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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
28.11.2011

Zukunftsperspektiven für ländliche Räume

80 Wissenschaftler aus ganz Deutschland diskutierten über Perspektiven für ländliche Räume

Soest. Auf große Resonanz stieß die Jahrestagung des Arbeitskreises Ländlicher Raum der Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG) an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Insgesamt 21 Experten berichteten von ihren aktuellen Forschungsaktivitäten. Das Spektrum in den vier Themenforen reichte von ländlichen Transformationsprozessen über Perspektiven für ländliche Immobilienmärkte und rural governance bis hin zu Flächennutzungen im Zeichen von Klimawandel und Biodiversität.

"Noch nie in der Geschichte des Arbeitskreises konnte eine Tagung so viele Experten und Interessierte aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft versammeln", zeigte sich die örtliche Organisatorin der Tagung, Dr. Luisa Vogt zufrieden. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soester Institut für Green Technology und ländliche Entwicklung Der Fachhochschule Südwestfalen wurde bei der am Rande der Jahrestagung stattfindenden Mitgliederversammlung in das Sprecherteam des Arbeitskreises gewählt. Rüdiger Meng von der Universität Mannheim widersprach der allgemein behaupteten These fehlender unternehmerischer Innovationskraft in ländlichen Räumen. Als Verlierer der Globalisierung scheinen sich ländliche Räume nicht mehr für standardisierte, arbeitsintensive Prozesse zu eignen, während sich Wissen und Innovationen eher in Ballungsräumen konzentrieren. Meng legte jedoch anhand von theoretischen Überlegungen und empirischen Arbeiten dar, dass Wissen und Innovationen durchaus in ländlichen Räumen entstehen können. Auch könnten Lagenachteile wie die teils fehlende räumliche Nähe zu Zulieferern, Forschungs¬institutionen, Wettbewerbern und Kunden teilweise kompensiert werden. So zeigt Jun.-Prof. Marion Klemme von der Universität Münster, dass vom demographischen Wandel betroffene Kommunen zunehmend auf Mitarbeit ihrer Bürger setzten. Sie warnt aber davor, die ehrenamtliche Leistungserbringung von Gemeinwohlorientierten Aufgaben nicht überzustrapazieren. Diese könnte das staatliche Aufgabenspektrums höchstens ergänzen. Gefahr sah die Wissenschaftlerin auch bei der Bürgerbeteiligung in Planungsprozessen: Aufgrund fehlender Professionalität und fehlender Routinen bestehe die Gefahr fehlender Differenzierung und kontraproduktiver Entwicklungen. Deutliche Wertminderungen im Immobilienbestand in den peripheren und ländlichen Lagen erwartet Kerstin Jochimsen, Wissenschaftliche Referentin in der Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landtags "Wohnungswirtschaftlicher Wandel und Neue Finanzinvestoren". Anhand von Beispielen aus NRW zeigte sie, dass dieser Prozess bereits eingesetzt habe. Bewohnern ländlicher Räume dürfte daher nicht länger die Wertstabilität von Immobilieninvestitionen oder gar eine Wertsteigerung ihrer Immobilie suggeriert werden. Im Arbeitskreis "Ländlicher Raum" arbeiten Geographen und Raumwissenschaftler zusammen, die sich an Hochschulen in Deutschland mit Fragen der Entwicklung ländlicher Räume beschäftigen. Auf Einladung des Instituts für Green Technology und ländliche Entwicklung (i.green) fand die diesjährige Tagung an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest statt. Unter dem Titel "Neue Funktionen und Nutzungen in ländlichen Räumen - Perspektiven und Herausforderungen für die Raumentwicklung und -forschung" stellten Wissenschaftler und Experten aus der Praxis aktuelle Forschungs- und Arbeitsergebnisse zu vier Themenblöcken vor: Ländliche Transformationsprozesse, "rural governance", Nutzungskonkurrenzen auf Freiflächen und Entwicklungen auf ländlichen Immobilienmärkten. Die Vorträge sind auf der Tagungswebseite öffentlich zugänglich.