Zum Inhalt springen

Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
08.07.2021

Wenn es nachts sehr windig ist, muss das nur noch jemand der Steckdose sagen

Michael Mehlmann hat für seine Masterarbeit über den Ladeinfrastrukturmarkt für E-Fahrzeuge die absolute Bestnote bekommen

Hagen. Es gibt diese Menschen, die in ihrem Leben diesen einen roten Faden spinnen, der sie ohne Umwege an immer neue Ziele bringt. Michael Mehlmann ist einer dieser Menschen. Gerade erst hat er seine Masterarbeit im Fach Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen mit Bestnote bestanden, und schon nutzt er diesen Meilenstein als Sprungbrett für den nächsten großen Satz. Eine bemerkenswerte Geschichte über einen bemerkenswerten jungen Mann, der mit Elektromobilität auf der Überholspur unterwegs ist.

Das hier ist wieder so eine Geschichte, bei der man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Natürlich ist da diese ausgezeichnete Abschlussarbeit. In der geht es um ein Thema, das uns alle wahrscheinlich konkreter und früher angeht, als wir das vor wenigen Jahren noch für möglich gehalten haben. Aber es geht natürlich auch, nein, eigentlich geht es vor allem um einen Menschen. Der heißt Michael Mehlmann, ist 24 und hat – mit Verlaub – richtig was auf dem Kasten. Dieses Urteil darf man sich durchaus erlauben, wenn man sich allein diese Bildungskarriere anschaut. Bachelor mit 21, Master mit 23, Master mit 1,0. Danach spricht er auf der Suche nach dem perfekten Berufseinstieg bei den Schwergewichten der Branche vor. Schnell greift einer zu. Michael Mehlmann arbeitet ab Herbst für einen großen deutschen Energiekonzern.

Wer jetzt denkt, dieser Michael Mehlmann ist ein Mann großer oder lauter Töne, der irrt gewaltig. Der junge Mann, der fast noch jünger aussieht, als er ist, hört geduldig zu, antwortet dann schnell, überlegt, souverän. Dabei sagt er das, wonach sein Gegenüber fragt. Nicht mehr. Nicht weniger. Nicht laut. Auf den Punkt. Souverän. Man kann sich vorstellen, dass so einer die Assessment Center dieser Republik für sich einnehmen kann. Mit seiner Art, aber auch mit seinem Wissen, Letzteres hat er zum Großteil an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen erworben. Und er hat es mit seiner Masterarbeit im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen maximal unter Beweis gestellt.

Damit wären wir dann also bei dieser Abschlussarbeit, von der der betreuende Professor sagt, es sei die wahrscheinlich beste, die bei ihm bisher eingereicht wurde. Es geht – so der Titel – um Markteintrittsstrategien für Energieversorger in den Ladeinfrastrukturmarkt für Elektrofahrzeuge. Das Thema ist hochgradig relevant. Elektromobilität steckte lange in den Kinderschuhen, erlebt aber gerade den ersten und sicher nicht letzten Wachstumsschub. Am Strommarkt macht sich Goldgräberstimmung breit. Jeder will ein Stück vom Kuchen. Michael Mehlmann rät grundsätzlich zur Niedrigpreisstrategie. „Locken und halten“, nennt er das, „erst Marktanteile sichern und die dann verteidigen“. Dabei sollten feste Verträge geschlossen werden. Heißt: Wer sein Elektrofahrzeug lädt, der lädt es grundsätzlich zu den Konditionen seines Vertrages. Egal wo er es lädt. Egal wann. Das klingt einfach, erfordert aber gleich mehrere Quantensprünge. Zum Beispiel im Bereich Digitalisierung. Und es wirft einen weiteren wichtigen Themenkomplex auf: Wie können sich Energieversorger am Ausbau der Ladeinfrastruktur beteiligen.

Eine weitere zentrale Herausforderung besteht dann tatsächlich darin, welchen Strom die Fahrzeuge tanken. Michael Mehlmann erklärt: „Im Normalfall kommen die Menschen abends nach Hause, schließen ihr Fahrzeug an der Wallbox, einer Art Steckdose an und fahren morgens mit vollem Akku los“. In dem Zeitraum dazwischen liegt für die Energieversorger ein großes Potenzial. Aber auch ein großes Risiko. „Wenn alle gleichzeitig laden“, so Mehlmann, „besteht zumindest in Ballungsräumen die Gefahr, dass die Netze zusammenbrechen.“ Intelligentes Laden geht anders. Und zwar so: Der Stecker steckt wie gewohnt im Fahrzeug, geladen wird aber nur dann, wenn Kapazitäten da sind. „Und wenn der Preis passt“, ergänzt Mehlmann, „wenn es beispielsweise nachts sehr windig ist, können sehr viele sehr preiswert laden“. Aber diese Botschaft muss auch in den Steckdosen des Endverbrauchers ankommen. Womit wir wieder bei der Digitalisierung wären.

Prof. Dr. Klaus Thunig hat Michael Mehlmanns Arbeit betreut und begeistert die 1,0 daruntergeschrieben. Warum? „Die Arbeit überzeugt formal durch ihr sehr systematisches Vorgehen. Das ist methodisch hervorragend gelöst. Inhaltlich liefert sie Antworten auf die Problemstellungen aller Marktteilnehmer. In Michael Mehlmanns Strategien finden sich lokale Stadtwerke genauso wieder wie Großkonzerne“, so Thunig. Michael Mehlmanns beruflicher Weg führt nun erstmal zu einem dieser Großkonzerne, Und egal, welchen Verlauf Mehlmanns Karriere noch nehmen wird, begonnen hat sie an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen.