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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
21.10.2011

NRW-Umweltminister besucht Grünlandstation

Fachhochschule Südwestfalen und Landwirtschaftskammer NRW werben für kontinuierliche Grünland-Forschung.

Meschede/Soest. "Wir brauchen viele Nutzungskonzepte", eröffnet Grünlandexperte, Prof. Dr. Harald Laser ein Arbeitstreffen mit dem NRW Umweltminister Johannes Remmel in der Versuchsstation für Grünland in Meschede-Remblinghausen.

Bedingt durch Klima, Gefälle und die weniger produktiven Böden ist in Mittelgebirgslagen wie in weiten Teilen des Sauerlands Wirtschaftsgrünland die einzige sinnvolle landwirtschaftliche Nutzung. Sie dient traditionell nicht nur der Futterproduktion für Nutztiere, sondern erfüllt im hohen Maße auch gesellschaftlich relevante Aufgaben im Landschafts- und Naturschutz. Wiesen und Weiden gehören zum attraktiven Landschaftsbild des Sauerlandes. Sie würden ohne eine nachhaltige Nutzung durch die Landwirtschaft verschwinden und nahezu vollständig durch Wald ersetzt. Politik, Forschung, Beratung und landwirtschaftliche Betriebe ziehen an einem Strang, um Vielfalt in einer durch den Menschen geprägten Kulturlandschaft zu erhalten. Um ihrem Forschungsauftrag und ihrer Beratungsfunktion gerecht werden zu können, betreiben Fachhochschule Südwestfalen und Landwirtschaftskammer NRW auf Flächen eines landwirtschaftlichen Betriebes in Meschede-Remblinghausen eine Grünland-Versuchsstation. Die Wolken hängen tief, leichter Niesel, die Tropfen scheinen in der Luft zu stehen - das Sauerland zeigt sich von seiner nass-kalten Seite: Statistiker bescheinigen dem Örtchen 1.200 mm Niederschlag im Jahr und eine Durchschnittstemperatur von 7,5° Celsius. Der Minister-Rundgang über die Grünlandstation wird daher stark verkürzt - von zahlreichen Experimenten präsentieren die Soester Agrarier nur einen der Versuche zum umweltgerechten Einsatz von Wirtschaftsdüngern. Eine der Fragen ist hier: Wie viel Gülle vertragen die Weiden, ohne dass der Nitratgehalt im Boden steigt? "Eine ganze Menge", betont Dr. Franz-Ferdinand Gröblinghoff, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Soester Fachbereichs Agrarwirtschaft. Dies belegen die überraschenden Ergebnisse der Untersuchung. Gröblinghoff weist in seinen Ausführungen aber darauf hin, dass an der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmenge der einsetzbaren Gülle nur auf Einzelantrag in besonderen Fällen vorbei zu kommen ist. Doch dann suchen Minister und Experten schnell Schutz und Kaffee in der luftigen Maschinenhalle des Kotthoffschen Hofes. "Das Vollweidesystem ist keine gängige Methode - entgegen verbreiteter Verbrauchermeinung", legt Prof. Laser dar. In der Realität stammt das Futter für die Milchproduktion zu großen Teilen vom Acker oder wird in Form von Grassilage im Stall verfüttert. Für viele Betriebe birgt Vollweide grundsätzlich Vorteile: "Früh durch Weidegang genutztes Futter birgt viel Energie - vergleichbar mit einer guten Maissilage." Aber eine weitere Extensivierung von Grünland stünde der Rückkehr zur "Milch von der Weide" entgegen, stellt der Grünlandexperte klar: "Eine Museums-Landwirtschaft bringt uns nicht weiter. Für die unterschiedlichen örtlichen Bedingungen und Betriebsgrößen brauchen wir entsprechend viele verschiedene Modelle". Schon jetzt findet man im Sauerland alle Bewirtschaftungsformen von Low-Input-Farming bis hin zu Hochtechnologie. Johannes Remmel, der allein mit einem Golf angereist ist, kennt als Siegerländer die Region und sucht die Expertenmeinung und hat präzise Fragestellungen mitgebracht: Wie groß der Konkurrenzdruck durch Weihnachtsbäume und Biogasanlagen sei, will der Umweltminister wissen, und ob es eine Möglichkeit gebe, Nährstoffbilanzen regional auszugleichen. "Kleine Biogasanlagen wären eine Chance für die Region", erklärt Dr. Martin Berges, Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Aber anders als die Veredelung seien große Biogasanlagen und Weihnachtsbaumkulturen aber eine klare Konkurrenz für Grünland mit Milchvieh. Auch die Aufnahmekapazität von Wirtschaftsdünger etwa von Gülle aus Veredlungsregionen stuft der Kammerdirektor als eher gering ein: "Das hängt sehr stark vom Standort ab", legt Berges dar und kommt damit erneut auf den Anlass für die Einladung des Ministers: Die Agrarwissenschaftler erhoffen sich eine langfristige Fortführung der Grünlandstation. Bisher bezuschusst das Ministerium die Aktivitäten der Fachhochschule auf der einfachen aber effizienten Versuchseinrichtung in Remblinghausen lediglich für kleine Projektzeiträume. Gerade von einem grünen Umweltminister erhofft man sich nun ein nachhaltiges Förderkonzept die Grünland-Versuchsstation - Grünlandforschung benötigt langfristige Projekte mit einer gesicherten Finanzierung. Aber auch der Umweltminister hat die Region im Blick und möchte die Regionalvermarktung voranbringen. Jenseits von Nischenlösungen wie Hofläden sieht Prof. Dr. Marcus Mergenthaler über Handelsketten gewisse Chancen, insbesondere bei Weidemilch-Vermarktung. Remmel selbst formuliert die Vision eines Labels "Käse aus NRW" und hofft, in seiner Amtszeit diese Marke auf den Weg zu bringen. Zum guten Schluss fordert der Minister die Agrarexperten auf, über den Optimierungs¬bedarf von Netzwerken in Forschung und Lehre nachzudenken. "Schon die Tatsache, dass wir hier einen gemeinsamen Standort betreiben, ist Beispiel der guten Kooperation. Außerdem können wir mit unserem Forschungsnetzwerk NRW Agrar sehr zufrieden sein, es hat Beispielcharakter für andere Bundesländer", kontert Prof. Dr. Bernhard Schäfer. "Mit den Netzwerken wächst meist auch der Verwaltungsüberbau", warnt der Wissenschaftler und betont auch hier die regionalen, gewachsenen Strukturen. Internet: Landwirtschaftskammer Umwelt.nrw