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Die Wissenschaft der Daten
Prof. Dr. Thomas Kopinski zu Beruf und Studium von Data Scientists
Meschede. Prof. Dr. Thomas Kopinski beschäftigt sich gerne mit Zusammenhängen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Vor allem, wenn diese in Datenbeständen versteckt sind. Wenn der Professor für Ingenieurinformatik und Data Science den Begriff Datenwissenschaft erklärt, klingt es ganz einfach: „Buchstaben an sich sind in den meisten Fällen sinnlos, als Wort ergeben sie einen Sinn. Datenwissenschaft funktioniert in diesem Sinne wie Lesen, nur dass man die Zusammenhänge vorher nicht kennt, sondern herausfinden muss.“
Daten tragen insbesondere für Unternehmen einen immensen Mehrwert, der nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ein Ingenieurinformatiker kann mit Hilfe von Daten wie Druck und Temperatur eines Industrieprozesses den Verschleiß von Teilen erkennen, bevor diese defekt sind und ausfallen. Marktforscher können mithilfe von Nutzerdaten Marktprognosen erstellen. In der Logistik lassen sich Lagerbestände optimieren, Wege kurzhalten oder Verbräuche minimieren. Für die Forst- und Landwirtschaft können Datenwissenschaftler Zusammenhänge zwischen Klima- und Wetterveränderungen und der Vegetation aufdecken. „Wir erhalten in praktisch allen Fachgebieten Antworten auf Fragen, die wir noch gar nicht stellen können“, schwärmt Kopinski.
Grundsätzlich geht es bei den aufzudeckenden Zusammenhängen um Korrelationen, das heißt um statistisch nachweisbare Verbindungen. Hierzu müssen Datenwissenschaftler die Daten zunächst aufbereiten und bereinigen. „Wrangling“ heißt das im Fachjargon, bis die Daten eine Form haben, die eine statistische Analyse zulässt. „Das ist der spannende Teil, das ist jedes Mal neu“, meint Kopinski. Alles Irrelevante muss dann erstmal raus. „Bleiben wir beim Beispiel der Sprache, dann sind Nomen, Adjektive und Verben vom Informationsgehalt besonders interessant“, erklärt der Professor, „daher richten wir hierauf unsere Aufmerksamkeit.“
Rund 80 Prozent der Arbeit macht die Datenaufbereitung aus, alles Weitere ist dann Mathematik. Clusteranalysen dienen der Einteilung von Daten in Gruppen, mit neuronalen Netzen lassen sich Muster in Daten aufspüren. Datenwissenschaftler bedienen sich dieser und weiterer hochentwickelter Methoden, um Problemstellungen zu lösen. Einsatz finden auch Verfahren des maschinellen Lernens. Aber selbst der Schritt zur künstlichen Intelligenz klingt bei Professor Kopinski wieder recht einfach: „Wenn ich mehr Bäume als Häuser sehe, bin ich im ländlichen Raum – so kann auch ein Computer denken lernen.“
Hintergrund Datenwissenschaft
Daten gelten als der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. 90 Prozent der weltweit verfügbaren Daten entstanden in den letzten zwei Jahren. Täglich produziert die Menschheit eine Menge von zweieinhalb Quintillionen Datenbyte. Eine Quintillion, das ist eine Eins mit 30 Nullen. Der Begriff „Big Data“ beschreibt den Trend, dass Daten immer schneller verarbeitet werden und nach Art und Menge rasant zunehmen.
Datenwissenschaftler oder auch Data Scientists haben technischen Bezug, müssen mit Software und großen Datenmengen umgehen können. Zum fachlichen Hintergrund gehören Mathematik und Statistik. Beruflich finden sie Einsatz als Analysten oder Softwarearchitekten. Stichwort Digitalisierung: Datenwissenschaftler werden in praktisch allen Branchen benötigt.
An der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede können Studierende aktuell datenwissenschaftliche Module in verschiedenen Studiengängen belegen. Datenanalyse, Datenbeschreibung, statistische Analysen und entsprechende Softwaretools sind in allen Studiengängen relevant. In Vorbereitung ist zudem ein Masterstudium Data Science zum Wintersemester 2019/20.