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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
04.05.2026

Wie Frühpädagog*innen zu Educational Leaders werden

FH-Studierende übertragen Wissenschaft in den Alltag von KiTas und stoßen selbstreflektiert pädagogische Veränderungsprozesse an

Soest. Bildungschancen sind in Deutschland ungleich verteilt – und das bereits im frühen Kindesalter. Diese frühen Disparitäten beeinflussen Bildungsbiografien langfristig und stellen pädagogische Fachkräfte vor komplexe Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Professionalisierung der Frühpädagogik an Bedeutung, akademisch ausgebildete Fachkräfte werden zur Schlüsselressource. Ein zentrales Element ist dabei die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen, frühkindliche Bildungsprozesse aktiv zu gestalten und als Führungskraft Veränderungsprozesse in Kindertageseinrichtungen fachlich zu steuern.

Die Bachelor- und Masterstudiengänge Frühpädagogik an der Fachhochschule Südwestfalen setzen genau hier an: Sie verbinden wissenschaftliche Fundierung mit beruflicher Praxis und qualifizieren Fachkräfte für anspruchsvolle Aufgaben in Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Neben der Vermittlung entwicklungspsychologischer, didaktischer und sozialwissenschaftlicher Grundlagen steht insbesondere der Theorie-Praxis-Transfer im Fokus – ein entscheidender Hebel für die Professionalisierung frühpädagogischer Handlungsfelder. Wesentlich ist, das Studium zur Kindheitspädagog*in qualifiziert für Leitungsaufgaben, Fachberatung, Qualitätsentwicklung und Organisationsberatung.

Die intensive Verzahnung von theoretischen Inhalten mit praktischen Erfahrungen ist das Kriterium, was die Studiengänge von klassischen erziehungswissenschaftlichen Programmen an Universitäten unterscheidet, beschreibt Prof. Dr. Itala Ballaschk. Sie hat das Konzept der Praxisphasen maßgeblich mitgestaltet. Darin und in begleitenden Seminaren reflektieren Studierende ihre beruflichen Erfahrungen, analysieren konkrete Situationen, entwickeln Fragestellungen zum pädagogischen Alltag und bearbeiten diese wissenschaftlich. „Studierende und später Absolvierende sollen Impulse für Entwicklung in den Einrichtungen bringen. Sie sollen in die Lage versetzt sein, fachliche Lücken zu identifizieren. Und sie sollen selbstreflektiert einschätzen und analysieren können, wie gut funktionieren die Abläufe in der KiTa insgesamt, wie gut arbeitet das Team zusammen, was läuft schon richtig gut, wo besteht Entwicklungsbedarf, um daraus konkrete Verbesserungsmaßnahmen ableiten zu können. Auf diese Weise tragen sie aktiv zur Qualitätsentwicklung in KiTas und anderen frühpädagogischen Einrichtungen bei“, erläutert die Professorin, die am Fachbereich Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften den fachlichen Schwerpunkt Theorie-Praxis-Transfer vertritt.

Entscheidend für ein fachliches Urteilsvermögen ist die Reflexion der eigenen Bildungsbiografie. Welche Erfahrungen haben Studierende selbst in frühkindlicher Bildung, Schule und Ausbildung gemacht und wie wirken sich diese auf das Handeln im Jetzt aus? „Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Selbstkompetenz. Sich selbst kennenlernen ist elementar wichtig, um Situationen richtig einschätzen und adäquat darauf reagieren zu können. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion gilt als Grundlage professionellen Handelns und prägt als Querschnittsaufgabe das gesamte Studium“, führt Prof. Ballaschk weiter aus.
Ziel ist es, eine transferförderliche Lernumgebung am Arbeitsplatz KiTa zu schaffen, in der neues Wissen nicht nur erworben, sondern auch angewendet, überprüft und konzeptionell weiterentwickelt wird. Dazu gehören die systematische Reflexion pädagogischer Prozesse, die Entwicklung von Handlungsstrategien sowie die forschungsorientierte Evaluation eigener Maßnahmen.

Eng verknüpft mit dem Theorie-Praxis-Transfer ist der Fokus auf Leadership. Frühpädagog*innen sollen nicht nur pädagogisch handeln, sondern als so genannte „Educational Leader“ auch Impulse geben und Veränderungsprozesse gestalten können. Im Studium lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, fachlichen Austausch zu initiieren und Entwicklungsprozesse im Team zu begleiten. Sie verstehen sich als „Change Agents“, die sich mit eigenen Themen und Kompetenzen einbringen und damit zur Weiterentwicklung pädagogischer Qualität beitragen. In diesem Kontext wird Leadership nicht als hierarchische Führungsrolle verstanden, sondern als fachlich fundierte Gestaltungskompetenz. „Das heißt nicht, dass alles neu gemacht werden muss. Es geht um das kritische Hinterfragen, was passt zu unserer Einrichtung? Unsere Studierenden bringen diese Kompetenz ein, verstehen sich als Teammitglieder, die ihr Team durch fachliche Expertise, Reflexionsfähigkeit und kommunikative Stärke unterstützen und ermutigen, gute Ideen für Veränderung umzusetzen und voneinander zu lernen. Teams werden so zu professionellen Lerngemeinschaften, mit positiven Effekten für das Klima. Es geht um das Anstrahlen von Menschen in den Einrichtungen, damit sie ihren Funken wiederfinden“, skizziert die Professorin die Zielperspektive.

Durch die enge Verzahnung von Theorie, Praxis und Persönlichkeitsentwicklung qualifiziert der Studiengang Fachkräfte, die nicht nur auf bestehende Herausforderungen reagieren, sondern Bildungsprozesse aktiv gestalten. Das macht akademisch ausgebildete frühpädagogische Fachkräfte wertvoll für vielfältige Aufgaben in einem weiten Berufsfeld von der pädagogischen Arbeit in Kindertageseinrichtungen und Schulen, über Fachberatung und Familienbildung bis hin zur heilpädagogisch-therapeutischen Arbeit und mehr. Gerade angesichts wachsender gesellschaftlicher Ungleichheiten leistet die Professionalisierung pädagogischer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Qualität frühkindlicher Bildung.