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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
14.06.2018

Chancen und Pfade zur Landwirtschaft 4.0

FH SWF: Zukunftswerkstatt der Soester Agrarstudierenden

Soest. Die Digitalisierung als Mega-Trend hat die Landwirtschaft erfasst und wird sie nachhaltig verändern: ein Grund für junge Agraringenieurinnen und Agraringenieure, sich dieser Herausforderung zu stellen. 25 Master-Studierende des Jahrgangs 2017/19 der Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen haben in den vergangenen Monaten landwirtschaftlichen Betrieben der Region Pfade zur Digitalisierung aufgezeigt.

Nachdem sich die Studierenden einen umfassenden Überblick über die zahlreichen digitalen Anwendungen für Stall und Feld verschafft hatten, wurde jeweils für die Produktionsrichtungen Ackerbau, Schweinehaltung und Milchproduktion ein Stufenplan vom „herkömmlichen“ bis zum „smarten“ Agrarbetrieb nach aktuellem technischen Stand skizziert. Die Überlegungen wurden mit den Betriebsleitern dreier Partnerbetriebe besprochen und abschließend als individuelle Empfehlungen formuliert. Dabei scheuten sich die Studierenden nicht, Grenzen oder mangelnde Wirtschaftlichkeit neuer Technologien anzusprechen – bei zahlreichen Anwendungen besteht noch erheblicher Entwicklungs- und Kostensenkungsbedarf.

Wie Prof. Dr. Wolf Lorleberg vom Fachbereich Agrarwirtschaft in Soest als Betreuer des Projekts erläuterte, befinden sich landwirtschaftliche Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) gegenwärtig am Übergang zu einer neuen Entwicklungsstufe. „Precision Farming“, bei dem einzelne Arbeitsprozesse digitale Unterstützung erfahren, ist auf Betrieben mit fortschrittlich denkenden Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern bereits etabliert. Durch die starke Zunahme der Rechen- und Speicherkapazität selbst kleiner dezentraler Geräte, aggregierte Rechnerleistungen im Cloud-Computing und leistungsfähigere Telekommunikationsnetze nach kommendem 5G-Standard, wird jetzt der Übergang zum „Smart Farming“ bzw. zur „Landwirtschaft 4.0“ eingeläutet. Hier werden Arbeitsgeräte intelligent über das Internet vernetzt, z.B. mit Hilfe hoch entwickelter so genannter Farmmanagementsysteme. Doch auch dies ist laut Lorleberg nur ein „Zwischenstadium“, denn noch unterstützen die digitalen Systeme überwiegend menschliche Entscheidungen und arbeiten nur in Teilbereichen autonom. Schon in naher Zukunft könnten Arbeitsgeräte für definierte und abgegrenzte Teilprozesse durch „Maschinelles Lernen“ eigenständig Erfahrungen generieren. Auf dieser Grundlage würden dann Entscheidungen gefällt und Maßnahmen veranlasst. Die aktuell rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) lasse erwarten, dass in absehbarer Zeit Roboter und Anlagen in der Landwirtschaft nicht nur für Teilbereiche der Arbeitserledigung autonome Entscheidungen treffen und durchführen, sondern auch über die Vernetzung von intelligenten Systemen zu autonom agierenden „Systemen von Systemen“ – einer „Landwirtschaft 5.0“ – entwickelt werden.

In den beiden Soester Bachelor- und Masterstudiengängen der Agrarwirtschaft werden naturwissenschaftliche Grundlagen, agrarwirtschaftliche Fachkenntnisse und digitale Anwendungen in Lehre und Forschung eng verknüpft. Tatsächlich finden Absolventinnen und Absolventen immer häufiger bei Technologieunternehmen ihren ersten Arbeitsplatz, wo ihr Agraringenieurwissen zur Entwicklung neuer Anwendungen sehr willkommen ist. Auf der Mehrheit praktischer landwirtschaftlicher Betriebe hat die Digitalisierung als fortschreitender Prozess längst begonnen. Um den Anschluss an diese dynamische Entwicklung nicht zu verlieren, sollten Betriebsleiter sich kontinuierlich über die Chancen und Risiken neuer digitaler Anwendungen informieren und sich ggf. eine Digitalisierungsstrategie zurechtlegen.

Die Studie der Soester Agrarmaster ist im Internet abrufbar unter www.fh-swf.de, Suchbegriff „Smart Farm 4.0“.