Pressemitteilung-Detail

Gemeinsam spielen, gemeinsam Kind sein
Fachbereich Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften richtete Praxisfachtag Inklusion für Fachkräfte aus der frühkindlichen Bildung aus
Soest. Barrieren abzubauen und Hilfsmittel anzuschaffen – das sind gute und wichtige Schritte. Eine inklusive Bildungs- und Entwicklungsumgebung für Kinder mit Beeinträchtigungen zu gestalten, bedeutet aber noch so viel mehr. Wie diese genau aussehen kann und wie Fachkräfte aus der frühkindlichen Bildung es schaffen können, zum Beispiel die Ebene der Kinder und ihrer individuellen Bedürfnisse in den Blick zu nehmen, das war jetzt Thema am Praxisfachtag Inklusion in Kindertageseinrichtungen an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Ausrichter war der Fachbereich Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften. 25 pädagogische Fachkräfte aus Einrichtungen im Kreis Soest sowie Studierende aus dem Bereich Frühpädagogik nahmen das Angebot gerne wahr.
Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) sieht vor, dass heilpädagogische Kindertageseinrichtungen bis 2026 aufgelöst werden sollen. Schon heute gibt es viele inklusiv konzipierte Kindertageseinrichtungen, in denen alle Kinder gemeinsame Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangebote erhalten. Fachkräfte ohne heilpädagogische Vorkenntnisse stehen dabei häufig vor Herausforderungen. Wie kann die Teilhabe an Bildungs- und Lernprozessen für Kinder mit körperlich-motorischen Beeinträchtigungen gesichert werden? Welche Ebenen für Inklusionsentwicklung gilt es, in den Blick zu nehmen? Welche Hilfsmittel wie Sitz- und Gehhilfen gibt es? Wie werden Hilfsmittel in der Gruppe kindgerecht thematisiert? Diese und viele weitere Fragen wurden im Rahmen von verschiedenen Vorträgen und Workshops am Praxisfachtag behandelt.
Amira Neffati arbeitet als Integrations- und Inklusionsfachkraft im INI Kindergarten in Bad Sassendorf. Sie hat zwar schon viel Erfahrung zum Thema „Inklusion in der KiTa“ sammeln können, hat den Praxisfachtag der FH als wertvolle Ergänzung aber dankbar angenommen. „Bei uns in der Einrichtung sind die baulichen Voraussetzung für eine barrierefreie Umgebung bereits gegeben. Ich habe aber heute noch viel dazulernen können, welche neuen Hilfsmittel gibt es darüber hinaus, wie und wo kann ich diese beantragen. Wir konnten die Hilfsmittel auch ausprobieren, das war für mich sehr hilfreich und hat mir noch ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder vermittelt.“
Mit der Neuregelung fürchten viele Erzieher*innen, die bislang keine Berührung mit heilpädagogischen Anforderungen erfahren haben, eine Überforderung. Konkrete Lösungsansätze und Möglichkeiten aufzeigen und dadurch Ängste nehmen und eine offene Haltung für Inklusion zu entwickeln – auch das war Ziel des Praxisfachtags. In einem abschließenden Workshop las die Autorin, Ärztin und Fachlehrerin Alexandra Haag aus ihrem Buch „Paula und die Zauberschuhe“ vor. Darin geht es um Paula, ein Mädchen im Kindergarten mit einer körperlichen Behinderung. Im Buch wird beschrieben, wer Paula ist, was sie mag, was sie gerne spiel und wie ihr Alltag ist. Dabei wird auch ihr Umgang mit ihrer Spastik thematisiert, kindgerecht erklärt, was das überhaupt ist und warum ein Kind wie Paula z.B. auf Hilfsmittel angewiesen ist. Es wird beschrieben, dass Paula meistens fröhlich ist, aber auch, wie sie manchmal an ihre Grenzen kommt und darüber sehr traurig oder sogar wütend wird. Die Autorin zeigte den Teilnehmer*innen auf, wie sie das Thema kindgerecht in der Gruppe ansprechen können. Dabei tritt die körperliche Behinderung in den Hintergrund und macht Platz für Spielen und Bewegen, Freundschaften schließen, Kind sein und vor allem Berührungsängste abzubauen.
Der Praxisfachtag Inklusion unter der Leitung von Prof. Dr. Britta Dawal war ein kostenfreies Angebot für pädagogische Fachkräfte aus dem Kreis Soest sowie Studierende der Frühpädagogik. Kooperationspartner war die Schuchmann GmbH & Co. KG, ein Anbieter von Reha-Hilfsmitteln.