Pressemitteilung-Detail

Teams in Krisen stärken
Blickpunkt Corona: Fragen an Prof. Dr. Kilian Hennes, Leiter des GMP-Technikums an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn und systemischer Supervisor DGSv/SG
Iserlohn. Forscherteams suchen mit Hochdruck nach einem geeigneten Impfstoff gegen COVID 19, nach einem sicheren Test für den Nachweis von Antikörpern oder der Wirksamkeit bestehender Medikamente gegen Corona, Ärzte- und Pflegeteams in Kliniken und Pflegeheimen kämpfen um ihre Patient*innen. All diese Teams stehen unter einem enormen Druck. Wie können sie unterstützt werden und was macht sie in der Krise stark? Prof. Dr. Kilian Hennes von der Fachhochschule Südwestfalen gibt Antworten.
Frage: Wie können sich Teams in dieser schwierigen Zeit gut aufstellen?
Prof. Dr. Kilian Hennes: In den letzten Jahren wurde viel zum Thema Teamresilienz geforscht, also zur Fähigkeit von Gruppen und Organisationen, den Stress, der sich aus diesen Herausforderungen ergibt, zu absorbieren und nicht nur die Funktionsfähigkeit auf einem passenden Niveau zu halten, sondern auch aus den Widrigkeiten zu lernen. Es geht darum, an den Herausforderungen zu wachsen, um stärker als zuvor daraus hervorzugehen. Hier genügt es nicht, einfach eine charismatische Führungskraft immer schneller die Pauke schlagen zu lassen. Gerade in der heutigen Krisensituation ist es für systemrelevante Prozesse unerlässlich, dass die betroffenen Teams ihre Handlungsfähigkeit und ihre Resilienz erhalten, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben.
Frage: Was bedeutet das jetzt praktisch? Was sollen die Teams tun?
Prof. Dr. Kilian Hennes: Teamresilienz entsteht durch Zielorientierung auf drei Ebenen: Auf der Ebene der persönlichen Verhaltensweisen von Mitarbeitenden, auf der Ebene der Qualität von Zusammenarbeit aber auch auf der Ebene der psychologischen Voraussetzungen der Einzelnen. Alle Mitarbeitenden können die Teamresilienz fördern, wenn sie lösungsfokussiert arbeiten und die gesetzten Herausforderungen akzeptieren. Auch die stetige Pflege ihrer persönlichen Arbeitsbeziehungen ist sehr hilfreich, das braucht Raum für Gespräche. Im Team insgesamt ist es besonders wichtig, dass eine Flexibilität der Arbeitsweisen begrüßt wird. Immer wenn es im Team eine Idee gibt, wie Arbeitsabläufe besser wären, sollte es die Offenheit geben, so etwas sofort umzusetzen. Auch die Kommunikation über sämtliche Anforderungen sollte sehr offen und schnell sein, damit alle jederzeit informiert sind. Am wichtigsten jedoch ist eine lebendige Wertschätzungskultur! Echte – auch finanzielle – Anerkennung und aufrichtiges Lob sind der Treibstoff von Zielorientierung und Motivation.
Frage: Was sind denn die psychologischen Voraussetzungen, von denen Sie gesprochen haben und können die sich vielleicht ändern? Viele Teams in den systemrelevanten Bereichen arbeiten ja schon länger am Limit.
Prof. Dr. Kilian Hennes: Die letzte wichtige Ebene mit der Teamresilienz verbunden ist, liegt im Bereich des psychologischen Kapitals aller Mitarbeitenden. Haben die Leute eine Haltung von Optimismus, Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit? Trägt das Team motivierend dazu bei, dass jede und jeder Einzelne optimistisch bleiben kann, wächst die Teamresilienz. Ist genügend Raum, dass alle ihre individuellen Stärken selbstwirksam einbringen können, dann erfahren die Mitarbeitenden Handhabbarkeit. Das wäre nämlich wichtig, um durch einen eigenen hilfreichen Beitrag zur Situation Zufriedenheit erleben zu können.
Frage: Das klingt sehr herausfordernd. Verbrennen da nicht die Menschen in so einem Krisenteam?
Prof. Dr. Kilian Hennes: Daher ist als letzter Punkt auf psychologischer Ebene noch sehr wichtig, dass die Mitarbeitenden eigenverantwortlich mit ihren Kräften umgehen. Achtsam für seine Ressourcen zu sorgen, ist gerade in Krisensituationen unerlässlich. Jede und Jeder im Team sollte wissen, was persönlich Kraft spendet. Und das soll man sich dann auch zur Erholung gönnen.
Pressekontakt: hennes.kilian@fh-swf.de