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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
05.02.2007

"Hochschulfreiheit: Was erwartet die Wirtschaft von der Hochschule?"

Vortrag von Helmut Kostal, Gesellschafter der Leopold Kostal GmbH & Co.KG, Lüdenscheid, anlässlich des Neujahrsempfanges der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen

Der Rektor der Fachhochschule Südwestfalen, Herr Prof. Liese hat mich gebeten, anlässlich der beschriebenen heutigen Ereignisse einige Worte dazu zu sagen, was die Wirtschaft – hier natürlich insbesondere die Industrie Südwestfalens, also unseres heimischen Raumes – von der Hochschule und ihren Studenten erwartet.

Sehr geehrte Damen und Herren, wenn man als Unternehmer von einem Rektor der Fachhochschule Südwestfalen gebeten wird, eine kurze Ansprache – anlässlich eines Neujahrsempfanges und der feierlichen Widmung des Audimaxes dieser Hochschule auf den Namen des von uns allen hochverehrten Harald Korte – zu halten, geht man selbstverständlich davon aus, dass nun der Beitrag eines Praktikers und nicht der eines Wissenschaftlers gefragt ist. Der Rektor der Fachhochschule Südwestfalen, Herr Prof. Liese hat mich gebeten, anlässlich der beschriebenen heutigen Ereignisse einige Worte dazu zu sagen, was die Wirtschaft – hier natürlich insbesondere die Industrie Südwestfalens, also unseres heimischen Raumes – von der Hochschule und ihren Studenten erwartet. Bevor ich versuche, dieser Aufgabe nachzukommen, lassen Sie mich das Ereignis, das im Mittelpunkt des heutigen Tages steht, kurz kommentieren. Die Vertreter der Industrie des südwestfälischen Raumes – hier insbesondere vertreten durch die Arbeitgeberverbände Iserlohn, Hagen, Lüdenscheid und natürlich die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer Südwestfalen zu Hagen wissen, was sie Herrn Korte zu verdanken haben. Insbesondere sein selbstloses ehrenamtliches Engagement in beiden genannten Verbänden hat uns immer wieder Hochachtung abgenötigt. Ich bin persönlich überzeugt, dass für Herrn Korte die Ehrung, die mit der Benennung des Audimaxes der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen auf seinen Namen, hoch verdient ist. Als ehemaliger Absolvent dieser Hochschule hat er sich vorbehaltlos in den Dienst der Vergrößerung und weiteren Entwicklung der Fachhochschule Südwestfalen gestellt und bei vielen Gelegenheiten deren Entwicklung positiv beeinflusst. Das wir aus den Arbeitgeberbezirken Hagen, Iserlohn und Lüdenscheid dieses Engagement mehrfach finanziell im erheblichen Umfang unterstütz haben, spricht für die enge Bindung, die die Fachhochschule Südwestfalen mit der heimischen Industrie eingegangen ist. Professor Liese hat die Verbundstudiengänge an dieser Stelle bereits ausführlich gewürdigt. Der zweite Anlass, der heute umfassend von Herrn Professor Liese angesprochen und gewürdigt wurde, ist das neue Hochschulfreiheitsgesetz, welches die Hochschulen in NRW hinsichtlich der Finanz-, Personal- und Organisationsentscheidungen in die Freiheit, aber eben vor allem in die Eigenverantwortung entlässt. Als Vater dreier Kinder, die heimische Schulen besuchten, habe ich es erlebt, dass der Versuch der sozialdemokratisch geführten Landesregierung den Gymnasien eine vergleichbare Eigenverantwortung zu übertragen, um sie von der Gängelung der Schulaufsichtsämter zu befreien und Eigeninitiative möglich zu machen, kläglich scheiterte, da die Rektoren und Lehrer der Schulen sich nicht in der Lage sahen, diese Verantwortung zu übernehmen und die sich ihnen bietenden Chancen zu realisieren. Um so erfreuter bin ich heute zu sehen, dass bei den Hochschulen dieses Angebot, sich freiheitlich in eigener Entscheidung und Verantwortung weiter zu entwickeln, positiv aufgegriffen wird. Die Wirtschaft Südwestfalens ist sicher, dass damit die Grundlage für eine noch intensivere Zusammenarbeit in der weiteren Zukunft gelegt ist. Was erwartet also die Wirtschaft im Jahre 2007 von einer Fachhochschule wie die Fachhochschule Südwestfalen und den Absolventen? Das Wunschbild ist natürlich – wie so häufig im Leben – das der sprichwörtlich gewordenen ‚eierlegenden Wollmilchsau‘. Auf den Absolventen der Hochschule übertragen bedeutet dies, sehr gut qualifizierte und technisch oder kaufmännisch gut ausgebildete Menschen, natürlich am besten von beiden Richtungen ein ausreichendes Maß, die mit sozialer Kompetenz aber auch mit Einsatzwillen ausgestattet sind, die sie befähigen, mittelfristig Führungsverantwortung in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld in unseren Unternehmen zu übernehmen. Die Unternehmen suchen die Mitarbeiter für die Zukunft, die ihnen das Überleben in einem immer härter werdenden internationalen Wettbewerb ermöglichen. Die Wirtschaft erwartet, dass die Hochschulen diese Menschen ausbilden! In meinen Augen besteht die große Problematik darin, bei den Entscheidungsträgern – sei es in der Politik, der Hochschullandschaft aber natürlich auch in den Unternehmen – ein Bild mit der notwendigen Klarheit zu entwickeln, welches heute die notwendigen Entscheidungen sind, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrien langfristig zu sichern. Diese Wettbewerbsfähigkeit wird ausschließlich von der Qualität der Mitarbeiter abhängen. Wie sehr sich die Arbeitswelt in der Weltwirtschaft in den letzten 30 Jahren verändert hat, ist den meisten von uns nicht bewusst geworden. Die Betroffenheit von diesen starken Veränderungen ist ja je nach Industriezweig auch höchst unterschiedlich. Während Handwerker sich in ihren Tätigkeiten kaum mit internationalem Wettbewerb messen müssen; Haare, die in Deutschland wachsen, werden nun einmal zum größten Teil auch in Deutschland geschnitten; eine in Deutschland zu tapezierende Wohnung wird kaum einen Inder veranlassen, sein Heimatland zu verlassen, um diese Arbeit in Deutschland zu verrichten. Industrien, die unter dem Schutz deutscher Industriestandards eine gedeihliche Entwicklung in Deutschland und einigen wenigen angrenzenden Ländern erfahren, werden sich dieser Entwicklung wahrscheinlich auch noch lange Zeit erfreuen können. Ihr Markt weckt keine Begehrlichkeiten in Fernost. Andere Industrien hingegen wie die gesamte Branche der Informationstechnologie, also Computerbau, Softwareentwicklung, der gesamten Unterhaltungsbranche, also Radio, Fernsehapparate, Navigationsgeräte, Handys usw. und last not least die Automobilindustrie mit ihren Zulieferanten, zu denen sich mein Unternehmen zählt, stehen in einem gnadenlosen internationalen Wettbewerb mit den neuen Industrieländern Osteuropas und Asiens. Den meisten von uns ist kaum bewusst geworden, dass nach 1989 – quasi mit einem Wimpernschlag – die Weltwirtschaft eine Angebotserweiterung auf Seiten der Arbeitskräfte von rund 1,5 Milliarden arbeitsfähigen jungen Menschen erfahren hat. Seit den 70er Jahren sind 350 Millionen gut ausgebildete aber teure Arbeitskräfte in den Industriestaaten – also Nordamerika, Westeuropa und Japan – fast über Nacht in die Minderheit auf dem Weltarbeitsmarkt geraten. Seit Beginn der 90er Jahre beträgt der Zuwachs des weltweiten Arbeitskräftepotentials pro Tag ca. 200.000 Menschen. Dazu einige Zahlen: Das Weltbruttosozialprodukt des Jahres 2005 von 44,4 Billionen Dollar hat durch die Verlagerung des Wachstums, weg von Westeuropa und Nordamerika hin nach Asien, schon zu einer enormen Veränderung der Beschäftigungssituationen in diesen Regionen geführt. Den 400 Millionen Beschäftigten in Industrie und Dienstleistungen in den Industrieländern stehen allein 400 Millionen Chinesen in vergleichbaren Beschäftigungen gegenüber. Indien, das später als China startete, hat heute schon 220 Millionen Bewohner, die in den Wettbewerb der Weltwirtschaft eingetreten sind und Osteuropa ist heute mit 41 Millionen Beschäftigten, die uns Wettbewerb machen, mit von der Partie. Diese Entwicklung der Vergangenheit, die ja den traditionellen Industrieländern immer noch ein wenn auch bescheideneres Wachstum als den neu hinzugetretenen Ländern ermöglichte, ist an sich nicht beunruhigend. Legt man jedoch eine Studie von Goldman Sachs, die sich mit der voraussichtlichen Entwicklung der Industrieländer und der asiatischen Schwellenländer in den nächsten 45 Jahren befasst ,seinen Betrachtungen zugrunde, so ist doch Anlass zu großer Sorge gegeben. Nach dieser Untersuchung werden die Vereinigten Staaten im Zeitraum 2005 bis 2050 ein Wachstum von annähernd 300 % erfahren. Für Rußland wird im gleichen Zeitraum ein Wachstum von annähernd 400 % erwartet, China darf sich in diesem Zeitraum auf ein Wachstum von fast 500 % freuen und Indien als Spitzenreiter in der Zukunftserwartung wird sein Bruttosozialprodukt um annähernd 800 % steigern. Die Wachstumsraten, die Goldman Sachs für Westeuropa und Japan für den Vergleichszeitraum ausweisen, sehen dagegen außerordentlich bescheiden aus. Japan wird nach dieser Studie in den nächsten 45 Jahren beim Bruttoinlandsprodukt um 72 % und Westeuropa um ganze 60 % wachsen. Ursache für diese Wachstumsverlagerung – weg aus den angestammten Industrieländern hin zu neuen Playern im internationalen Industriewettbewerb – ist die Tatsache, dass sich aufgrund der modernen Informationstechnologien und der Möglichkeit, Waren billig über weite Entfernung zu transportieren, erstmalig ein weltweit einheitliches Wirtschaftssystem herausgebildet hat, in dem ausnahmslos alle Produktionsfaktoren im Wettbewerb stehen und vergleichbar werden. Kapital, Rohstoffe und leider eben auch die menschliche Arbeitskraft stehen heute im direkten Wettbewerb und werden gehandelt wie früher Silber und Seide. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs beschäftigen uns täglich in den Medien: BenQ in Bocholt, ISE in Bergneustadt sind nur zwei Beispiele der letzten Zeit in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Das Kapital als fungibelster Produktionsfaktor, strömt denn auch seit Jahren in diese neuen Produktionsstandorte, wo dank günstiger Arbeitskosten eine höhere Kapitalrendite als in den alten Ländern Westeuropas zu erwarten steht. Zunächst sind von dieser Entwicklung natürlich die Anlerntätigkeiten betroffen, da diese an den traditionellen Industriestandorten sehr hoch vergütet werden und dementsprechend ein riesiges Gefälle zu den Ländern Asiens besteht. Mit Löhnen für Anlerntätigkeiten, die beispielsweise in der BRD ca. das 20fache derer in China ausmachen, ist ein Wettbewerb mit einfachen Produkten aus Deutschland heraus in einer liberalisierten Weltwirtschaft nicht zu bestehen. Aber geben wir uns keinen Illusionen hin, das Tempo mit dem die neuen Industriestaaten Asiens die Technologie und Organisationskenntnisse der Industriestaaten erwerben, ist beachtlich. Sowohl China als auch Indien bilden jeweils pro Jahr ca. die 8fache Menge an Ingenieurstudenten aus, wie dies die BRD tut (je 40.000). Allein durch die Menge der verfügbaren qualifizierten Techniker, werden sich zukünftig Entwicklungsschwerpunkte und technisches Know How auch in diesen Ländern verstärkt herausbilden und zu Wettbewerbern unserer Ingenieure und damit unserer Unternehmen werden. Mit welchem Selbstbewusstsein die Vertreter der jungen Industrieländer den Vertretern der etablierten Unternehmen entgegentreten und wie weit gesteckt ihre Ziele sind, erleben wir täglich (z. B. Mittal – Accelor, Schöneweiß – Mahindra). Was ist also zu tun oder was tut die Industrie in den alten Industrieländern, um dieser Gefahr zu begegnen? Der Trend von industriellen Tätigkeiten hin zu Dienstleistungen hält in allen Ländern Westeuropas unvermindert an und wird hinsichtlich der Gesamtbeschäftigungslage eine gewisse Entlastung darstellen. Aber auch bei rückläufiger Bevölkerungsentwicklung werden diese neuen Berufe nicht in der Lage sein, die Gesamtbevölkerung in Westeuropa – insbesondere in der BRD – ausreichend zu ernähren. Das gilt besonders für Südwestfalen, wo wir einen besonders hohen Anteil von Anlerntätigkeiten zu verzeichnen haben. Wir müssen also dafür sorgen, auch im industriellen Geschäft zu bleiben. Wenn man den Grad der Internationalisierung der Unternehmen in Deutschland betrachtet, muss einem nicht zu Bange sein. 1957 produzierte die BRD rund 1 Millionen Autos, die hälftig im Land verblieben und zur anderen Hälfte ins Ausland exportiert wurden. 2004 wurden weltweit unter deutscher Marke fast 10 Millionen Automobile gebaut. Gerade 1,5 Millionen davon verblieben in Deutschland; 3,7 Millionen wurden ins Ausland verkauft und sage und schreibe 4,2 Millionen wurden im Jahre 2004 schon im Ausland produziert. Dieses Bild findet seine Spiegelung bei der Entwicklung vieler deutscher Industrieunternehmen. Lassen Sie mich mein Unternehmen als Beispiel heranziehen: 1957 beschäftigten wir keinen Mitarbeiter im Ausland, im Jahre 2006 sind dies 71 % von 10.000 Mitarbeitern. Bei KOSTAL haben sich auch die Anteile der Wertschöpfung entsprechend entwickelt. 1957 fand ein direkter Export kaum und eine Produktion im Ausland gar nicht statt. Im Jahre 2004 werden über 70 % der Wertschöpfung der KOSTAL-Gruppe im Ausland erzielt. Dieses Bild ist nicht auf die Automobilindustrie alleine beschränkt. Auch Unternehmen wie Adidas, Continental die Deutsche Bank, Fresenius Medical Care oder SAP, um nur einige zu nennen, sind sowohl hinsichtlich der Zusammensetzung ihrer Aktionäre, der Verteilung ihrer Mitarbeiter als auch bei der Umsatzerzielung mit zum großen Teil weit mehr als 50 % Auslandsgesellschaften. Für mich bedeutet dies, dass die Zukunft der deutschen Industrie nicht darin bestehen kann sich hinter Handelsbarrieren – auch wenn sie von vielen gewünscht sind – zu verschanzen, um dem unliebsamen internationalen Wettbewerb zu entgehen, sondern sie besteht einzig und allein darin, im internationalen Wettbewerb zu bestehen und unsere Stärken so zur Geltung zu bringen, dass auch langfristig der Begriff ‚Engineered in Germany / Made in Germany‘ einen guten Klang behält. Hierbei sind wir unabdingbar auf die Menschen, die diese Aufgabe für die gesamte Gemeinschaft verrichten sollen und damit die Grundlagen für die Lebensfähigkeit des Landes sichern sollen, angewiesen, denn die Menschen müssen auf die Herausforderung vorbereitet sein. Also auf die Vorbereiter und Ausbilder in allen Ebenen – sei es im Kindergarten, den Schulen, den Fachhochschulen, den Universitäten, den Lehrwerkstätten oder wo immer in Deutschland Lehre betrieben wird. Die Ausrichtung aller an diesem Lehr- und Lernprozess Beteiligten, an der von mir geschilderten Grundsituation der Weltwirtschaft und der Rolle Deutschlands in ihr, ist dabei von herausragender Bedeutung. Nur wenn wir erkennen, dass unsere industrielle Zukunft ausschließlich darin liegen kann, dass wir spezielles Know How in modernen Produkten, Verfahren und Produktions- und Organisationsprozessen entwickeln, die wir dann auch bereit sind, in unseren nationalen und internationalen Unternehmen anzuwenden, wird uns die Zukunftssicherung am Standort Deutschland und in Westeuropa gelingen. Der Spielplatz unserer Kinder muss in der Zukunft die Welt sein! Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch einige Worte zum Thema Innovation sagen! Innovationen können langfristig nur an Standorten entstehen, wo Grundlagenforschung, Produktentwicklung und Produktion vorhanden sind. Wir dürfen diese Grundlagen für Innovationen daher in Deutschland nicht in Frage stellen. Wenn ich die Vernichtung der Grundlagen wichtiger Industriezweige in der Vergangenheit betrachte, ist für großen Optimismus kein Raum gegeben. Mit dem Namen Tritin ist die Vernichtung der Atomtechnologie am Standort Deutschland verbunden. Mit dem Namen von Frau Höhn begann die Verteufelung der Gentechnologie. Die wesentlichen Wissenschaftler deutscher Herkunft dieser Technologien arbeiten heute in anderen Ländern. Und nun droht mit dem Namen Stavros Dimas (für die, die ihn nicht kennen, es ist der Umweltkommissar der Europäischen Union) beginnt nun die Bedrohung der Grundlagen der in Deutschland ansässigen Automobilindustrie. Die Durchsetzung der Forderung von 120 mg CO2 bis zum Jahre 2012 dürfte das Aus der deutschen Autoindustrie bedeuten. Wer soll dann aber bitte noch Innovationen entwickeln? Lassen Sie uns dafür sorgen, dass die kreativen Aufgaben hier im Land bleiben und dass wir sie zum Nutzen der gesamten Bevölkerung weiter entwickeln können. Lassen Sie mich zum Schluss kommen! Was erwartet die Wirtschaft von der Hochschule? Die jetzt in NRW gewährte Hochschulfreiheit muss von den Hochschulen genutzt werden, um die Lebensgrundlagen der Bürger hier in Südwestfalen, in der BRD und in Europa zu verbessern. Um hier voranzuschreiten, ist es notwendig: 1. Mit Hilfe der Hochschulen der Bevölkerung Einsichten in wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln, d. h. Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um die Veränderungsbereitschaft herzustellen. Neudeutsch wird dies mit ‚Reformfähigkeit‘ umschrieben. Wir brauchen in der breiten Bevölkerung die Einsicht, dass zur Sicherung der Zukunft umfassende Veränderungen in unseren Lebensgewohnheiten notwendig sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 2. Technologie und Innovation müssen weiterentwickelt werden. Auch im kleinen, auch und gerade an Instituten wie dem Kunststoffinstitut in Lüdenscheid. Die Hochschule Südwestfalen spielt hier eine wichtige Rolle, wird doch in der Industrie unterstellt, dass die Ingenieure, die die Fachhochschule verlassen, praxisnah ausgebildet sind und in der Regel das worüber sie sprechen auch ausführen können. 3. Junge Menschen auszubilden, damit wir als Industrie zukunftsfähig bleiben. Dazu gehört neben den notwendigen Fachkenntnissen ganz sicher auch die Vermittlung vermeintlich alter Qualifikationen wie Fleiß, Disziplin, Leistungsbereitschaft und auch Allgemeinbildung. 4. Die Hochschulen müssen die Freiheit – die sie wiedergewonnen haben – nutzen, um auch Begeisterung für Technik und für Leistung zu erzeugen. Lassen Sie uns beim Beispiel des vergangenen Sommers anlässlich der Fußballweltmeisterschaft bleiben. Die Welle der Begeisterung, die das ganze Land erfasst hat, war immerhin für eine mittelmäßig eingestufte deutsche Mannschaft so hilfreich, dass sie den dritten Platz in dem Welt-Wettbewerb belegen konnte. Im Augenblick schicken wir uns in einer Spezialdisziplin – wie dem Hallenhandball – an, die Weltmeisterschaft anzustreben. Auch für Deutschland insgesamt sollte es weiter möglich sein, in besonderen Disziplinen weltweit die erste Position einzunehmen. Lassen Sie uns also versuchen, unserer Bevölkerung, den Forschern an den Hochschulen und den Studenten an den Hochschulen die Begeisterung zu vermitteln, die besondere Leistung entstehen lässt. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!