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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
24.04.2026

Vom Pilotprojekt zum landesweiten Standard

Ein Meilenstein für den Klimaschutz an NRW-Hochschulen – Interview mit der Nachhaltigkeitsbeauftragten Christine Schneider

Die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen machen erfolgreichen Klimaschutz jetzt messbar. 14 Universitäten und 16 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften haben am 17. April zusammen mit der Landesregierung erstmals eine gemeinsame Bilanz für ihren CO2-Ausstoß vorgestellt. Die Fachhochschule Südwestfalen ist eine von drei Pilothochschulen, die den allgemeinen Start erst ermöglicht haben. Im Interview ordnet Nachhaltigkeitsbeauftrage Christine Schneider die Ergebnisse ein.

Frau Schneider, Sie haben mit der Fachhochschule Südwestfalen als eine von drei Pilothochschulen bereits 2022 begonnen, das Bilanzierungsverfahren zu testen. Wie fühlt es sich an, nun den ersten Gesamtbericht für alle 30 öffentlich-rechtlichen Hochschulen in den Händen zu halten?

Ich denke, wir können stolz auf dieses Ergebnis sein, das ist ein Meilenstein für den Klimaschutz an NRW-Hochschulen. In diesen Berichten stecken dreieinhalb Jahre kontinuierliche Zusammenarbeit der Hochschulen mit dem Landesamt für Umwelt, Natur und Klima und dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen auf gleicher Augenhöhe. Die Bilanzierungsstandards sind in Anlehnung an die der Landesverwaltung entstanden. Der erste Gesamtbericht ist mehr als nur das Ergebnis einer NRW-weiten Treibhausgasbilanzierung. Er steht für das gemeinsame Kommittent aller öffentlich-rechtlichen Universitäten und Hochschulen, sich auf ein gemeinsames Bilanzierungsverfahren geeinigt zu haben und diesen Prozess auch kontinuierlich weiterzuführen.

 

Der Bericht liefert nun erstmals belastbare Zahlen für die Jahre 2019 bis 2021. Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Erkenntnis?

Zunächst konnten wir feststellen, dass die NRW-Hochschulen im Drei-Jahresschnitt knapp über eine halbe Million Tonnen CO2 erzeugen. Besondere Bedeutung kommt den Treibhausgasemissionen zu, die durch die Hochschulgebäude beeinflusst wurden. Sie umfassen 93 bis 98 Prozent der Gesamtbilanzen. Positiv anzusehen ist, dass der Anstieg der Ökostromeinkäufe über die drei Jahre eine signifikante Reduktion der strombedingten THG-Emissionen mit sich gebracht hat. Nachbesserungsbedarf gibt es sicherlich noch beim Ausbau der hochschuleigenen Photovoltaik-Flächen.

Auch wenn ein Vergleich zwischen den NRW-Hochschulen aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen nicht sinnvoll ist, lassen sich die Ergebnisse der Gesamtbilanz auch auf die Fachhochschule Südwestfalen übertragen. 2019 zeigt als Basis- und Vor-Corona-Jahr im Verhältnis zur Gesamtbilanz circa 84 Prozent Gebäudeemissionen zu 16 Prozent Mobilitätsemissionen auf. Die Abweichung vom NRW-Durchschnitt lässt sich auf das erhöhte Mobilitätsverhalten durch die Flächenstruktur und die ländliche Lage der Hochschule zurückführen. Der Umstieg auf den flächendeckenden Ökostrom im Jahr 2020 zeigt im markbasierten Ansatz eine Reduktion der strombedingten THG-Emissionen von 98 Prozent in 2020 und 97 in 2021. Das ist ein sehr großer Erfolg.

 

In Ihrem ersten Interview während der Pilotphase betonten Sie, dass die Datenerhebung eine Mammutaufgabe sei. Wie hat sich die Datenqualität seither entwickelt?

Insbesondere die rückwirkendende Datenerhebung ist aufwendig, verschafft uns jedoch einen sehr guten Überblick über die Entwicklung über die Jahre hinweg. Rückwirkend können die Daten je nach vorliegender Datenqualität nur teilweise exakt erhoben werden. Sollten Daten nicht vollständig vorliegen, können die Hochschulen auf im Prozess der Klimaneutralen Landesverwaltung (KNLV) definierte Hochrechnungsregelungen zurückgreifen, die NRW-weit angewendet werden. Der Prozess an sich ist jedoch für die NRW-Hochschulen ein Anstoß, ihre Datenbasis und -qualität kontinuierlich zu verbessern.

An unserer Hochschule hat sich seit dem Pilotprojekt viel getan. Auch wenn wir aktuell immer noch rückwirkend auf die vorliegende Datenqualität zurückgreifen, hat sich der Erhebungsprozess mittlerweile etabliert. Neben den nun veröffentlichten Bilanzen haben wir in den letzten Monaten bereits die Daten der Jahr 2022 und 2023 ins KNLV-Tool eingetragen, sodass wir nun schon auf die Erfahrung von fünf Bilanzierungsjahren zurückgreifen können. 2024 folgt in Kürze. Die Datenverantwortlichen an unserer Hochschule wissen mittlerweile sehr gut, worauf es bei der Erhebung der Daten ankommen und unterstützen den Prozess tatkräftig.

 

Der Berichtszeitraum war stark durch die COVID-19-Pandemie geprägt. Wie ordnen Sie die Ergebnisse ein?

Die Corona-Pandemie zeigt auf NRW-Ebene bei den Dienstreiseemissionen einen deutlichen Rückgang auf, bei den Gebäuden wirkt sich insgesamt dieser Effekt nicht aus, auch durch das erhöhte Lüftungsverhalten während der Pandemie. Auf Ebene der Fachhochschule Südwestfalen wird ebenfalls eine starke Reduktion des Mobilitätsverhaltens sichtbar. Außerdem zeigt sich im Jahr 2020 eine leichte Reduktion der Wärmeverbräuche im Vergleich zu Vorjahr, im Jahr 2021 verliert sich diese jedoch wieder. Signifikanter sind die Abweichungen im Bereich Strom. So wurden im Vergleich zu 2019 in den darauffolgenden zwei Jahren jeweils über 400 Tonnen CO2 eingespart. Die Einsparungen lassen sich auf höhere Homeoffice-Nutzung und Online-Lehrbetrieb zurückführen.

 

Inwiefern helfen die Ergebnisse der Treibhausgasbilanz der Fachhochschule Südwestfalen konkret bei ihren Klimaschutzanstrengungen?

Eine Klimabilanz zeigt deutlich auf, in welchen Bereichen die Hochschule Emissionen verursacht. Weit interessanter als die reine Zahl, die oben auf der Bilanz steht, ist jedoch der Blick ins Detail. Wo stecken Stellschrauben, wo haben wir überdurchschnitt hohe Verbräuche? Die Klimabilanzen ermöglichen uns, Entwicklungen über mehrere Jahre hinweg zu vergleichen und Handlungspotentiale zu identifizieren.

 

Nennen Sie zum Abschluss einen guten Grund, warum Ihrer Meinung nach die Fachhochschule Südwestfalen mit den anderen Hochschulen und der Landesregierung beim Klimaschutz zusammenarbeiten sollte?

Klimaschutz betrifft uns alle. Zudem haben wir als öffentliche Einrichtung eine Vorbildfunktion. Gemeinsam das Thema voranzutreiben, bündelt Ressourcen und Kompetenzen, wodurch sowohl die Hochschulen als auch die Landesregierung profitieren. Die einheitlichen Bilanzierungen schaffen zudem Transparenz und verlässliche Kontinuität.

 

Alle Informationen zum Klimaschutz an Hochschulen in NRW: www.wirtschaft.nrw/themen/klimaschutz/klimaschutz-hochschulen