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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
18.01.2012

Die Zukunft der Tierhaltung steht auf dem Spiel

Soester Agrarforum diskutierte aus Verbraucher- und Produzentensicht

Soest. Öffentliche Kritik, Lebensmittelskandale und eine wachsende Flächen- und Rohstoffkonkurrenz bedrohen die Zukunft der deutschen Nutztierhaltung. Diese hochaktuellen Herausforderungen wurden beim 23. Soester Agrarforum unter dem Titel "Zurück zum Sonntagsbraten - Zukunft der tierischen Veredelung?" diskutiert.

Rund 800 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft konnte der Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen gemeinsam mit dem Ehemaligenverband Susatia in der Soester Stadthalle begrüßen. Fachliche Lösungen anstelle ideologischer Diskussionen bot Johannes Remmel, Minister für Klima-schutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen an. Es gehe darum, Landwirtschaft und ländlichen Raum im Industrieland NRW zukunftsfähig zu halten und beide im global ausgerichteten Wettbewerb zu sichern. Dem Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung werde das Land NRW entschieden entgegentreten; die Verwendung solle kurzfristig um die Hälfte sinken und eine neue Datenbank zum Medikamenteneinsatz für Transparenz und Vertrauen sorgen. Die Ächtung des Verzehrs tierischer Lebensmittel in der Öffentlichkeit sei eine reale Gefahr, warnte Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker und wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. (EU.LE). Außerdem entstehe durch "Ersatz-fleisch" aus Fermentierung oder durch "Biotec-Schinken" aus Stammzellenkulturen eine neue Konkurrenz. Das Image der modernen Tierhaltung in den Medien werde aktuell von ihren Kritikern bestimmt. die Landwirtschaft müsse sich endlich mit einer eigenen Kommunikationsoffensive wehren, es gehe dabei um ihre Existenz. Durch stark wachsende Tierbestände in Asien und die Ackerflächennutzung für nachwachsende Rohstoffe stehe die deutsche Tierhaltung zunehmend in harter Konkurrenz, betonte Prof. Dr. Mechthild Freitag vom Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Die moderne Tierernährung habe dafür Lösungsansätze parat und sei in der Lage, mit gezielten Maßnahmen klimaschädliche Emissionen der Tierhaltungen zu senken. Eine Abkehr von intensiven Produktions-verfahren sei dazu nicht sinnvoll, denn diese böten im Vergleich die höchste Klima- und Ressourceneffizienz. Die moderne Ernährung aus energiereichen und hochverdaulichen Lebensmitteln sei nicht auf den bewegungsarmen Lebensstil der breiten Bevölkerung abgestimmt, erläuterte Prof. Dr. Helmut Heseker vom Institut für Ernährung, Konsum & Gesundheit der Universität Paderborn. Die moderne Tierhaltung müsse sich künftig auf die Zucht und Produktion fettarmer Nutztierrassen konzentrieren und der ernährungsphysiologischen Qualität des Fetts und dem Geschmack stärkere Beachtung schenken. Die Züchtung sei die effizienteste und nachhaltigste Strategie der Leistungs- und Effizienz-steigerung als zentrale Herausforderung der globalen Ernährungssituation, bekräftige Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ernst Kalm vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Mit dem neuen Instrument der genomischen Selektion und durch die Verfügbarkeit von Hochdurchsatz-Typisierungstechnologien stehe der Nutztierzüchtung eine technische Revolution bevor. Die nachhaltige Intensivierung der Nutztierhaltung sei der sinnvolle Weg in die Zukunft. FB Agrarwirtschaft