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Ein Datenschatz, der Leben retten kann
An der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen läuft ein Forschungsprojekt zur minimalinvasiven Zerstörung kranken Gewebes, das auch die Lehre deutlich aufwertet
Hagen. An der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen läuft seit einigen Monaten ein hochdotiertes Forschungsprojekt im Bereich Medizintechnik. Prof. Dr. Jens Gröbner gelang es, bei der Stiftung Innovation in der Hochschullehre einen Förderbetrag von deutlich über 300.000 Euro zu akquirieren. Es geht in dem Projekt um Thermoablation. Das ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem krankhaftes Gewebe durch präzise Hitzeeinwirkung zerstört werden kann.
Die zentrale Idee hinter dem Verfahren klingt gut und plausibel. Bei der Thermoablation soll beispielsweise Tumorgewebe durch Hitze unschädlich gemacht werden. Und das minimalinvasiv, also schonend und ohne Operation. Dazu wird unter Kontrolle bildgebender Verfahren eine dünne Nadel verwendet, die das Gewebe so stark erhitzt, dass es abstirbt. Das Verfahren an sich ist nicht neu. „Aber“, sagt Prof. Dr. Jens Gröbner, „es steckt in Sachen Forschung noch ein wenig in den Kinderschuhen. Der Erfolg beruht im Wesentlichen auf der Erfahrung des Anwenders. Hier wollen wir helfen und Daten sammeln, die dem Mediziner bei der Planung der Thermoablation entscheidend helfen können.“
Und damit ist das wohl wichtigste Forschungsziel des Projektes VIRTUS am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen auch schon genannt. „VIRTUS steht für virtuelle Thermoablation und Simulation. Wir wollen die Qualität der Thermoablation verbessern, indem wir Ärzten Daten an die Hand geben, auf deren Basis sie vorab präziser abwägen können, wie sie vorgehen sollten“, präzisiert Prof. Dr. Jens Gröbner. Dazu arbeiten die Hagener Forscher mit digitalen Zwillingen, also 3-D-Simulationen. „Die kommen der Realität schon sehr nahe und ermöglichen den Einsatz verschiedener Verfahren an einem Modell“, so Gröbner. Im Ergebnis steht dann ein Datenschatz, der zunächst die Arbeit der Ärzte und schließlich die Gesundheit der Patienten entscheidend verbessern kann.
Von zentraler Bedeutung ist VIRTUS aber für die Lehre. Sie wird durch die neuen Inhalte massiv aufgewertet. Aktuell profitieren vor allem die Studierenden des Masterstudiengangs Medizintechnik, in naher Zukunft soll das Projekt aber auch auf die Lehre in den Bachelorstudiengängen des Fachbereichs wirken. „Die Studierenden lernen, aus Bilddaten digitale Modelle zu erstellen, thermische Prozesse mit Software abzubilden und die Ergebnisse zu überprüfen“, blickt Prof. Jens Gröbner voraus und ergänzt, „so können wir frühzeitig Kompetenzen vermitteln, die für die Zukunft der bildgestützen Medizin und Therapieplanung entscheidend sind.“
Das Forschungsprojekt ist auf eine Laufzeit von zwei Jahren angelegt