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Beruflich qualifiziert ins Studium
Realschule, Ausbildung, Weiterbildung zum Elektrotechniker, dann als Werkstudent zum Ingenieur: Wie Janne Prutti Beruf und Studium verbindet
Meschede/Lennestadt. Janne Prutti aus Lennestadt studiert an der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede Elektrotechnik – allerdings ohne Abitur oder Fachabitur. Sein Werdegang führte über einen Realschulabschluss, eine Ausbildung sowie eine Aufstiegsfortbildung zum Techniker ins Ingenieur-Studium.
Prutti erwarb seine Hochschulzugangsberechtigung damit über eine sogenannte berufliche Qualifikation. „Nach meinem Realschulabschluss 2016 war für mich erstmal klar, raus aus der Schule und rein in die Ausbildung“, erzählt Prutti. Ich wollte praktisch arbeiten und schon mal etwas Geld verdienen. Außerdem bestand zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein Interesse an einem Studium.“
Die Ausbildung absolvierte er bis 2019 bei der TRACTO-Technik GmbH & Co. KG aus Lennestadt zum Elektroniker für Betriebstechnik. „Nach meiner Ausbildung habe ich berufsbegleitend von 2020 bis 2024 eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Elektrotechniker absolviert“, so Prutti weiter. „Parallel dazu war ich bei TRACTO in der Entwicklung tätig. Dort entstand dann das Interesse an der Ingenieurslaufbahn und tieferem theoretischen Wissen.“ Er blieb als Werkstudent im Unternehmen und ist jetzt im Bereich Hard- und Softwareentwicklung für mobile Baumaschinen tätig.
Eine Entscheidung, die nach Meinung des angehenden Elektroingenieurs ihm wie auch dem Unternehmen in Form von Ingenieurwissen zu Gute kommt. In einem Projekt zur Schlagzahlmessung an Erdraketen arbeitete er mit der mathematischen Methode der sogenannten Fourier-Transformation zur Signalverarbeitung. „Während des Projekts konnte ich umfangreiche Kenntnisse aus mehreren Studienmodulen praktisch anwenden“ so Prutti. Besonders hilfreich waren die mathematischen Grundlagen aus Ingenieurmathematik, Methoden der Signalverarbeitung sowie Inhalte aus den Bereichen Mikrocomputertechnik und Elektronik.
Umgekehrt helfen ihm Fähigkeiten und Kenntnisse aus der Ausbildung im Studium. Dies seien vor allem Fähigkeiten wie Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit, Selbstorganisation und Sozialkompetenz. „Das sind Kompetenzen, die in der Schule oft kaum vermittelt werden, im Studium und Berufsleben jedoch entscheidend sind“, meint Prutti. Zudem helfe eine Ausbildung dabei, die praktischen Module besser zu verstehen und die dazugehörigen Laborpraktika zu absolvieren. Außerdem wisse man durch die Praxis besser, was man beruflich wirklich möchte.
Die Vereinbarkeit des Vollzeitstudiums mit Beruf und Privatleben gelingt Prutti vor allem durch eine klare zeitliche Trennung: „Während des Semesters konzentriere ich mich vollständig auf das Studium, und in den Semesterferien arbeite ich. Da ich trotzdem monatlich vergütet werde, entsteht kein zusätzlicher Druck. Außerdem ist meine Partnerin selbstständig, sodass unsere Arbeitszeiten gut zusammenpassen und die Beziehung nicht darunter leidet, wenn wir beide später nach Hause kommen.“
Seine Empfehlung ist, den Schritt nach einer Ausbildung ins Studium einfach zu wagen. „Ein Studium bedeutet am Anfang zwar etwas Verzicht, aber die Erfahrung lohnt sich wirklich. Man lernt unglaublich viel Neues, entwickelt sich weiter und sieht die eigene Arbeit plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive.“
Berufliche Qualifikation als Hochschulzugangsberechtigung
In Deutschland gibt es mehrere Wege zum Studium mit sogenannter „beruflicher Qualifikation“, sprich ohne Abitur oder Fachabitur. Zum einen haben Studieninteressierte mit einer abgeschlossenen Ausbildung und anschließender mehrjähriger Berufserfahrung die Möglichkeit, ein Studium aufzunehmen. Zudem können Personen mit den Abschlüssen Meister, Techniker oder Fachwirt direkt studieren. In einigen Fällen ist zudem ein Studium zunächst auf Probe möglich.
Weitere Informationen und Beratungsangebote finden Interessierte unter: www.fh-swf.de/cms/ohne-abi