Pressemitteilung-Detail

Gestaltungsentscheidungen einer Einkäuferin
Larissa Mansfeld berichte bei DPM-Werkstattgesprächen über ihren "Traumjob mit realen Herausforderungen"
Soest (JK). Bei dem jüngsten DPM-Werkstattgespräch auf dem Soester Campus der Fachhochschule Südwestfalen referierte Larissa Mansfeld, Einkäuferin bei der KiK Textilien & Non-Food GmbH, über "Design oder Nicht-Design - Gestaltungsentscheidungen einer Einkäuferin".
Wer bisher dachte, dass die Aufgabe des Einkaufs nichts mit Design zu tun habe, der wurde beim zweiten DPM-Werkstattgespräch eines Besseren belehrt. Gerade im Einkauf zeigt sich, dass Design aus Produkten aller Art nicht wegzudenken ist. Es zeigt sich aber auch, wie präzise der Einsatz von Design zu steuern ist. "Nicht ob Design eingesetzt wird, sondern wie - das ist eigentlich die Frage", so Gastgeber und Professor für Design- und Produktmanagement Dr. Ulrich Kern.
Und genau über diese Frage referierte die 32jährige Einkäuferin, selbst studierte Betriebswirtin. Seit 2009 ist sie bei dem Bönener Handelsunternehmen für sechs Warengruppen verantwortlich, unter anderem Spielwaren und Sport. Zusammen mit ihrem Team stattet sie die 3.200 Filialen in Europa aus. In ihrem Vortrag zeigte sie die Optionen für Gestaltung, aber auch die enge Verflechtung mit den unternehmerischen Prozessen auf.
Sieben Monate zwischen Einkauf und Verkauf
Bis zu sieben Monate vergehen, bis ein Produkt ab der Bestellung endgültig in der Filiale zu kaufen ist. Die meiste Zeit nimmt nicht der Transport in Anspruch, sondern die zahlreichen Prüfungen, die ein Produkt durchlaufen muss. Hierbei prüfen nicht nur die Einkäufer selbst die Muster und Waren, sondern auch akkreditierte Institute wie etwa der TÜV Rheinland.
Bei der Bestellung neuer Produkte spielt der Faktor Trend eine ebenso wichtige Rolle wie die Lieferzeit. Denn Trends beeinflussen die Kaufentscheidungen erheblich. Doch oft verschwinden sie genauso schnell, wie sie gekommen sind. Da ist die lange Beschaffungsfrist eine relevante Problemstellung, mit der sich Einkäufer jeden Tag neu auseinander setzen müssen.
Einkaufen heißt Empathie für Zielgruppen
Produkte können vom Einkäufer zu einem gewissen Teil selbst gestaltet werden, sofern es nicht Lizenzprodukte mit klar definierter Gestaltung sind. Vier Faktoren haben Einkäufer ansonsten in der Hand: Varianten, Formen, Farben und Verpackungen. Ein Einkäufer kann also z.B. entscheiden, welche Farbe zu welcher Form am besten passt und für welche Zielgruppe bestimmt ist. Diese Entscheidungen werden nach Erfahrung und Marktkenntnis, aber auch mit Gespür für Trends getroffen. Als Beispiel stellt die Referentin vor, wie sie einen Trend der Textilmode, nämlich der Tierprints, auf das Produkt Kalender transferierte – und damit einen Volltreffer im Verkauf landete.
Gut verpackt ist halb verkauft
Eine Verpackung muss in erster Linie den Verkauf unterstützen. Die Referentin stellte dar, was alles zu tun ist, um Produkte bestmöglich hervorzuheben. So muss auch kleineren Artikeln Geltung verschafft werden, etwa durch den Einsatz eines Displays. Weiterhin sind rechtliche Normen zu erfüllen. Und natürlich steht die Kundeninformation im Vordergrund. Idealerweise ist auf der Verpackung abgebildet, wofür das Produkt gedacht ist. Bei Kinderspielwaren sollte auf eine Altersangabe auf der Verpackung geachtet werden. Und insbesondere bei "KiK" ist immer der Preis darauf zu finden. Letztendlich sind Verpackungen aber ein Abfallprodukt, das kostenpflichtig zu entsorgen ist. "Jeder Cent geht vom Rohertrag ab", stellte die Referentin klar. Die Entscheidung ist also genau zwischen Verkaufsförderung und Kostenvermeidung auszubalancieren.
Am Ende gefragt, wie sie es mit dem privaten Einkaufen halte, räumte Larissa Mansfeld freimütig ein, dass sie als Einkäuferin ihr Hobby zum Beruf gemacht habe. Auch privat gehe sie nach wie vor leidenschaftlich gerne shoppen - obwohl sie im Jahr rund 3.000 verschiedene Produkte professionell einkauft. "Für mich ist Einkaufen einfach ein Traumjob. Das liegt wohl in den Genen".
Der nächste Termin der DPM-Werkstattgespräche ist für Dienstag, den 12. Juni 2012, angesetzt. Die Designmanagerin Iris Laubstein aus Köln wird über das Thema "Kosten oder Kunst? Projekte einer Designmanagerin" referieren. In der Veranstaltungsreihe rund um das Designmanagement kommen im laufenden Sommersemester ausschließlich Frauen zu Wort. Die Serie von insgesamt fünf Vorträgen läuft daher unter dem Titel "Frauenpower in Soest".
DPM-Soest
Terminübersicht: DPM-Werkstattgespräche
Di. 12. Juni 2012, Kosten oder Kunst? - Projekte einer Designmanagerin
16:00 Uhr - Iris Laubstein, laubstein design management und Leiterin des
Verband Deutscher Industiredesigner (VDID) Sektion NRW, Köln
Di. 19. Juni 2012, Fantasie oder Flop? - Strategien einer Dekor-Entwicklerin
16:00 Uhr - Dr. Annette Seidenberg, Produktmanagerin bei Westag & Getalit
AG, Rheda-Weidenbrück
Do. 21. Juni 2012, Publish or Perish? - Designsichten einer Journalistin
16:00 Uhr - Hannah Bauhoff, Hamburg; Gründerin des internationalen
Netzwerks designjournalists