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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
24.11.2010

Vermeidung von Boden(schad)verdichtungen

Bundesweite Beteiligung bei Expertenworkshop an der FH in Soest

60 Experten aus dem ganzen Bundesgebiet erörterten an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest Strategien zur Vermeidung von schädlichen Bodenverdichtungen. Eingeladen hatte das "Forschungsnetzwerk NRW-Agrar", an dem unter anderem verschiedenen Ministerien und Hochschulen beteiligt sind.

60 Experten aus dem ganzen Bundesgebiet erörterten an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest Strategien zur Vermeidung von schädlichen Bodenverdichtungen. Eingeladen hatte das "Forschungsnetzwerk NRW-Agrar", an dem unter anderem verschiedenen Ministerien und Hochschulen beteiligt sind. Prof. Dr. Wilhelm König vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW führte in die Problemstellung und rechtlichen Anforderungen ein: "Besonders kritisch sind irreversible Bodenschadverdichtungen, die bis in den Unterboden reichen." Das potentielle Schadensmaß hänge von den Faktoren Standort, Bodenfeuchte und der Bewirtschaftungsmethode ab, so der Referatsleiter "Bodenschutz" weiter. Daher warnte König vor einer gebietsbezogenen rechtlichen Erfassung durch die geplante Bodenrahmenrichtlinie der EU. Bodenschadverdichtungen entstünden "eher parzellenbezogen durch falsche Bewirtschaftung". Gastgeber Prof. Dr. Thomas Weyer vom Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen wies auf das mögliche Zunahme von Bodenschadverdichtungen hin, die sich vor dem Hintergrund des sich wandelnden Klimas und den daraus resultierenden widrigen Witterungsverhältnissen zu den Hauptüberfahrtzeiten ergeben könnten. Als praktische Handreichung für die landwirtschaftliche Praxis erläuterte Weyer den von ihm und seiner Assistentin Frau Boeddinghaus entwickelten Bestimmungsschlüssel zur Erkenung und Bewertung von Bodenschadverdichtungen, der praxisnah im Feld eingesetzt werden kann. In den nachmittäglichen Workshops lobte die angereiste Fachwelt insbesondere die Bestimmungsmethode nach WEYER/BOEDDINGHAUS und bekräftigte den hohen Stellenwert einer solchen sensitiv/visuellen Vorgehensweise gegenüber der Ermittlung reiner Laborwerte ohne die intensive standörtliche Untersuchung. Die Wechselwirkung von Bodenstruktur und Wurzelwachstum behandelte Dr. Gernot Bodner vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität für Bodenkultur Wien. Bodenschadverdichtungen führten als mechanischer Stress "zu einer Reduktion des Tiefenwachstums und beschränkt das Wachstum der wurzeln auf Cluster in einzelnen Poren und Spalten". Dies führe zu verringerte Wasseraufnahme und erschwere die Aufnahme wenig mobiler Nährstoffe, so der Bodenexperte weiter. Abhilfe versprach Bodner sich von einer systematisch reduzierten Bodenbearbeitung sowie der Integration von Kulturen mit starkem Pfahlwurzelwachstum. Hierzu stellte Bodner das Konzept der "Primer Pflanzen" vor, das gezielt versucht den Boden biologisch zu lockern und damit für die Nachfrucht bessere Wachstumsbedingungen aufbaue. Für eine stärkere wissenschaftliche Beachtung der Bodenorganismen setzte sich Prof. Dr. Berndt-Michael Wilke vom Institut für Ökologie an der Technischen Universität Berlin ein. Bisher hätten zu wenige Untersuchungen von Bodenverdichtungen die biologische Bewertung von Böden einbezogen. Derzeit sei das Bild hier indifferent: "Unsere Literaturrecherche zeigte, dass sowohl bei zoologischen wie auch bei mikrobiologischen Parametern bei geringen bis starken Verdichtungen positive und negative Veränderungen vorkommen." Allerdings, so Wilke weiter, sprächen die Indizien dafür, dass der durch Laborversuche hinsichtlich Biomasse und C-Mineralisation festgestellte Schwellwert von über 1,7g/cm3 effektiver Lagerungsdichten bei Verdichtungen auf die biologischen Bodenfuktionen übertragbar sei. Für künftige Untersuchungen stellte Wilke eine Liste verschiedener Parameter auf, die unbedingt zu berücksichtigen seien. Einen Einblick in die aktuellsten technischen Entwicklungen gewährte Privatdozent Dr. habil. Joachim Brunotte vom Institut für Agrartechnologie und Biosystematik des Johann Heinrich von Thünen Instituts Braunschweig, der über die Anpassung vom Maschineneinsatz an die Verdichtungs-empfindlichkeit von Ackerböden referierte: "Die Tiefe der Fahrspur wird mit Hilfe eines Ultraschallsensors gemessen und dem Maschinenführer angezeigt." Dieser könne, so Brunotte weiter, bei Bedarf über eine Anpassung der Fahrzeugparameter den Bodendruck reduzieren. Internet FB Agrarwirtschaft Literatur: Bestimmungsschlüssel für Bodenschadverdichtungen Direktlink Beteiligte Institutionen: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MKULNV) Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW