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FH-Storys

Wenn zwischen A und B mehr liegt als ein Flug

Mobilitätsprogramm Erasmus+ ermöglicht Natalie Hanik und Florian Kuch eine unvergessliche grüne Reise

Natalie Hanik und Florian Kuch haben wahrscheinlich die Reise ihres bisherigen Lebens hinter sich. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin und der Doktorand der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen waren da, wo sich Finnland, Norwegen und Schweden so nahekommen, wie nirgendwo anders. Sie waren in Kilpisjärvi. Sie waren ganz weit draußen. Ohne zu fliegen. Der Blick zurück auf eine grüne Reise.

Wenn der Weg das Ziel ist, dann sagt das zunächst mal ganz viel über den Weg aus. Dann ist er mehr als das Überwinden einer Distanz. Dann ist er Selbstzweck. „Wir haben unsere Körper nicht stumpf von A nach B bewegt", sagt Florian Kuch, „wir haben unterwegs so unglaublich viel erlebt". Das lag ganz einfach daran, dass Florian Kuch und Natalie Hanik zwischen A und B Meilensteine gelegt haben. Und dass sie diese Meilensteine durch ein Netz miteinander verwoben haben. Vor allem durch ein Schienennetz.

Mit dem Nachtzug ging es weiter nach Stockholm Mit dem Nachtzug ging es weiter nach Stockholm

Dreieinhalb Reisetage für das schönste Nichts

Alles begann mit einer Fahrt im ICE von Dortmund nach Hamburg. Donnerstagabend. Eine kleinere Verspätung? Eingeplant. Von Hamburg ging es weiter nach Stockholm. Nachtzug. Acht Stunden Fahrt, zwei Stunden Verspätung – kaum bemerkt. „Wir haben ja sowieso die meiste Zeit geschlafen", erzählt Florian Kuch. Von Stockholm weiter nach Helsinki. Mit der Fähre, Schlafkabine inklusive. Abfahrt 16:45 Uhr, Ankunft am nächsten Morgen um 10:30 Uhr. Genug Zeit für einen kurzen Stadtbummel, bevor es um 19:30 Uhr weiterging. Mit dem „Santa Claus Express" nach Rovaniemi. Wieder Nachtzug, wieder Schlafabteil, dieses Mal sogar mit eigener Dusche. In Rovaniemi, direkt am Polarkreis, blieb noch Zeit für einen Abstecher ins Santa Claus Village. Dann mit dem Reisebus zum Flughafen Kittilä, wo sich alle Seminarteilnehmer trafen, um den letzten Streckenabschnitt nach Kilpisjärvi gemeinsam zurückzulegen. Nach dreieinhalb Reisetagen Endstation. „Und da ist dann wirklich nichts mehr", erzählt Natalie Hanik, „aber dieses Nichts ist unglaublich schön." Wenn der Weg das Ziel ist, dann kann also trotzdem auch das Ziel das Ziel sein.

Internationale Zusammenarbeit im hohen Norden

Natalie Hanik und Florian Kuch waren also tatsächlich in Kilpisjärvi. Aber warum und wofür überhaupt? „Es klingt etwas verrückt, aber dort findet jährlich ein Seminar zur Wirtschaftsinformatik statt", erklärt Florian Kuch. Das KISS – Kilpisjärvi Information Systems Seminar – wird von der Universität Turku ausgerichtet. Auch mit dem Ziel, internationale Nachwuchswissenschaftler an einen Tisch zu bringen. Für den 33-Jährigen eine besondere Chance, das Thema seiner Promotion mit dem Feedback der anderen Konferenzteilnehmer zu untermauern. Seiner Arbeit einen internationalen Schliff zu verpassen. Kuch schreibt über die Automatisierung von Ingenieurdienstleistungen im Bauwesen.

Die Ruhe bietet Raum zum Denken

Tagungsort ist die Biologische Station der Universität Helsinki. Unbevölkerte Gebiete gibt es in Finnland kaum, aber die Bevölkerungsdichte ist so gering, dass die Stille fast greifbar wird. Und wo kann man seine Sinne besser für seine Arbeit schärfen als dort, wo sie nicht anderweitig angezapft werden? „Es ist so unglaublich ruhig dort, das Einzige, was man vielleicht hörte, waren Tiere, die durch den Schnee stapften", schwärmt Florian Kuch und ergänzt: „Man konnte so unglaublich gut schlafen." Wahrscheinlich im Gegensatz zu den Nächten auf den Schienen im Nachtzug. „Das ging eigentlich auch besser als erwartet", sagt Natalie Hanik, die sowieso keinen einzigen Makel an ihrer Expedition nach Lappland findet: „Es war einfach eine mega Erfahrung. Wir haben die Reise umweltfreundlich geplant und dabei zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht."

Grünes Reisen wird belohnt

Maßgeblich gefördert und unterstützt wurde die Reise übrigens vom International Office der Hochschule und dem Mobilitätsprogramm Erasmus+. Da sich Natalie Hanik und Florian Kuch für eine grüne Reise ohne Flug entschieden hatten, erhielten sie über Erasmus+ sogar eine Sonderförderung für sechs Reisetage.