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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
20.05.2026

Pädagogische Professionalität ist gesellschaftlich wertvoll

Akademische Abschlussfeier des Fachbereichs Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften – neun Abschlussarbeiten ausgezeichnet

Soest. Eine akademische Abschlussfeier markiert den Übergang von der Studienzeit in einen neuen, aussichtsreichen Lebensabschnitt. 116 Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften an der FH Südwestfalen haben im akademischen Jahr ihren Abschluss geschafft, einige von ihnen nahmen am Freitag (8. Mai) ihre Abschlussurkunden entgegen. Zum ersten Mal zeichnete der Kindergartenverbund im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg neun herausragende Abschlussarbeiten aus.

Dekanin Prof. Dr. Karin Wehmeyer begrüßte die Absolvent*innen und ihre Familien zum Auftakt der feierlichen Verabschiedung, 170 Gäste im Audimax und einige weitere online daheim vor den Bildschirmen. Vor allem Studierende der berufsbegleitenden Verbundstudiengänge leben, arbeiten und studieren im gesamten deutschsprachigen Raum aus teilweise großer Entfernung.

Wie sich die Sicht auf Dinge im Laufe eines Studiums verändert, darum ging es in der Festrede von Prof. Dr. Denise Friedauer: „Vielleicht ist es genau das, was ein Studium ausmacht. Nicht nur Wissen sammeln, Module abhaken, Prüfungen bestehen, sondern die Art zu verändern, wie man schaut. Auf Themen, aus Menschen und auf sich selbst.“ Dieser Blick sei in Bewegung und ändere sich im Studienverlauf, mal neugierig, mal zweifelnd und gefordert, dann aber auch zuversichtlich und mit Durchblick, so die Professorin. Und spätestens zur akademischen Abschlussfeier richten Absolventinnen und Absolventen den Blick auf mögliche berufliche Perspektiven. Mit Weitblick sehen Absolvent*innen jetzt nicht nur das Naheliegende, sondern erkennen die Zusammenhänge, können Entwicklungen einschätzen und Möglichkeiten gestalten. „Was Sie mitnehmen, ist mehr als ein Abschluss. Es ist ein veränderter Blick. Ein Blick, der genauer hinsieht, Zusammenhänge erkennt und Möglichkeiten sieht, wo andere vielleicht nur Herausforderungen sehen – anders gesagt: ein offener Blick. Und genau diesen brauchen die Bereiche, in denen Sie tätig sein werden“, so Friedauer.

Erstmals zeichnete der Kindergartenverbund im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg als Träger vieler Kindertageseinrichtungen herausragende Abschlussarbeiten aus. Geschäftsführer Tobias Eikel betonte, wie bedeutend frühkindliche Pädagogik gesamtgesellschaftlich ist: „Der Ev. Kindergartenverbund Soest-Arnsberg versteht unter frühkindlicher Pädagogik in unseren Kitas einen lebendigen Lern- und Lebensraum. Unser Ziel ist es, frühe Bildungsprozesse spielerisch anzuregen. Wir greifen die natürliche Neugier der Kinder auf und geben ihnen den Raum, die Welt in ihrem eigenen Tempo zu erforschen. Dies inkludiert und ermöglicht eine maximale Teilhabe für alle Kinder.“ Eikel versteht akademisch ausgebildete Fachkräfte in diesem Zusammenhang als Schlüsselressource, die Professionalisierung der Frühpädagogik, wie sie in den Studiengängen des Fachbereichs vermittelt wird, schätzt er sehr: „Indem wir starre Strukturen aufbrechen, ermöglichen wir den Kindern, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen. Dies stärkt nicht nur ihre Autonomie, sondern fördert maßgeblich die emotionale und soziale Entwicklung. Im täglichen Miteinander lernen sie, Bedürfnisse zu formulieren, Konflikte zu lösen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. So werden die Kinder selbstbewusst die Kita mit ihrem Schuleintritt verlassen.“

Beeindruckt zeigte sich Tobias Eikel von der thematischen Vielfalt und fachlichen Tiefe der neun ausgezeichneten Bachelor- und Masterarbeiten. Ina Baumhold (Frühpädagogik Bachelor) hatte sich mit der Bedeutung der Psychomotorik für Kinder mit selektivem Mutismus, die trotz altersangemessener Sprachkompetenz in bestimmten sozialen Kontexten nicht in der Lage sind, sich sprachlich mitzuteilen, sowie entsprechenden Fördermöglichkeiten in Kindertageseinrichtungen, beschäftigt. Lena Kramer geb. Ahlemeyer (Frühpädagogik) hat im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit mögliche Faktoren für die geringe Anzahl von §8a-Verdachtsmeldungen aus Kindertageseinrichtungen, das sind Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung, untersucht. Luca Marie Reers (Frühpädagogik Bachelor) hat qualitativ auf Basis von Kinderinterviews die Sicht von Kindern auf ihre Kindertageseinrichtung beforscht. Im Fokus steht die Frage, wie sich Kinder mit Eingliederungshilfeleistungen ihre Einrichtung in Bezug auf Wohlbefinden und Spiel- und Lernmöglichkeiten vorstellen.
Es sind auch vier Master-Studierende im Studiengang Frühpädagogik ausgezeichnet worden. Lena Gräfer hat ihre Abschlussarbeit zum Thema „Kindheit zwischen Bildungsplänen und Fantasiespielen. Über Imagination in der frühen Kindheit“ geschrieben. Dabei hat sie die Bedeutung der Imaginationsfähigkeit für Bildungsprozesse in der frühen Kindheit herausgearbeitet und diese als zentrales Element ästhetischer Bildung im aktuellen Diskurs der Frühpädagogik verortet. Mona Kaiser hat sich mit der komplexen Thematik der Intuition im Rahmen einer empirischen Untersuchung zur Personalauswahl pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen auseinandergesetzt, dies vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und steigenden Professionalisierungsanforderungen. Kathrin Lennartz hat im Rahmen einer qualitativen Studie Motive herausgearbeitet, warum sich Kindheitspädagog*innen für eine Tätigkeit im Arbeitsfeld Allgemeiner Sozialer Dienst entscheiden, obwohl ihr Studium primär auf die frühkindliche Bildung fokussiert ist. Annika Möller hat in ihrer Master-Arbeit Frühpädagogik aus Sicht von pädagogischen Fachkräften untersucht, welche Ursachen und professionellen Entscheidungsprozesse zu Ausschlüssen von Kindern aus Kindertagesstätten führen.
David Bohlmann hat berufsbegleitend den Master im Studiengang Medienpädagogik absolviert. In seiner Abschlussarbeit geht es darum, wie das Frankfurt-Dreieck als Analyseinstrument genutzt werden kann, um für algorithmische Empfehlungssysteme (AES) im Kontext der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu reflektieren und mit medienpädagogischem Making zu verbinden. Sarah Langenbucher, ebenfalls Medienpädagogik, hat sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz als Werkzeug im wissenschaftlichen Schreibprozess befasst und welche Herausforderungen daraus für Hochschulbildung und Prüfungsformate entstehen.