Pressemitteilung-Detail

Wertschätzung und Wertschöpfung für die Region
Vorträge zu innovativen Konzepten und Diskussionen über die Zukunft der Landwirtschaft bei der 7. Ausgabe des Hochschulforums
Soest/Bern. Mehr als 280 Studierende, Alumni, angewandt forschende und lehrende Wirtschaftswissenschaftler*innen aus dem Agri-Food-Bereich aus der Schweiz, Deutschland und Österreich trafen sich am 12. Mai 2022 zur 7. Ausgabe des „Hochschulforums – Ökonomie und Innovation in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften der Berner Fachhochschule (BFH-HAFL) in Zollikofen bei Bern – mit reger Beteiligung einer Delegation des Fachbereichs Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen. In zahlreichen Vorträgen und Diskussionen rund um das Leitthema „Wertschätzung und Wertschöpfung für die Region“ griffen die Teilnehmer*innen die brennenden Fragen für die Zukunft der Landwirtschaft auf und lernten innovative Konzepte kennen. Die Botschaft der Fachtagung war klar: Wertschätzung und Wertschöpfung sind die entscheidenden Faktoren, um jungen Menschen eine nachhaltige Zukunft in der Landwirtschaft zu bieten – gerade dann, wenn Kostendruck und gesellschaftlicher Widerstand immer stärker werden.
„Das ‚Hochschulforum Ökonomie und Innovation in der Agrarwirtschaft‘ hat mit kräftiger Beteiligung aus Soest dieses Jahr nach zweimal ‚online‘ endlich wieder in Präsenz stattgefunden“, berichtete Prof. Dr. Wolf Lorleberg, Dekan des Fachbereichs von der erfolgreichen Veranstaltung. Lehrende für das Fachgebiet Agrarökonomie zählen zum Gründer- und Trägerkreis der Tagung, die 2017 an der FH in Soest ausgerichtet wurde. Dieses Jahr verknüpften die Agrarier die Teilnahme mit einer Exkursion der Masterstudierenden. An der Tagung beteiligt waren Prof. Dr. Marcus Mergenthaler, Prof. Dr. Friedrich Kerkhof, Prof. Dr. Wolf Lorleberg sowie 16 Studierende und mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in Form von Fachvorträgen und Präsentationen. Außerdem haben die Studierenden mehrere interessante landwirtschaftliche Betriebe und Forschungseinrichtungen besucht, u.a. die Swiss Future Farm des Landtechnikunternehmens Agco in Tänikon, Schweiz.
Kostendruck und gesellschaftliche Kritik – diese Herausforderung gilt nicht nur unter den besonderen Produktionsbedingungen der Schweiz. „Die schweizerische Landwirtschaft vertritt die Werte Umwelt, Qualität, Tierwohl und Fairness und muss diese offensiv und selbstbewusst kommunizieren. Kommunikation ist für die Zukunft matchentscheidend“, stellte Dr. Peter Spring, Leiter des Fachbereichs Agronomie und stellvertretender Direktor der BFH-HAFL, klar. Auch deshalb, da die Branche zu wenig Fachkräftenachwuchs habe.
„Wie kann sich die Schweizer Landwirtschaft künftig orientieren?“, fragte Martin Pidoux, Dozent für Agrarpolitik und -märkte der BFH-HAFL. Zwar liege das Stützungsniveau des Landes mit durchschnittlich 3’250 CHF pro Hektare deutlich über jenem der EU, trotzdem arbeiten Schweizer Landwirtinnen und Landwirte für weniger als 40 Prozent der Löhne, die im außerlandwirtschaftlichen Vergleich gezahlt werden. „Die großen Herausforderungen sind die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks, der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, der Umgang mit gesellschaftlichem Druck beziehungsweise den laufenden Abstimmungsinitiativen sowie die Versorgungssicherheit des Landes“, erläuterte Martin Pidoux.
Einfach „Besser produzieren!“ laute die Devise. „Bauern haben Produkte mit tollen Geschichten, sie sind sich nur dessen nicht bewusst“, sagte Lorenz Probst, Dozent und Marketingspezialist an der BFH-HAFL. Man müsse nur helfen, diese zu erzählen. Dabei gehe der Kanton Bern mit der breit angelegten „Berner Bio-Offensive – Bern ist Bio“ beispielhaft voran. Bis in wenigen Jahren werde der führende schweizerische Einzelhandel nur noch ökologisch erzeugte Produkte neu listen, die bei regionaler Erzeugung der lokalen Landwirtschaft gute Chancen bieten, ist Lorenz Probst überzeugt.
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