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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
14.10.2020

20 Jahre technisches Verbundstudium

Public-Private-Partnership-Modell für das Ingenieurstudium blickt auf Erfolgsgeschichte zurück

Iserlohn. Vor 20 Jahren wurde ein seinerzeit bundesweit einmaliges Studienmodell an der damaligen Märkischen Fachhochschule in Iserlohn aus der Taufe gehoben: Ein ingenieurwissenschaftlicher Verbundstudiengang, der eine technische Berufsausbildung und ein Maschinenbaustudium vereinte und berufs- und ausbildungsbegleitend studierbar war. Entwickelt wurde dieser Studiengang in enger Kooperation mit den regionalen Arbeitgeberverbänden, der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) und heimischen Unternehmen.

Am 18. Februar 2000 überreichte die damalige NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler den Genehmigungserlass für den Verbundstudiengang Maschinenbau, der zum darauffolgenden Wintersemester 2000/2001 mit 88 Studienanfängern an den Start ging. Vorangegangen war eine intensive Planungs- und Entwicklungsphase in enger Kooperation mit den regionalen Arbeitgeberverbänden, der SIHK und Unternehmen der Region. Und nicht nur das: Die Arbeitgeberverbände finanzierten mit einem Millionenbetrag die Startphase des Studienmodells in den ersten Jahren. Das neuartige Studienmodell sieht bis heute eine 4,5 Bachelor-Studienphase in Präsenz- und Fernstudienform vor, kombiniert mit einer technischen Berufsausbildung oder parallel zu einer bestehenden Berufstätigkeit. Die theoretischen Lehrinhalte werden per Studienbrief im Fernstudium vermittelt; Seminare, Übungen und Praktika finden samstags an der Fachhochschule vor Ort statt.

20 Jahre nach der erfolgreichen Einführung blicken Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, Ralf Stoffels, Präsident der SIHK und Prof. Dr. Claus Schuster, Rektor der Fachhochschule Südwestfalen zurück.

„Als Zeitzeuge erinnere ich mich noch gut an die Entstehungsgeschichte dieses Studiengangs“, berichtet Maier-Hunke, „die Studierendenzahlen in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen gingen zurück, gleichzeitig suchte die heimische Wirtschaft dringend Nachwuchskräfte. Es galt die Region und die Hochschule zu stärken und auch die Unternehmen für dieses Modell zu interessieren. Was der Hochschule zur Umsetzung in erster Linie fehlte, war Geld. Hier war die Unterstützung der Industrie gefragt“.

„Mit diesem innovativen Studienmodell haben wir seinerzeit eine Marktlücke gefüllt, denn so etwas gab es im technischen Bereich noch nicht. Das Angebot, sich parallel zur Berufstätigkeit höher zu qualifizieren bzw. eine technische Ausbildung mit einem Maschinenbaustudium zu verbinden, war neu in Deutschland“, erinnert sich FH- Rektor Prof. Dr. Claus Schuster.

Fest stand von Anfang an, die Studierenden eng am Bedarf der heimischen Industrie auszubilden. „Kammerpräsident Harald Korte hat sich sehr für dieses Studienmodell engagiert und gemeinsam mit der Hochschule das Curriculum für den Verbundstudiengang Maschinenbau fachlich und inhaltlich entwickelt. Darüber hinaus hat er gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden eine Brücke zu den Unternehmen geschlagen und dafür geworben, Ausbildungsplätze für dieses Studienmodell zur Verfügung zu stellen“, betont Stoffels.

Das Interesse der Unternehmerschaft war von Anfang an groß. Mehr als 50 Unternehmen der regionalen Wirtschaft stellten für die ersten Studienanfänger*innen rund 80 Ausbildungsplätze mit einer Beschäftigungsgarantie bis zum Studienende zur Verfügung. „Waren es zu Anfang eher die größeren Unternehmen, so haben mittlerweile auch kleinere Unternehmen die Vorteile dieses Studienmodells entdeckt“, freut sich Stoffels, „wer Studium und Arbeit parallel bewältigt, ist hoch motiviert und sehr attraktiv für die Wirtschaft“.

Neben dem Verbundstudiengang Maschinenbau wurden in der Folge weitere technische Studiengänge nach diesem Modell entwickelt: Die Verbundstudiengänge Mechatronik, Elektrotechnik und Kunststofftechnik.

Bereits im November 2000 erhielt die Märkische Fachhochschule für dieses Studienmodell den von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erstmalig verliehenen Bildungspreis in der Kategorie Hochschule. Damit, so die Begründung, wurde die Initiative einer deutschen Hochschule ausgezeichnet, die durch intensive Kooperation von Hochschule und Betrieb eine duale wissenschaftliche wie praxisbezogene Ausbildung verwirklicht.

„Im Rückblick gesehen war die Entwicklung dieses Studienmodells ein Gewinn für alle. Studierende, Unternehmen und Hochschule profitieren auf unterschiedliche Weise davon. Wir waren und sind sehr dankbar, dass uns Industrie, Arbeitgeberbände und SIHK in all den Jahren stets begleitet und unterstützt haben“, fasst Schuster zusammen.

Auch für die Zukunft sehen die beteiligten Akteure einen Bedarf an solchen Studienmodellen: Ortsunabhängiges Lernen mit einer starken digitalen Komponente ist gefragt. „Wir werden in Südwestfalen näher zusammenrücken bei der Versorgung der heimischen Wirtschaft mit den richtigen Ausbildungsprofilen“, sind sich alle einig.