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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
06.01.1999

Bewachte Studentinnen und lebende Nahrungsmittel

Erfahrungen eines Hagener Professors in China

Veranstaltet werden sollte ein zweitägiges Seminar zum Thema „Außenwirtschaft“. Der Dozent: Professor Dr. Gunther Bamler vom Hagener Fachbereich Technische Betriebswirtschaft der Märkischen Fachhochschule. Der Ort: Die Universität von Foshan in Südchina, seit einigen Jahren Partnerhochschule der Märkischen Fachhochschule (MFH).

Veranstaltet werden sollte ein zweitägiges Seminar zum Thema „Außenwirtschaft“. Der Dozent: Professor Dr. Gunther Bamler vom Hagener Fachbereich Technische Betriebswirtschaft der Märkischen Fachhochschule. Der Ort: Die Universität von Foshan in Südchina, seit einigen Jahren Partnerhochschule der Märkischen Fachhochschule (MFH). Wo hierzulande bei dieser Art Hochschulveranstaltung vielleicht 20 oder 30 Studierende anwesend sind, sah sich Professor Bamler in Foshan mit weit über 100 Teilnehmern konfrontiert, vorwiegend junge und hochinteressierte Studierende. Wahrscheinlich wären noch mehr gekommen, aber der Raum war nur für diese Anzahl bestimmt. Bei einer so großen Beteiligung geht natürlich der Seminarcharakter einer Veranstaltung vollständig verloren. Trotz entsprechender Animation traute sich niemand auch nur eine einzige Frage zu stellen, von fachlichen Beiträgen ganz zu schweigen. Keiner der Studierenden hatte auch nur die leiseste Erfahrung oder Kenntnisse auf dem Gebiet der Außenwirtschaft. Erst nach der Veranstaltung tauten die Damen und Herren richtig auf. In teilweise erstaunlich flüssigem Englisch wurden auch noch die letzten Einzelheiten über das Studium in Deutschland erfragt, über die Unterbringung der Studierenden bis hin zu der Frage, was die Professorinnen und Professoren denn unternähmen, wenn eine der Studentinnen schwanger würde. In China gibt es strikt getrennte Unterkünfte für weibliche und männliche Studierende. Die Studentinnen wohnen regelrecht eingezäunt und von bewaffneten Sicherheitskräften geschützt. Natürlich können sie jederzeit, auch nachts, rein und raus. Nur männliche ‘Helden’ kommen nicht hinein, schon gar nicht nachts. Und von Einzelzimmern oder gar Appartements können chinesische Studenten nur träumen. Zu acht wird auf dem Zimmer geschlafen, gewohnt und gelernt. Entsprechend viel Wäsche hängt somit auch vor den Fenstern. Eine Betreuung erfolgt nahezu rund um die Uhr. Riesig große Sportanlagen sind vorhanden, voll belegt; so ziemlich alle Arten von Leibesertüchtigungen können dort praktiziert werden. Dass es Speisesäle gibt, verwundert ebenso wenig wie das Vorhanden sein von Bibliotheken und Lesesälen. Computerräume erstaunen da schon eher. In Anbetracht der großen Studentenmassen sind sie zwar nicht so zahlreich wie bei uns. Aber Pentium-Prozessoren, Internet, E-mail oder Microsoft ’97 sind in Foshan keineswegs Fremdwörter. Da das Studienjahr gerade erst anfing, war der Campus voller Militär. Überall übten sich junge Herren, aber eben auch Damen in Uniform im Marschieren und Exerzieren. In China muss erst so eine Art Grundausbildung beim Militär absolviert werden, ehe man studieren kann. Und der Einfachheit halber geschieht das gleich auf dem Universitätsgelände; dann entfällt auch die Kasernierung. Schließlich wohnen alle Studierenden in der Uni. Daher gibt es auch keine Familienprobleme; alle müssen jung und ledig sein. Das erklärt auch die eine Frage der jungen Studentin. Bei einer Schwangerschaft müssen die Damen das Studium abbrechen und werden nach Hause geschickt. Kinderkriegen in einem so jungen Alter ist ohnehin verpönt in China. Ein Kind ist die Norm und das bitte nicht zu früh und natürlich erst nach der Hochzeit. Neben dem universitären Leben gab es für Professor Bamler auch Gelegenheit, das Alltagsleben in China kennenzulernen. Zum Beispiel die Wohnung eines Professoren-Kollegen. Alles ordentlich, renoviert und gut möbliert, von der Haushaltselektronik über den Farbfernseher bis hin zum elektrischen Büchsenöffner alles vorhanden. Sogar groß war die Wohnung, fünf Zimmer, Küche, Bad. Das obligatorische einzige Kind, eine größere Tochter, wohnte natürlich auch noch bei den Eltern. Erstaunlich zu erfahren: Die Wohnung war eine Eigentumswohnung, jedoch anders als in Deutschland, ohne entsprechendem Anteil am Haus und schon gar nicht am Grund und Boden. Dies ist Eigentum des Staates und auch die Bewirtschaftung liegt in seinen Händen - eben Planwirtschaft. Bei der Lebensmittelversorgung herrscht hingegen Markt pur. Klein- und Kleinstgewerbetreibende bieten so ziemlich alles an, was sich bewegt oder früher einmal bewegt hat – nein, in der Mehrzahl eigentlich, was sich immer noch bewegt. Von der Raupe über den Skorpion, von der Schlange über den großen Frosch bis zum kleinen Hund. Unsere Tierschützer wären sicherlich nicht begeistert, müssten sie bei den allerorts stattfindenden Schlachtprozessen zusehen. Aber die Chinesen wollen eben sicher sein, dass alles frisch ist – verständlich irgendwie, denn so etwas wie eine Lebensmittelpolizei oder ein Gewerbeaufsichtsamt konnte nicht entdeckt werden. Bei aller Hektik auf dem Markt, man hat dort noch Zeit. Die Chinesen reden beim Geschäft lange und ausführlich miteinander, es wird sorgfältig gefeilscht und die Qualität geprüft. Wem durch das Marktangebot der Appetit aufs Essen verloren gegangen ist, sollte sich eines Besseren belehren lassen. Die kantonesische Küche, die in Foshan angeboten wird, gilt als die beste von ganz China. Professor Bamler wird spätestens im Jahr 2000 wieder nach Foshan reisen. Dann nämlich findet dort der 3. Internationale Workshop statt mit Studierenden aus sieben Nationen, darunter auch Studierende des Fachbereichs Technische Betriebswirtschaft. Durchgeführt wird ein Unternehmensplanspiel, bei dem es darum geht, nationale Unterschiede bei unternehmerischem Handeln und Entscheiden festzustellen. Geplant ist darüber hinaus auch der Besuch des Containerhafens in Hongkong, des Volkswagenwerks in Shanghai und ein Empfang durch das Außenwirtschaftsministerium in Peking. Kontakt: Professor Dr. Gunther Bamler, Tel.: (02331) 987-2128/2392