Pressemitteilung-Detail

Aus der Wüste zurück im Studium
Mit vier kultigen Studentenautos bewältigte das R4 Team Westfalen 8.000 km Acht Studierende fuhren von Soest über Paris nach Marrakesch und zurück
Soest. Müde aber glücklich kehrten die acht Piloten des R4 Team Westfalen nach Soest zurück. 17 Tage waren die Studierenden der Fachhochschule Südwestfalen in den kultigen Studentenautos unterwegs. Auf dem Campus Soest war per Telefonkette ein kleines Willkommens-Komitee zusammengetrommelt worden.
300 Kilogramm Hilfsgüter hatten sie bei der Abfahrt im Gepäck. Um diese Fracht erleichtert, doch um viele Erfahrungen reicher kehrten die sieben Piloten und eine Pilotin nun heile zurück - die vier Autos mit deutlichen Blessuren. Insgesamt legte das Soester R4 Team rund 8.000 Kilometer zurück. Neben Geschichten und Bildern haben sie nun reichlich roten Wüstensand im Gepäck. Innen und außen, überall in Autos und Gepäck hat sich das fein verwitterte Sedimentgestein angesammelt.
"Oft war der Staub nebelartig", berichtet Maren Rump. Weil das Team immer als Kolonne unterwegs war, fuhren die Fahrzeuge dann versetzt. "Dazu mussten wir höllisch auf die Fahrstrecke aufpassen", schildert die Design- und Projektmanagement-Studentin. Immer wieder tauchten Schlaglöcher oder größere Steine plötzlich aus dem Sandnebel auf.
Fast jeden Abend mussten die Studierenden an den Fahrzeugen schrauben: "Da war man nach der ganzen Fahrt noch ein paar Stunden beschäftigt und schlief beim Feierabendgetränk auf dem Campingstuhl ein", erzählt der gelernte Industriemechaniker Maximilian Müller. Mit Philipp Sommer (24) hatte er den einzigen schwerwiegenden Schaden der Westfalen. Noch in Frankreich machte ein Radlager schlapp. Das mussten sie regelkonform ohne Unterstützung des Rallye-Services reparieren lassen. Dieser ist erst ab Marokko zuständig.
"Im Prinzip braucht man ein ganzes Auto als Ersatzteillager", scherzt Maschinen¬bau¬student Müller. Der 25-jährige ist der einige der Studierenden, der das Alter der drei baugleichen R4 "GTL" des Teams erreicht hat. Müller selbst ist Co-Pilot im blauen "F6"-so heißt die R4-Baureihe als Kastenwagen, die allerdings ebenfalls mit nur 34 PS auskommen muss. Der F6 hat als einziges Fahrzeug des Westfalenteams bereits das Oldtimer-Alter erreicht und trägt ein H-Kennzeichen.
Die eigentliche Rallye begann für das Soester Team erst nach gut 3.000 Straßen-Kilometern. Der Tachostand wurde im ersten Biwak auf dem afrikanischen Kontinent, also erst nach marokkanischen 550 Kilometern Fahrt festgehalten.
Die eigentliche Rallye durch die Wüste umfasste fünf Tagesetappen von jeweils 90 bis 130 Kilometern Länge. Viermal gibt es organisierte Biwaks; das letzte Lager vor dem Ziel muss sich jedes Team selbst suchen und organisieren.
Im Mai planen die acht Studierenden vom R4-Team Westfalen einen öffentlichen Vortrag, zu dem insbesondere auch Sponsoren und interessierte Studenten eingeladen werden. Vorab präsentieren sie sich mit einem Stand beim Karrieretag, am 4.April.
R4-Team westfalen
4L-Trophy
Hintergrund 4L Trophy: Eine kultiges Projekt mit humanitärem Hintergrund
1998 fuhren sechs französische Studenten auf den Spuren der legendären Rallye Paris-Dakar, kamen aber - so die Legende - nur bis Marrakesch. Daraus entstand die Idee zur jährlichen Raid 4L Trophy.
Im Februar 2012 gingen im 15. Jahr der Tour 1.350 R4-Crews mit 2.700 Fahrern an den Start. Mit der Internationalität hapert es aber noch ein wenig bei der 4L-Trophy, obwohl sich der Veranstalter bereits seit ein paar Jahren öffnen will. Ohne französisch-Kenntnisse kommt man schnell an Grenzen, das haben alle drei Soester Teilnehmer-Jahrgänge leidlich erfahren. So fuhren auch in diesem Jahr lediglich 45 nicht-französische, "europäische Teams". Positiv gewendet ist das R4 Team Westfalen einziges deutsches und mit vier Fahrzeugen zugleich größtes internationales Team.
Der offizielle Startschuss fiel in diesem Jahr erstmals nicht in Paris, sondern auf dem großen Parkplatz des Futuroscope Freizeitpark in Poitiers. Von hier aus betrug die offizielle Wegstrecke inklusive Rückfahrt 8.000 Kilometer.
Die technische Betreuung der Teilnehmer durch Trophy-Organisation beginnt erst auf dem afrikanischen Kontinent. So musste sich das Team Blau mit seinem Lagerschaden in Südfrankreich selbst helfen. Dank ADAC und zufällig vorhandenem Ersatzteil in der nächstgelegenen Werkstatt kamen Maximilian Müller (25) und Philipp Sommer (24) mit achtstündiger Verspätung rechtzeitig vor Abfahrt der Fähre in Algesiras an.
Die im Wettbewerb gemessene Strecke beginnt erst nach 550 marokkanischen Straßen-Kilometern. Aber schon hier erlebten die Fahrer Undenkbares: etwa mitten im Nirvana einsam herumstehende Menschen oder Viehtrieb mitten auf der Autobahn. Das Soester Vorgänger-Team schwärmte gar von einer einsamen Bar im Wüstensand.
Solidargendanke und humanitärer Zweck der 4L-Trophy
Um an der 4L-Trophy teilnehmen zu können, müssen die Teilnehmer, wie schon vor 13 Jahren, mit einem fahrtüchtigen "Renault R4" an den Start gehen, als Student immatrikuliert sein und dürfen höchstens 28 Jahre alt sein.
Jedes Team muss mindestens 50 Kilogramm Schulmaterial, sowie zehn Kilogramm Lebensmittel mitführen, das vor Ort über die Hilfsorganisation "Enfants du Désert" (zu Deutsch: Kinder der Wüste) weiter verteilt wird. In diesem Jahr sind nach Angaben der Veranstalter über 80 Tonnen an Schulbedarf zusammen gekommen.
Neben dem interkulturellen und humanitären Gedanken ist das vorrangige Ziel der Rallye, Teamgeist und Durchhaltevermögen zu zeigen und nicht zuletzt der sportliche Ansporn, ausgerüstet mit Kompass, Karte und Roadmap in der Wüste am wenigsten Kilometer zurückzulegen.
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