Pressemitteilung-Detail

Neue Fortbildung für Erzieher und Lehrer
KNuT und Pfiffikus machen Lust auf Technik und Naturwissenschaften
Soest. Mit markanten Thesen zum Übergang Kita-Grundschule eröffnete Prof. Dr. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld die zweite Qualifizierungsreihe für naturwissenschaftliche Bildung in Kitas und Grundschulen.
Die Weiterbildungsmaßnahme ist Teil des Regionale-Projektes "Pfiffikus", das neben der gemeinsamen Qualifizierung von Erzieher(inne)n und Lehrer(inne)n die Kooperation der Bildungseinrichtungen fördert, um den Übergang zwischen Kitas und Grundschule zu verbessern. Zur Auftaktveranstaltung der zweiten Qualifizierungsstaffel begrüßte Gerald Mennen, pädagogischer Mitarbeiter im Regionalen Bildungsbüro, die rund 80 Teilnehmer im LWL-Berufsbildungswerk Soest.
Bereits seit 2006 führt das Institut für Technologie und Wissenstransfer am Hochschulstandort Soest (TWS) seine Qualifizierungsreihe KNuT durch. Die Abkürzung steht dabei für "Kinder- Naturwissenschaften und Technik". Diplom-Ingenieur Martin Lammers betonte, dass "KNuT ein Baustein sei der naturwissenschaftlich-technischen Bildungsangebote von TWS und Fachhochschule Südwestfalen für eine nachhaltige Fachkräftesicherung". Diese gaben letztlich auch den Impuls für die Gründung des Wissenschaftlichen Zentrums Frühpädagogik und den neuen Verbundstudium Frühpädagogik.
Die Fortbildungsmaßnahme selbst setzt sich zusammen aus fünf Vorlesungen und vier Praktika, in denen das theoretische Wissen praktisch angewandt wird. Daneben bieten TWS und Fachhochschule beispielsweise Praxiswochen für Berufskollegs, Facharbeiten für Gymnasiasten, Schülerpraktika und eine Physik-AG an. In dieser mittlerweile achten KNuT-Staffel wird den Teilnehmer(inne)n neben einer Teilnahme-Bescheinigung auf Wunsch erstmals auch ein benotetes Zertifikat angeboten.
Die Umsetzung von Inhalten der Qualifizierung demonstrierten Elena Stumpf und Anke Brügger vom Familienzentrum Bunte Welt sowie Ulrike Koch-Schulte von der Astrid-Lindgren-Grundschule. Die Soester Pädagoginnen präsentierten erfolgreiche Beispiele aus dem Bildungsalltag ihrer Einrichtungen. Zugleich zeigten sie auf, wie vor Ort Kooperationsstrukturen aufgebaut können, um bessere Übergänge für die Kinder zu gestalten.
Den Übergang Kita-Grundschule beleuchtete Prof. Dr. Rainer Dollase in seinem Eingangsreferat aus entwicklungspsychologischer Sicht. Dabei wandte er sich klar gegen Früheinschulung und Verschulung des Übergangs. Der Mensch lerne chaotisch und unsystematisch, in sozialen Bezügen und mit Bezugspersonen. "Das heißt: Kinder müssen nicht systematisch wie in der Schule lernen", stellte der Psychologe klar. Zugleich nahm Dollase den Übergängen ihre Schärfe: "Übergänge sind normal und stellen oft einen Entwicklungs- und Anpassungsreiz dar, auf die man nicht immer optimal vorbereitet sein muss". Ein guter Kindergarten sei demnach die beste Schulvorbereitung.
Frühe Beschulung habe im Schnitt einen leicht negativen Effekt auf die weitere Leistungskarriere. Für kleine Kinder sei das Lernen im Alltag und im Rahmen spielerischer Freiräume von besonderer Bedeutung: Ob störende Fliege oder vermeintlich langweilige U-Bahnfahrt - jede Alltagssituation berge eine Fülle von Lernpotentialen, die allerdings die Begeisterungsfähigkeit der Bezugsperson, also von Eltern, Lehrern und Erziehern erfordere. Auf Nachfrage konstatierte Dollase gerade auch die fehlende Begeisterungsfähigkeit von Gymnasial- und Hochschullehrern. Mit einem Seitenhieb auf derzeitige Inklusionsbestrebungen betonte der Bildungspsychologe die optimale Gruppengröße für die Grundschule: "15 Kinder mit einer Betreuerin ist besser als 25 mit zwei Betreuerinnen".
Mit dem Bildungsnetzwerk Pfiffikus hat die Bildungsregion Kreis Soest die Grundsätze des Landes NRW zur Bildungsförderung in Naturwissenschaft und Technik aufgegriffen. Im Rahmen der Regionale 2013 wurde das Projekt bisher mit zwei Sternen ausgezeichnet. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Gerald Mennen, betonte aber zugleich, dass das Projekt erst mit dem dritten Stern im Rahmen der Regionale 2013 die entsprechenden Fördergelder erhalten und damit auf stabile Füße gestellt werden könne.
TWS Soest
WZF
Bildungsregion Kreis Soest