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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
21.09.2026

Klimawandel verstehen, Daten wahrnehmbar machen

Fachhochschule SWF und Stadt Soest kooperieren im Projekt „Urban Climate Twin“. Valide Datenbasis und Klima-Walks für die Bevölkerung

Soest. Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet den Sommer 2026 mit Hitzerekorden, Trockenheit und außergewöhnlich viel Sonnenschein als einen der wärmsten seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen. Nicht erst jetzt machen sich vor allem Kommunen Gedanken, wie sie die Belastung durch Hitze für Bürgerinnen und Bürger durch städtebauliche Maßnahmen sowie Gesundheitsschutz lindern können. Die Stadt Soest hat im Rahmen des Förderprogramms „Smart Cities made in Germany“ vor zwei Jahren die Förderzusage für das Projekt „Urban Climate Twin“ erhalten. Bei der Generierung einer verlässlichen Basis an meteorologischen Daten als Entscheidungsgrundlage für klimaangepasste Maßnahmen hat ein Team der Fachhochschule Südwestfalen unterstützt. Die Ergebnisse wurden jetzt vorgestellt.

Vorläufer von „Urban Climate Twin“ ist das Projekt „BürgerWOLKE“ der Stadt Soest. Dabei wurden an rund 100 kostengünstigen Messstationen im ganzen Stadtgebiet Daten zu Lufttemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtungsstärke und UV-Intensität erhoben und über ein digitales Dashboard in Echtzeit veröffentlicht. Weil die vergleichsweise einfache Technik der Messgeräte störanfällig ist, ungenaue Werte liefert und aussagekräftige Daten von Satelliten bis dahin nicht berücksichtigt wurden, war die Datenbasis als Ausgangspunkt für die Analyse und Simulation von Klimaszenarien und Anpassungsmaßnahmen nicht solide genug. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fachhochschule Südwestfalen forschten an der Frage, wie meteorologische Daten und additive Geodaten mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz so aufbereitet werden können, dass ein authentisches und valides Klimaszenario in der Stadt entsteht.

Drei große Arbeitspakete hatte sich das Projektteam im Zeitraum von zwei Jahren vorgenommen: Die kontinuierliche Erhebung und konsistente Bereitstellung meteorologischer Daten verknüpft mit Geo-Daten wie Bebauung, Begrünung und Stadtstruktur, die KI-gestützte Analyse, Aufbereitung und Darstellung der Daten zur Nutzung für Prognosen und Bürgerdienste sowie die Konzeption und Umsetzung als Serviceleistung für Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Entstanden ist ein digitaler Stadtklimazwilling. Zunächst wurden Millionen von Messwerten aus Sensoren, Satelliten und Wetterdaten in nutzbare Informationen über das Stadtklima formatiert, miteinander verknüpft und anschaulich zugänglich gemacht. Mithilfe Künstlicher Intelligenz folgte die lokale Korrektur der Messdaten, ergänzt um Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Bei der Umsetzung in eine Serviceleistung hat sich das FH-Team mit den unterschiedlichen Bedürfnissen der Soester Bürgerinnen und Bürger auseinandergesetzt. So wurden verschiedene Klima-Walks entwickelt, die Zielgruppen vom Kleinkind bis hin zu Senior*innen wie eine Wanderroute durch die Stadt führen. An signifikanten Stationen wird die jeweilige lokale Klimasituation verständlich und in Echtzeit dargestellt. Auf diese Weise wird greifbar, wo Hitze entsteht, welche Bereiche besonders belastet sind und wie sich Veränderungen auf das Stadtklima auswirken. Die Klima-Walks können digital über eine App oder analog mithilfe von Karten begangen werden. Wer alle Stationen eines Walks besucht, kann dies entsprechend auf einer digitalen oder analogen Stempelkarte quittieren und erhält Zugang zu einem weiteren Element, dem Klima-Quartett. Das Kartenspiel vermittelt spielerisch Wissen rund um Klima und Stadt.

Für Jörg Radandt, Gesamtverantwortlicher für die Smart City-Aktivitäten bei der Stadt Soest, ist das Projektteam dem Ziel, permanent Daten zu generieren und diese zu einer verlässlichen Entscheidungsgrundlage zu modifizieren, einen großen Schritt nähergekommen: „Die Stadt Soest ist Modellprojekt Smart City. Smart sind wir nur dann, wenn wir auch mit Akteuren aus Wissenschaft und Forschung synergetisch zusammenarbeiten. Davon profitieren die Stadt mit Blick auf strukturelle Entwicklung, aber auch Bürgerinnen und Bürger. Wir haben heute beeindruckende Konzepte gesehen, die für ein Klimabewusstsein sensibilisieren, interaktiv einbeziehen und für Anpassungsmaßnahmen motivieren. Das ist wirklich eine tolle Zusammenarbeit mit der FH, an die wir gerne anknüpfen.“

Wer mehr über das Projekt „Urban Climate Twin“ erfahren möchte, am 18. November ist an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest eine Vorlesung im Rahmen der NRW-weiten Ringvorlesung „Gemeinsam nachhaltig“ geplant. Details werden rechtzeitig bekannt gegeben.

v.l.n.r. Prof. Dipl.-Des. Markus Strick (FH), Jana Rehfeldt (FH), Jörg Radandt (Stadt Soest), Julia Sollmann (FH), Prof. Dr. Katharina Stahl (FH), Jürgen Treptow (Stadt Soest), Richard Iltner (FH), Manuel Delgado (Stadt Soest), Marius Kroel (FH), Prof. Dr. Frank Hellweg (FH) und Hauke Schiemann