soest gibt es die Möglichkeit, Smart-Farming-Module zu belegen, mögliche Einsatzzwecke für Drohnen kennenzulernen und an realen Versuchseinrichtungen zu arbeiten. Ich würde daher allen Studis raten, alles mitnehmen! Denn in Zeiten des Klimawandels wird es keine Option mehr sein, einfach so weiterzumachen wie bisher. Wer jetzt lernt, seinen Standort und Betrieb datengestützt zu analysieren und anzupassen, hat eine echte Zukunft.