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Familienbüro

Pflege von Angehörigen

Pflegebedürftigkeit kann in allen Lebensabschnitten auftreten, ob durch Alter, Krankheit, Behinderung oder akute Situationen wie Unfall oder Sturz. Dabei ist Pflege nicht planbar, weder in ihrer Gesamtdauer noch in ihrem konkreten Verlauf. Hinzu kommt, dass das Ende der Pflege häufig mit dem Verlust eines nahe stehenden Menschen durch Tod verbunden ist und eine enorme emotionale und psychische Belastung bedeuten kann.

Pflege ist also mit besonderen Herausforderungen verbunden. Um Ihnen bei der Suche nach Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten behilflich zu sein, haben wir im Folgenden einige zentrale Hinweise zusammengestellt. Bedenken Sie aber bitte: Es gibt keine Standardlösung, die auf jeden Pflegefall anwendbar ist. Lassen Sie sich von professioneller Seite und vom Familienbüro beraten und unterstützen.

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf, falls noch Fragen offen sind, oder Sie Unterstützung brauchen.

Allgemeine Informationen

Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig im Sinne des SGB XI § 14, Abs. 1 sind:

„Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen [und die] körperliche, kognitive, psychische oder gesundheitliche Belastungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können.

Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen.

Hilfe kann durch professionelle Einrichtungen erfolgen oder durch Laienpflege von pflegenden Angehörigen ganz oder teilweise im häuslichen Bereich.

Der Begriff pflegende Angehörige umfasst sowohl Personen aus der Familie als auch aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis eines pflegebedürftigen Menschen.

Pflegegrade

Der Medizinische Dienst (MDK) oder MEDICPROOF stellen durch ein Begutachtungsverfahren die Pflegebedürftigkeit von Personen fest. Der zentrale Maßstab ist dabei seit 2017 der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen, seine Ressourcen und seine Fähigkeiten werden differenziert erfasst. Der ressourcenorientierte Ansatz ermöglicht eine systematischere Erfassung von Präventions- und Rehabilitationsbedarf.

Unterschieden werden je nach Pflegebedürftigkeit Pflegegrade nach Schweregrad 1 bis 5.

Ausführliche Informationen zur Pflegebegutachtung finden Sie im Informationsportal der Medizinischen Dienste.

Leistungen der Pflegeversicherung und Beihilfe

Die Leistungen der Pflegekassen stehen allen Personen zu, die in einer gesetzlichen oder privaten Pflegeversicherung versichert sind. Sind Sie (oder Ihr/e Angehörige) krankenversichert, so ist die Pflegeversicherung miteinbezogen. Beamte/innen und privat Versicherte müssen das Pflegegeld bei der Pflegeversicherung UND der Beihilfe beantragen. Auch Aufwendungen werden bei der Beihilfe beantragt.

Ist ein Pflegegrad durch den MDK oder MEDICPROOF anerkannt, besteht ein Anrecht auf Leistungen der Pflegeversicherung. Die Pflegeversicherung ist eine Teilversicherung, die die anfallenden Kosten meist nicht vollständig abdeckt. Deshalb und weil die Leistungsansprüche und -kombinationen sehr komplex sind, ist eine eingehende, individuelle Beratung durch eine/n PflegeexpertIn sehr empfehlenswert.

Einen Überblick über mögliche Leistungen der Pflegeversicherung erhalten Sie beim Pflegeleistungshelfer des Bundesministeriums für Gesundheit, einen Überblick über die Beihilfe finden Sie beim LBV..

Sollte die Pflegebedürftigkeit nur vorübergehend bestehen, kommt ein Anspruch auf Leistungen der „ Häuslichen Krankenpflege“ infrage.

Wenn Sie für eine/n Angehörige/n Pflegeleistungen beantragen wollen, brauchen Sie eine Vollmacht bzw. müssen als gesetzliche/r BetreuerIn eingesetzt sein!

Hilfe zur Pflege vom Sozialamt

Ihr/e Angehörige/r erhält auf Antrag ab Pflegegrad 1 Hilfe von der Pflegeversicherung. Diese decken in der Regel nur einen Teil der Ausgaben. Kann Ihr/e Angehörige/r die (restlichen) Pflegekosten nicht selbst tragen, kann beim Sozialamt unter bestimmten Voraussetzungen Hilfe zur Pflege beantragt werden.

Rechtliche Grundlage: SGB XII § 61-66

Das Sozialamt überprüft, ob eine Bedürftigkeit vorliegt. Ihr/e Angehörige/r ist verpflichtet, sein/ihr gesamtes Einkommen einzusetzen, um die Pflegekosten zu decken. Zum Einkommen gehören die Rente und sonstige Einkünfte. Auch das Vermögen muss bis auf einen Freibetrag von 2.600 Euro, bei Ehepaaren 3.214 Euro, herangezogen werden. Das Sozialamt kann auch verlangen, dass Schenkungen, etwa die Übertragung eines Hauses, rückgängig gemacht werden, wenn diese weniger als zehn Jahre zurückliegen.

Reichen Einkommen und Vermögen nicht aus, zahlt das Sozialamt vorläufig "Hilfe zur Pflege", um die Versorgung sicherzustellen.

Es wendet sich dann an die Angehörigen und prüft, ob diese unterhaltspflichtig sind (sog. Elternunterhalt) und einen Teil der Kosten tragen müssen. Eine Unterhaltspflicht besteht nur dann, wenn Sie leistungsfähig und trotzdem in der Lage sind, Ihren eigenen Unterhalt zu bestreiten. Es steht unterhaltspflichtigen Angehörigen ein monatlicher Betrag als Eigenbedarf zu, abhängig von der Familiensituation. Eine erste Einschätzung kann man mit dem Unterhaltsrechner treffen. Lassen Sie sich aber bei einer Unterhaltspflicht unbedingt von geschulten PflegeberaterInnen beraten!

Betreuungsformen

Für Pflegebedürftige stehen unterschiedliche Betreuungsformen und –Einrichtungen zur Verfügung:

Die Auswahl hängt zum einen von der Pflegebedürftigkeit ab, zum anderen von den persönlichen Lebensumständen.

Überblick über ambulante Servicedienste und Einrichtungen vor Ort