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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
21.05.2026

FH Südwestfalen etabliert Landnutzungsökologie

Landschaft als Labor: Wechselwirkungen zwischen Landnutzung, Artenvielfalt und Funktionen von Ökosystemen – Theorie zum Anfassen

Soest. „Verstehen“ geht über das Aneignen von theoretischem Wissen hinaus. Ein Verständnis für komplexe Zusammenhänge bildet sich vielmehr in der Verknüpfung von Theorie und Praxis aus. Wie beeinflusst zum Beispiel ein Blühstreifen das Feld nebenan? Gibt es Wechselwirkungen zwischen Wald, Grünland und Ackerflächen? Um diese und andere Fragestellungen geht es im Studiengang „Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement“ an der Fachhochschule Südwestfalen. Als Professor für das neu geschaffene Fachgebiet Landnutzungsökologie am Fachbereich Agrarwirtschaft geht Prof. Dr. Lukas Beule mit Studierenden raus ins Freiland und löst damit ein Versprechen ein, Ökologie und Biodiversität nicht nur theoretisch im Hörsaal zu lehren.

Bei einstelligen Temperaturen in aller Frühe mitten im Feld auf einer Bierbank sitzen und Regenwürmer bestimmen – genauso hatten sich die Studierenden das vorgestellt. Prof. Dr. Lukas Beule versteht es, für sein Fachgebiet zu begeistern. Er greift selbst zum Spaten, hebt quadratische Erdproben aus, bringt Regenwürmer mit verdünnter Senföllösung dazu, an die Oberfläche zu kommen und kommentiert enthusiastisch den unvorstellbar reichhaltigen und vielfältigen Schatz an Organismen, der sich im Boden befindet. „Als Bodenökologe schaue ich mir vor allem an, wie Gemeinschaften von Mikroorganismen, Regenwürmern und Insekten zusammengesetzt sind, wie sie sich auch verändern durch verschiedene Landnutzungen“, so Beule, der seit September die Professur für Landnutzungsökologie innehat.

An diesem Tag zieht die Gruppe noch zwei Mal mit Spaten, Bänken und Sortierkästen um, vom Acker ins Grünland und in den Wald. Alle für das Fachgebiet relevanten Formen der Landnutzung sind auf den gepachteten Flächen des Landschaftslabors im Gerlinger Grund in Ense erfahrbar. Damit finden der Ökologe und die studentische Forschungsgruppe hier außergewöhnliche Bedingungen vor: „In der Landnutzungsökologie geht es vor allem darum, dass wir lernen, zu verstehen, wie unsere verschiedenen Landnutzungen funktionieren, aber auch miteinander interagieren. In einem systemischen Ansatz schauen wir uns also nicht nur den Acker isoliert an, wir befinden uns vielmehr in einem Mosaik aus verschiedenen Landnutzungsformen und untersuchen und vergleichen auch, was macht der Wald daneben, was passiert im Grünland, wie sind Übergangshabitate gestaltet und wie stehen verschiedene Landnutzungen mit ihren Ökosystemfunktionen miteinander in Wechselbeziehung? Wir wollen das Ganze auf Landschaftsebene denken.“

Besonders aussagekräftig mit Blick auf Ökologie, Ökonomie und Biodiversität ist dabei der Vergleich von Flächen, die intensiver bewirtschaftet werden und Flächen, die extensiv, also nicht so stark durch den Menschen geprägt sind. Bodenorganismen wie der Regenwurm können wertvoller Indikator sein, um beispielsweise den Zusammenhang von Biodiversität und Funktion für den Boden zu erschließen. Regenwürmer sind überaus nützlich, weil sie unter anderem mit ihrer Grabaktivität für eine bessere Durchlüftung und Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens sorgen. Je nach Landnutzung- und Landnutzungsintensität sind unterschiedlich viele Regenwürmer und Arten vorhanden – aber auch oberirdische Insektengemeinschaften werden untersucht. Das Ziel dieser und weiterer Erhebungen draußen im Feld ist es, von den Organismen auf die Ökosystemfunktionen zu schließen, den wirtschaftlichen Wert zu erkennen, aus den Erkenntnissen ein zusammenhängendes Ökosystemverständnis zu generieren und zu bewerten, wie Landnutzung nachhaltig und zukunftsfähig für kommende Generationen gestaltet werden kann. „Das ist uns ganz wichtig, Studierenden zu vermitteln, dass sie nicht nur passiv zuschauen, wenn sie die ganzen Umweltprobleme sehen, die multiplen Krisen, mit denen sie jeden Tag konfrontiert werden – sie können selber etwas verändern. Sie können große Schritte machen in Richtung Nachhaltigkeit, können andere mitziehen. Dahingehend möchten wir sie ausbilden, ihnen die Werkzeuge an die Hand geben, um sich verwirklichen zu können.“

Am meisten Freude bereitet es dem Professor – vor allem bei der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit im Feld – dass Studierende beginnen, die Verbindung zwischen Biodiversität und Funktion zu sehen. Aus der Vorlesung ist Einiges theoretisch bereits bekannt, in der Praxis gibt es dann viele Aha-Erlebnisse. „Ich merke richtig, wie manche aufblühen, begeistert und teilweise überrascht sind, das alles in echt zu sehen. Die Studierenden stellen viele Fragen, mehr als in den Vorlesungen. Diese enge Kopplung von Theorie und Praxis, dass wir rausgehen in unser einmaliges Außenlabor im Landschaftsmaßstab, das gibt es in dieser Form nur an der FH“, fasst Prof. Dr. Beule seinen Schwerpunkt Landnutzungsökologie zusammen. Das Fachgebiet ist eingebettet in den Bachelorstudiengang „Ökologie und Nachhaltigkeitsmanagement“. Weitere Informationen zum Studienangebot finden Interessierte unter https://www.fh-swf.de/cms/oenm/. Individuelle Fragen rund um den Studiengang können Studieninteressierte auch im Rahmen einer Infoveranstaltung online am Dienstag, 2. Juni, ab 16 Uhr, stellen. Die Zugangsdaten zur Zoom-Sitzung sind auf der Studiengangseite zu finden.