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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
02.03.2026

Datenräume für mehr Effizienz und weniger Bürokratie

GIL-Tagung an der FH SWF diskutiert über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft

Soest. „Digitalisierung ist unverzichtbar für die Schaffung von Datenräumen. Sie liefert einen Beitrag zur Verbesserung von Interoperabilität, Effizienz und Ressourcenschutz.“ - Zur Diskussion und Weiterentwicklung dieses Themas trafen sich gut 230 Teilnehmer*innen der 46. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (GIL). Unter dem Titel „Datenräume in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft: Chancen für die Zukunft und aktuelle Herausforderungen“ fand die Veranstaltung mit internationalen Gästen zum ersten Mal an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest statt.

Eine Hochschule ist nicht vergleichbar mit einem am Markt agierenden landwirtschaftlichen Betrieb, stellte Prof. Dr. Marc Boelhauve, Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft zur Begrüßung heraus. Dennoch wird in vielfältigen Projekten, angesiedelt am landwirtschaftlichen Versuchsgut der FH in Merklingsen und an der agrarökologischen Außenstation in Gerlingen sowie in zahlreichen Versuchen in den Labors für Pflanzenproduktion, Tierphysiologie, Lebensmittelqualität und viele mehr ein erhebliches Datenvolumen generiert, ausgewertet und für den Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis aufbereitet. „Letztlich arbeiten die Menschen in der Agrarbranche zu Bedingungen die jedes Jahr anders sind. Denken Sie an den Klimawandel, die Marktsituation oder den Innovationsdruck“, nahm der Dekan Bezug auf die anhaltenden Herausforderungen. Daneben sind an die Datenräume in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft auch Chancen geknüpft, das machte unter anderen Dr. Jürgen Vangeyte, Wissenschaftlicher Direktor für Technologie und Lebensmittel beim flämischen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung in Belgien (ILVO) und Projektkoordinator der Initiative „Gemeinsamer Europäischer Agrardatenraum (CEADS) in seiner Keynote zur Frage „Kann der Datenraum die Wettbewerbsfähigkeit Europas steigern?“ deutlich. Für landwirtschaftliche Betriebe sei der Verwaltungsaufwand in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und nehme mit verbindlichen politischen Vorgaben wie der verpflichtenden EU-Datenverordnung weiter zu. Der EU Data Act regelt den Zugang, die Nutzung und die Weitergabe von erhobenen Daten für Hersteller und Nutzende von smarten Landmaschinen. Können administrative Aufgaben von digitalen Helfern in Form von Apps und mobilen Anwendungen übernommen werden, bringt dies eine erhebliche Zeitersparnis und schafft Raum für originäre landwirtschaftliche Tätigkeiten und die konzeptionelle Entwicklung der Betriebe.

Als Organisatoren vor Ort zeigten sich Prof. Dr. Andreas Wübbeke und Prof. Dr. Mehmet Gültas, der zugleich als Proceedings Chair der Tagung fungierte, höchst zufrieden mit der Resonanz. Die Konzeption, und Durchführung der Tagung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit einem 14-köpfigen Organisationsteam aus den Forschungsgruppen „Data Science für Agrarwirtschaft“ und dem South Westphalia Software Engineering Lab . „Insgesamt wurden mehr als 50 Beiträge, darunter begutachtete Forschungsbeiträge, Projektpräsentationen und Poster vorgestellt. Besonders gefreut hat uns, dass im Rahmen der Tagung erstmals ein Forum für Netzwerke der Agrarinformatik geschaffen wurde. In zwei Bar Camps haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Herausforderungen der Agrarinformatik im Expertenkreis diskutiert.“ Als eines von vielen Highlights nannte Prof. Wübbeke die Präsentation einer immersiven Virtual-Reality-Anwendung zur teilflächenspezifischen Düngung in der Landwirtschaft aus dem Projekt TechKnowNet (siehe Foto).

Auch die Fachhochschule Südwestfalen war mit mehreren Beiträgen vertreten. Darunter ein wissenschaftlicher Beitrag über die Ergebnisse der Masterarbeit von Lena Bunge aus dem Studiengang Digitale Technologien mit dem Thema „Time Series Analysis of Agricultural Machines for Automated Field Task Detection based on a Deep Learning Approach“. Die Arbeit der Absolventin wurde von Prof. Dr. Katharina Stahl und Prof. Dr. Andreas Wübbeke betreut.

Darüber hinaus war die Forschungsgruppe „Data Science für Agrarwirtschaft“ unter der Leitung von Prof. Dr. Mehmet Gültas mit drei eigenen wissenschaftlichen Beiträgen vertreten. Eric Johannhardt, Sriparna Boote und Muhammad Jawad präsentierten aktuelle Forschungsergebnisse in Form von Vorträgen und Postern zu Themen der Künstlichen Intelligenz, datengetriebener Modellierung, Computer Vision sowie sensorgestützten Systemen für Smart Farming. Die Beiträge verdeutlichten die wachsende Bedeutung von Machine-Learning-Methoden und KI-basierten Entscheidungsunterstützungssystemen für die digitale Transformation der Landwirtschaft.

In ihrem Fazit betonten Prof. Dr. Mehmet Gültas und Prof. Dr. Andreas Wübbeke die strategische Bedeutung interoperabler Datenräume als Grundlage für skalierbare KI-Anwendungen in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft. Insbesondere die Integration heterogener Sensordaten, Edge-Computing-Architekturen und Deep-Learning-Modelle eröffne neue Perspektiven für effiziente und nachhaltige Produktionssysteme.

Prof. Dr. Jörg Dörr, Vorsitzender der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, lobte die Gastfreundschaft der Fachhochschule Südwestfalen und die Professionalität der Organisation: „Das Team in Soest hat alles perfekt organisiert. Die Tagung war ein voller Erfolg, die Gespräche waren durchweg konstruktiv und ich fahre mit vielen spannenden Eindrücken zurück nach Hause.“

Hintergrundinformation:
Die Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (GIL) ist die älteste wissenschaftliche Gesellschaft für Agrarinformatik im deutschsprachigen Raum. Sie dokumentiert die Entwicklung der Agrarinformatik und fördert den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Lehre, Politik und Praxis.