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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
21.12.2018

Warum es mit 5G im ländlichen Raum dauern wird

Prof. Dr. Christian Lüders über Technik und Finanzierung des neuen Mobilfunkstandards

Meschede. Alle Jahre wieder hält ein neuer Mobilfunkstandard Einzug in die Telekommunikation. Warum es auch mit 5G in ländlichen Räumen länger mit der flächendeckenden Erschließung dauern wird, erklärt Prof. Dr. Christian Lüders im Interview. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen unterrichtet er in Meschede Elektrotechnik-Studierende in Mobilfunk oder Breitbandkommunikation.

Herr Prof. Dr. Lüders, was ist eigentlich „5G“?  

Lüders: Ungefähr alle zehn Jahre kommt eine neue Mobilfunkgeneration auf den Markt. 5G steht für die jetzt fünfte Generation des Mobilfunks. Die letzte war 4G, auch bekannt als Long Term Evolution, kurz LTE. 5G ist eine deutliche technische Weiterentwicklung von LTE. Das Besondere ist eine neue Form der Funkübertragung sowie Neuerungen im Kern-Netz, die unter anderem Glasfaserverbindungen und hochleistungsfähigen Richtfunk erfordern.

Wozu braucht man das?

Mit 5G können Sie zum Beispiel Katzenvideos in Ultra-HD anschauen (lacht). Das sogenannte Enhanced Multimedia Broadcasting bietet Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 20 Gigabit pro Sekunde. 5G ermöglicht zudem Massive Machine Type-Communication, also die Kommunikation in Netzen mit vielen Endgeräten. Beispielsweise könnten wir überall Sensoren für Feinstaubbelastung oder Lärmmessung installieren und problemlos die Daten übertragen. Nicht zuletzt gibt es ein drittes Anwendungsfeld, genannt Ultra Reliable Low Latency. Daten kommen dann in weniger als einer Millisekunde mit einer 99,999-prozentigen Wahrscheinlichkeit an. Das ist nützlich für autonomes Fahren oder die Maschinensteuerung in digitalisierten Produktionsprozessen. Zu betonen ist jedoch, dass nicht alle drei Anforderungen gleichzeitig realisiert werden.

Was ist das Problem in ländlichen Räumen?

Die Erschließung wird teuer. 5G nutzt zum Teil andere Frequenzen und eine andere Übertragungstechnik als LTE. Die Antennentechnik ist komplexer und für kleine Funkzellen im Hochlastbereich brauchen wir zusätzliche Zugangspunkte, zum Beispiel an Laternenmasten oder Häusern. Aktuell haben wir etwa 75.000 Mobilfunkstandorte in Deutschland, die umgerüstet werden müssen. Dazu kommen nach meiner Einschätzung einige zehntausend neue Standorte, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Die Umrüstung oder die Neuerrichtung müssen Wirtschaftsunternehmen wie die Telekom übernehmen, die sich über die Menge der Teilnehmer finanzieren. Die Frage ist also: Wie viele Teilnehmer finanzieren einen Sendemast? In Städten sind dies in der Regel viele, auf dem Land oft genug zu wenig.

Wie ließe sich das Problem lösen?

Die Lösung könnte eine staatlich organisierte Infrastruktur oder die Förderung unterversorgter Kommunen sein. Die Bundesnetzagentur versucht es durch konkrete Vorgaben. Bis 2022 sollen 98 Prozent der Haushalte mit 100 Megabit pro Sekunde angeschlossen sein. Jeder Anbieter muss bis dahin mindestens 1.000 5G-Stationen in Betrieb nehmen. In sogenannten weißen Flecken müssen ebenfalls mindestens 500 Funkstationen neu errichtet werden. Zudem erfolgt die Versorgung entlang wichtiger Verkehrswege. Meines Erachtens ist das ein passabler Kompromiss aus Versorgungsverpflichtung und wirtschaftlicher Vertretbarkeit. Wir erleben jetzt den Einstieg in die 5G-Technologie. Aber es wird noch einige Jahre dauern, bis wir sie ausschöpfen können. Das zeigt auch die Erfahrung bei LTE, hier haben wir gerade mal 80 Prozent Abdeckung in der Fläche. Nur weil eine neue Technik kommt, wird nicht gleich alles besser.

Hintergrund:

Die Bundesnetzagentur versteigert im Frühjahr 2019 die ersten Lizenzen für den 5G Mobilfunkstandard. Mitbieten kann jeder Interessent.

Die Vergabe der Lizenzen ist an konkrete Bedingungen geknüpft. Eine flächendeckende Versorgung lehnt die Behörde aber aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ab. Mehr Informationen gibt es unter www.bundesnetzagentur.de