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Theorie spielend begreifen
Professoren gehen im "Effizienzlabor" neue Wege in der Lehre
Meschede. Seit Anfang des Jahres betreibt die Fachhochschule Südwestfalen ein "Effizienzlabor". Der erste Eindruck nach dem Eintreten: Man ist in einem großen Spielzimmer gelandet.
Drei Professoren und fünf Mitarbeiter sitzen um einen großen Tisch, haben rote, blaue und grüne Auflagen vor sich und schieben Legosteine hin und Zettel her. Auf Schildern stehen Begriffe wie "Kunde", "Vertrieb", "Werk" oder "Lieferant".
"Wir testen gerade unser Logistik-Planspiel", erklärt Prof. Dr. Monika Reimpell. Dieses soll ab dem Sommersemester 2012 im Lehrbetrieb eingesetzt werden. Studierende simulieren mit diesem Spiel dann die Steuerung von Lieferprozessen unter Effizienzgesichtspunkten. Das Angebot richtet sich an Teilnehmer in den Fächern Logistik, Operation Research und Produktionswirtschaft. Das Effizienzlabor kann aber auch zu Forschungszwecken in Zusammenarbeit mit Unternehmen genutzt werden.
Auffällig ist die Einrichtung des Effizienzlabors. An den Wänden kleben beispielsweise Magneten. "Die Wände sind in Magnetfarbe gestrichen", verrät Prof. Dr. Paul Gronau. Das ist effizient, denn so wird kein Platz für Stellwände benötigt. Und er weist gleich auf weitere Besonderheiten des Effizienzlabors hin. Tische und Stühle sind höhenverstellbar, um Sitz- oder Steharbeitsplätze zu ermöglichen. Rollen an Tischen und Stühlen ermöglichen beliebige Anordnungen zur Simulation von Fertigungslayouts, Wertschöpfungsstufen oder Materialflüssen.
Hierfür lassen sich auch computergestützte Verfahren einsetzen. Die Simulation mit Planspielen und "echten" Arbeitsplätzen hat jedoch einen wesentlichen Vorteil: die Situation ist für Studierende im wahrsten Sinne des Wortes "begreifbar". Erste Erfahrungen im Effizienzlabor machte Prof. Dr. Stefan Jacobs im Wintersemester. Er ließ Studierende Bagger aus Legosteinen bauen. Hierzu teilte er die Studierenden in eine Lieferkette aus mehreren Lieferanten, Modulherstellern und einer Endfertigung ein. Sehr schnell merkten die Teilnehmer, wie schwierig die Organisation einer Lieferkette ist. "Obwohl ein Bausatz nur aus 50 Teilen besteht, dauerte es über eine Stunde, bis der erste Bagger vom Band rollte. Ein Fünfjähriger braucht dafür maximal zehn Minuten", schmunzelt Jacobs.