Obwohl seine Amtszeit als Rektor eigentlich im Dezember endete, führt Prof. Dr. Schuster nach der Abwahl der designierten Rektorin Dr. Ulrike Senger das Amt dem Hochschulrecht entsprechend weiter. Laut Paragraph 20 Abs. 4 Hochschulgesetz so lange, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger ernannt ist. Im Interview erklärt der amtierende Rektor, wie es bis dahin weitergehen soll.
Professor Schuster, zunächst einmal: Hätten Sie sich im vergangenen Dezember vorstellen können, dass Sie jetzt im August immer noch als Rektor im Amt sind?
Schuster: Nein, überhaupt nicht. Damals bin ich fest von einem Wechsel ausgegangen und dass meine Nachfolgerin spätestens im März oder April das Amt übernehmen wird. Persönlich war ich zwar sehr enttäuscht, nach 14 Jahren im Rektorat nicht selbst wieder antreten zu können, obwohl mich zahlreiche Menschen in der Hochschule zur Bewerbung ermutigt hatten. Die Ablehnung im Laufe des Bewerbungsverfahren war für mich emotional sehr belastend. In dieser Zeit habe ich aber bei meiner Familie und vor allem meiner Frau Rückhalt gefunden und bin letztlich gestärkt aus dieser Situation hervorgegangen. Seitdem freue ich mich darauf, bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2028 wieder aktiv in Forschung und Lehre einzusteigen und mehr Zeit für wissenschaftliches Arbeiten und meine Familie zu haben.
Kommt eine erneute Bewerbung für das Amt des Rektors für Sie in Frage?
Schuster: Auf keinen Fall. Ich werde übergangsweise nur so lange im Amt bleiben, bis wir eine gute Nachfolge gefunden haben. Mir ist wichtig, dass diese einen breiten Konsens in der Hochschule findet. Das betrifft nicht nur die Person der Rektorin oder des Rektors, sondern das gesamte Rektorat. Hochschulleitung ist eine Teamleistung.
Wie schätzen Sie denn die Zeitspanne bis zum Antritt einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers ein?
Schuster: Aktuell bilden sich ja die Gremien unserer Hochschule neu. Anfang September konstituiert sich der neu gewählte Senat, die Bildung des Hochschulrats steht an und auch die Dekanatswahlen sollten im September abgeschlossen sein. Aus Sicht des Rektorats wäre es möglich, Ende September eine Findungskommission durch die Hochschulwahlversammlung einzusetzen, die dann zeitnah die Stelle ausschreibt, sodass hoffentlich dieses Jahr noch Bewerbungen eingehen. Im Idealfall hätten wir dann im nächsten Frühjahr einen Ämterwechsel.
Im Sommersemester hat das amtierende Rektorat den im Vorjahr unterbrochenen Strategieprozess wieder aufgenommen. Wäre es nicht sinnvoller, die Strategieentwicklung dem künftigen Rektorat zu überlassen?
Schuster: Nein, die Strategieentwicklung kann nicht länger warten. Das ist so auch mit den Dekanaten aller Fachbereiche verabredet, weil aktuell konkrete Entscheidungen zum Einsatz von Ressourcen vor dem Hintergrund der künftigen Ausrichtung der Hochschule getroffen werden müssen. Hierzu haben wir im Sommer eine erste Struktur eines Strategieprozesses mit den Fachbereichen verabredet. Im September gibt es dazu einen Auftaktworkshop mit den neu gebildeten Dekanaten. In den kommenden Monaten wird uns voraussichtlich ein externes Beratungsunternehmen Zahlen, Daten und Fakten liefern, um dann die inhaltliche und gesamtstrategische Ausrichtung gemeinsam mit den Dekanaten zügig zu entwickeln und umzusetzen. Die Herausforderung ist dabei, verfügbare Ressourcen so zu verteilen, dass unsere bisherige sehr gute Arbeit als Hochschule weiter so erfolgreich gemacht werden kann.
Welche Rolle werden Sie in diesem Zusammenhang einnehmen?
Schuster: Meinen Job sehe ich hier als den eines Moderators, der seine Erfahrungen und seine Netzwerke einbringt, um im Sinne der Hochschule ein gutes Ergebnis zu erzielen. Mir geht es darum, dass diejenigen, die künftig in der Hochschule Verantwortung übernehmen, die Chance haben, diesen Prozess mitzugestalten. Das betrifft zum einen die Dekanate aber generell auch alle Menschen in der Hochschule, die sich vorstellen können, ihre Ideen einzubringen und vielleicht auch im künftigen Rektorat tätig zu werden. Hierzu lade ich ausdrücklich ein. Insgesamt lege ich Wert auf eine offene Kommunikation und wünsche mir, dass wir in der Hochschule auch weiter engagiert und gut zusammenarbeiten.
