Pressemitteilung-Detail

Delphine mögen keine Rockmusik
Spannender und unterhaltsamer Vortrag über Piraterie in Südostasien
20 Mal schon haben Seeräuber versucht, Hans-Dieter Otto zu überfallen - bisher vergeblich. Seit 41 Jahren lebt der 69-jährige in Indonesien, er spricht fünf Sprachen "und Latein". Auf Einladung des Vereins der Freunde des Soester Hochschulcampus referierte Otto, der für das kommende Jahr eine Weltumseglung plant, über seine Erfahrungen.
n Südostasien hat der geborene Münsteraner zunächst Maschinen konzipiert und verkauft: Siebdruckanlagen, Arznei- und Glasfabriken. Nebenbei begann er mit dem Skippern und der Yachtüberführung und zwischenzeitlich führte er eine florierende Autowerkstatt in Jakarta. Nach Soest kam der erfahrene Skipper über Prof. Jürgen Grüneberg, den derzeitigen Rektor der dortigen
Swiss-German University Indonesia, mit der die Soester Fachhochschule enge Kontakte pflegt; Grüneberg selbst war lange Jahre in Soest Dekan.
Otto unterscheidet vier Arten an Piraterie: Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt laufen Diebstähle zwischen Firmen. In Medien und Bewusstsein präsent sei dagegen die Brutalpiraterie in Somalia: "Das ist Krieg", stellt Otto fest. Die Kleingruppenpiraterie oder organisierte Piraterie - sei es im lokalen Verbund oder als organisierte Kriminalität hauptsächlich von China aus - entwickelt sich zunehmend aus der Gelegenheitspiraterie.
In seinem "Speech" widmetet sich Otto schwerpunktmäßig dieser letzten, oft spontanen Form der Piraterie. Insbesondere bei der Brutalpiraterie sei man machtlos. Nein, er sei nicht bewaffnet: "Das gibt eine falsche Security", sagt der Skipper. Piraten abzuschütteln hat viel zu tun mit Psychologie oder mit Drohgebärden, wie man sie aus der Natur kennt.
Zunächst - und das scheint das Wichtigste zu sein - muss man den Überfall frühzeitig erkennen. Dazu gehört ein gehöriges Maß an Misstrauen und Aufmerksamkeit. Ein harmloses Schifferboot, das auf einmal seinen Kurs ändert und parallel steuert, sei bereits 75% Prozent eines Angriffs.
Ist der Überfallversuch erkannt, heißt es schnell handeln: Einmal hat Otto mit Verkleidungsspielen eine große Mannschaft vorgetäuscht. Ein anders Mal stattete er seine Crew mit Militärklamotten aus, die sich mit verschränkten Armen an die Reling stellten. Er selbst fuchtelte wild mit einem Pseudogewehr herum. Zwei Mal sind die Piraten bisher an Deck gelangt: Otto fuchtelte dann mit Paddel und Brotmesser herum und schrie die Eindringlinge an: "Man muss das Adrenalin schließlich abbauen, sonst ist das nicht gesund", schmunzelt der Skipper.
Abschließend steuerte der Wahlindonesier ein bisschen Seemannsgarn bei: Delphine etwa mögen Tschaikowskys Fünfte, bei Rockmusik hingegen nehmen sie Reißaus. Otto berichtet über intuitives Navigieren und er klärte auf, was die berüchtigten Seeschlangen in Wirklichkeit seien: Walmutter und Baby - sie folgen einander schlängelnd aus dem Wasser springend, dass der Eindruck
einer Schlange entsteht. Und gefährlich sind sie auch: Denn mit einer Walmutter sei nicht zu spaßen.
Als Zugabe berichtet Otto, warum der Deutsche Autokonzern VW seines Erachtens den Indonesischen Markt verloren hat. Schuld war ein Kühlschlauch aus einem Papp-Drahtgeflecht. "Für Europa waren die gut. In Indonesien sind die Dinger schlicht verrottet", berichtet der ehemalige Werkstattbetreiber. Die Folgeschäden führten zu dem entscheidenden Imageverlust. Otto habe
versucht, die Ingenieure auf dieses Problem aufmerksam zu machen, sei aber arrogant abgefertigt worden. "Wenn wir Deutschen wissen, dass wir gut sind, werden wir leicht überheblich. Das geht nach hinten los", gab der Skipper den (angehenden) Ingenieuren der Soester Fachhochschule mahnend auf den Weg.