Pressemitteilung-Detail

Maschinenbaustudent forscht in Kolumbien
Mike Feische sucht als Mitglied einer Forschungsgruppe nach alternativen Energien für Südamerika
Bogota. Der 30-jährige Student Mike Feische aus Sundern hat in seinem Auslandspraktikum in Bogota an Forschungen zum Trocknungsverhalten verschiedener Materialien mitgearbeitet. Ziel war es, neue Erkenntnisse für die südamerikanische Energiewirtschaft und Nahrungsmittelindustrie zu gewinnen.
„Kolumbien steht vor großen Veränderungen in der Energieversorgung“, meint Mike Feische, der im Juli 2018 sein Praktikum an der Nationaluniversität von Kolumbien begann. Feische arbeitete als Mitglied einer Forschungsgruppe, seine Arbeit könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Das Forscherteam versucht mit modernen Trocknungsverfahren effektivere Brennstoffe zu entwickeln. Durch die weitverbreitete Landwirtschaft entstehen riesige Mengen an Biomasse. Konkret hat der Maschinenbaustudent an der Entwicklung einer betriebsfähigen Trocknungsanlage für Biomasse mitgewirkt. Mit der Anlage soll beispielsweise das Trocknungsverhalten von Palmölschalen in verschiedenen Klimazonen erforscht werden. Neben der Energieversorgung können die Ergebnisse auch in der Nahrungsmittelindustrie genutzt werden. Eine Forschungsreihe beschäftigt sich beispielweise mit den Trockeneigenschaften von Minze. „Lebensmittel noch länger haltbar zu machen, wäre eine sinnvolle Sache“, meint Feische.
Über einen Hochschulkurs wurde ihm die Praktikumsstelle in Kolumbien angeboten. Bereuen tut Feische die Entscheidung nicht. Er vermisste manchmal die Struktur und Ordnung bei der Arbeit. Diese hat in Kolumbien einen anderen Stellenwert als in Deutschland. In der Anfangszeit gab es bürokratische Hürden. Die Aktivierung eines einfachen Mailaccounts der Universität dauerte mehrere Wochen. Grundstoffe wie destilliertes Wasser waren Mangelware. Teilweise fehlten Ersatzteile für Maschinen und Feische musste improvisieren, um Ergebnisse zu bekommen. Abschließend arbeitete er an einer Bediensoftware, damit die Experimente nach seinem Abflug weitergeführt werden. Das Leben an der Universität erlebte Feische als bunt und vielfältig: von einer Feier bei der Auffrischung des Che Guevara-Gemäldes am Hauptplatz über aufständische Studierende bis hin zu einem Skateboard-fahrenden Hund.
Neben der Arbeit nutzte Mike Feische jede Gelegenheit, das Land zu erkunden. Kolumbien besitzt ein ausgezeichnetes Fernbusnetz. An Wochenenden oder freien Tagen ging er auf Abenteuerreisen, badete im Schlammvulkan oder wanderte an kühlen Tagen bei „nur“ 28 Grad in den Bergen. Feische bewundert die Freundlichkeit und Offenheit der Kolumbianer. Seine Spanischkenntnisse waren zu Beginn eher schlecht, trotzdem hatten alle sehr viel Geduld bei Gesprächen. „Wir haben uns gemeinsam gefreut, wenn wir uns gegenseitig verstanden haben“, berichtet der Student. Untergekommen ist er bei einem privaten Vermieter nahe dem Regierungsviertel. Ihm wurde gesagt, dass diese Gegend besonders sicher sei.
Am Ende der drei Monate wollte der gebürtige Sauerländer erst einmal nach Hause: „Ich bin ein Familienmensch und habe besonders meine beiden Neffen vermisst.“ Er könnte sich jedoch vorstellen, für seine Bachelor-Arbeit wieder nach Kolumbien zu reisen.
Hintergrund:
Die östlichen Landesteile Kolumbiens sind noch nicht an das zentrale Stromnetz angeschlossen. Um diese Gebiete anschließen zu können, werden umweltfreundliche Energiequellen gesucht.
Kontakte der Fachhochschule Südwestfalen zur Nationaluniversität von Kolumbien bestehen über Prof. Dr. Wolfgang Wiest und das Labor für Thermische Energietechnik in Meschede.