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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
06.01.2026

FH SWF macht Leguminosen-Märkte transparent

EU fordert Herkunftsnachweise für entwaldungsfreie Lieferketten – Online-Dashboard „LeguDash“ unterstützt Markteinschätzung und Analyse

Soest. Leguminosen (Hülsenfrüchte) sind wertvolle Eiweißlieferanten für Mensch und Tier und bieten Potenziale zur Entlastung von Klima und Umwelt. Weil es nach wie vor an hochertragreichen Sorten, die aktuellen Qualitätsstandards entsprechen, mangelt und es keine hinreichende Transparenz über Anbau, Preise und Handel gibt, sind die Importraten für pflanzliche Proteine nach Europa immer noch hoch. Mit „LeguDash“ haben Mitarbeitende der Fachhochschule Südwestfalen eine digitale Informationsübersicht entwickelt, die den Anbau von Ackerbohne und anderen Körnerleguminosen für lokale landwirtschaftliche Betriebe besser nachvollziehbar und damit deutlich attraktiver macht. Hinzu kommt aktuell die Forderung der Europäischen Union, künftig belastbare Herkunftsnachweise zu erbringen. Produkte wie importiertes Soja dürfen nach der neuen EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) nur auf Flächen produziert werden, die nicht durch die Umwandlung von Wald in Ackerland entstanden sind.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die beim Kauf von Nahrungsmitteln auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz achten, ist dies ein positives Signal: Die Europäische Union führt schrittweise eine neue Anti-Entwaldungs-Regel (EUDR) ein. Demnach müssen Betriebe künftig nachweisen, dass ihre Lieferketten entwaldungsfrei sind. Konsument*innen gewinnen Einblick, woher die Rohstoffe kommen. Gleichzeitig wird für gewerbliche Verarbeiter von Pflanzenprotein die bewusste Kaufentscheidung für regionale Proteinpflanzen wie Körnerleguminosen bestärkt. Von der neuen Regelung ist importiertes Soja betroffen, regional angebaute Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen nicht. „Das bedeutet, wer europäische Proteinpflanzen als Rohstoff nutzt, hat es künftig bei der Rückverfolgbarkeit und Nachweisführung einfacher“, erläutert Professor Marcus Mergenthaler im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „LeguNet“. „In diesem Jahr haben wir zwei Meilensteine erreicht, in unserem Bemühen, den Markt für Leguminosen transparenter zu machen“, führt Lars Wernze, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Agrarwirtschaft weiter aus. Zum einen wurde gemeinsam mit der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) 2025 ein bundesweites Meldernetzwerk aufgebaut. Landwirtschaftliche Betriebe, die Leguminosen anbauen und vermarkten, berichten hier freiwillig einmal im Monat über die Situation auf dem Feld und zum Absatz. Aufgrund dieser Datenbasis kann die AMI eine monatliche Marktkommentierung anbieten. So werden Informationslücken für Landwirtschaft, Handel und Verarbeitung geschlossen, die Planungssicherheit erhöht und Betriebe gewinnen eine verlässliche Entscheidungsgrundlage. Detaillierte Informationen über Preise, Nachfrage und Qualität sind dabei zentral. Zum anderen wird das Konzept von „LeguDash“ ab dem kommenden Jahr vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BzL) als dauerhaftes Angebot fortgeführt. Damit kann das „LeguDash“ als wichtiges Ergebnis des LeguNet-Projektes bei einem öffentlichen Träger verstetigt werden, sodass die kostenfreie Nutzung auch nach Projektende gesichert ist. Im LeguDash werden Anbau-, Preis- und Handelsdaten zu Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Soja inklusive übersichtlicher Grafiken und Prognosebausteine an einem digitalen Ort gebündelt. „Mit der AMI-Kommentierung und der Verstetigung von LeguDash schaffen wir die Grundlage, damit Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel in Deutschland schneller, verlässlicher und dauerhaft auf die neuen, dynamischen Rahmenbedingungen reagieren können. Dabei rechnen wir damit, dass das Interesse von Leguminosen-Anbauern und -Verarbeitern an repräsentativen Marktdaten durch die neuen EU-Forderungen steigen wird. Die EUDR kann also gewissermaßen als Chance für heimische erzeugte Leguminosen verstanden werden“, freut sich Wernze über den Fortschritt.

Hintergrund:

Das Akronym „LeguNet“ steht für „Modellhaftes Demonstrationsnetzwerk zur Ausweitung und Verbesserung des Anbaus und der Verwertung von Körnerleguminosen in Deutschland“. Das Forschungsprojekt der Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, wird federführend geleitet von Prof. Dr. Tanja Schäfer sowie Prof. Dr. Marcus Mergenthaler. Die Laufzeit endet Ende 2027. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie (EPS). Das Fördervolumen beträgt insgesamt 5,2 Millionen Euro.