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Labor für Systemische Evolution

Wir arbeiten interdisziplinär an praxistauglichen Systemen.

Systemische Evolution bildet den theoretischen Rahmen der Aktivitäten in unserem soziomolekularen Labor. Das Drei-Seiten-Modell der Systemischen Evolution (siehe Abb. unten) stellt eine Grundlage der interdisziplinären Erforschung und der Entwicklung von molekularen, zellulären, psychosozialen und organisationalen Systemen dar. Deren selbstorganisierendes Potential bedingt nach unserem Verständnis ihre performative Erhaltung beziehungsweise Gesundheit, wie wir an Anwendungsszenarien belegen. So wurde beispielsweise zur Zertifizierung gesunderhaltender Zusammenarbeit in der systemübergreifenden Wirklichkeit der technischen Arbeitswelt das Qualitätssiegel "Good Solution Practice" etabliert.

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Organisationale Systeme

GMP-Technikum

Um das komplexe Qualitätsmanagementsystem GxP anschaulich in der Lehre zu vermitteln, wurde das GMP-Technikum als ansprechende Lernumgebung für Übungsfirmen auf Zeit geschaffen, welche den internationalen Standards der Life Science Industrie entspricht. Hier werden biotechnologische Arbeiten der Aseptischen Produktion nach nationalen und internationalen Normen durchgeführt. Das Team des GMP-Technikums vermittelt das organisationale System der Good Manufacturing Practice (GMP) auf technisch ausgereiftem Niveau in Übereinstimmung mit der GenTechVO. Als nachhaltiges Lehrangebot nutzt der Studiengang Life Science Engineering diese Lernumgebung am Standort Iserlohn.

Psychosoziale Systeme

Good Solution Practice

Good Solution Practice® (GSP) oder Lösungsorientierte Qualitätsentwicklung ist ein Schulungs- und Beratungskonzept. Es dient als Zertifizierungsrahmen im normativ geregelten Umfeld und zielt auf die Harmonisierung sozialer Systeme mit normativen und organisationalen Strukturen ab. Die erfolgreiche Teilnahme an entsprechenden Fachmodulen wird mit einem GSP-Zertifikat bestätigt. Good Solution Practice® dient in Unternehmen insbesondere im international regulierten Qualitätswesen zur ressourcenschonenden Weiterentwicklung der Prozessorganisation. GSP nutzt lösungsorientiertes Teamcoaching und die Modularisierung struktureller Notwendigkeiten. Als systemisch-lösungsorientiertes Konzept setzt GSP zunächst beim evolutionären Systembegriff an und gibt ein methodisches Instrumentarium zur Teamschulung und agilen Qualitätsentwicklung.

Zelluläre Systeme

Organotypische Co-Kulturen

Prävention, personalisierte Medizin und steigende Sicherheitsanforderungen prägen vermehrt zukünftige Produkte in der Life Sciences. Daher entwickeln wir zelluläre Systeme, die menschliche Organe für Testzwecke nachbilden. Hierbei sind die systemischen Interaktionen auf zellulärer Ebene durch geeignete Kultivierungsbedingungen zu lenken. Ziel der Entwicklungsarbeiten ist es, in diesem Zusammenhang, die Neuerungen der immunologischen, toxikologischen und medizinischen Grundlagenforschung in industriell realisierbare Technologien umzusetzen. Diese dienen als Nachweissysteme zur Biosicherheit von Medizinprodukten, Kosmetika, Arzneimittel, Trinkwasser und Umweltproben. Für die Nachweissysteme kombinieren wir Mikroreaktortechnologien mit der Molekular- und Zellbiologie.

Molekulare Systeme

Systeme zur Phagenanreicherung

Im Bereich molekularer Systeme arbeiten wir an Verfahren zur Herstellung und Anwendung von patientenspezifischen Phagenpräparaten. Diese dienen zur Stärkung der Immunabwehr von Patienten, die mit multiresistenten Keimen infiziert sind. Damit können Probleme der zunehmenden Unwirksamkeit von Antibiotika bekämpft werden. Ziel dieses holobiontischen Projektes ist es, die Phagentherapie über einen patientenindividualisierten Ansatz in westlichen Ländern legal verfügbar zu machen. Ein Schwerpunkt dieses staatlich geförderten ZIM-Projektes ist die Entwicklung eines blisterbasierten Produktionssystems.

Wir bearbeiten aktuell:

  • Nachweise soziomolekularer Effekte
  • Organotypische Prüfsysteme
  • Produktionssysteme zur autologen Phagentherapie
  • Verfahren zur Hautdesinfektion
  • Agile Qualitätsmanagementsysteme
  • Grundlagen der Teamresilienz

Die Technologieplattform des Labors für Systemische Evolution im GMP-Technikum ist interdisziplinär, nach dem Stand der Technik aufgebaut und umfasst die folgenden Ausstattungen:

  • Coworking-Spaces für systemische Interventionen
  • IT-Arbeitsbereiche
  • Diverse Cloud-Dienste
  • Reinraumtechnik Klasse A in B
  • Zellbiologische Ausstattung
  • Mikrobiologische Ausstattung
  • Molekularbiologische Technologien inklusive
  • Next Generation Sequencing
  • Immunologische Assayplattformen
  • Diaphragmalyse
  • Kryotechnologie

Die Mehrzahl unserer F&E-Vorhaben sind ZIM-geförderte Kooperationsprojekte. Unser Technikum organisieren wir auf der Basis eines Qualitätsmanagementsystemes gemäß GSP, GMP, ISO 13485 und ISO 17025.

Theoretische Grundlagen:

Systemische Evolution ist eine differenztheoretische Ontologie in Anlehnung an Gilles Deleuze auf der Grundlage der zeitgenössischen Biophilosophie. Zusammengefasst im Drei-Seiten-Model löst sie als paradigmatische Perspektive den metaphysischen Dualismus cartesianischer und darwinistischer Prägung ab. Sie Sie bildet einen theoretischern Rahmen für die interdisziplinäre Forschung und Entwicklung und gründet sich auf die anomale Individuation aller Systeme. Hennes 2020 Damit ist Systemische Evolution der heterogenen theoretischen Strömung des Neuen Materialismus in der Tradition des transzendentalen Empirismus zuzurechnen. Der praktische Nutzen des Drei-Seiten-Models zeigt sich neben der Strukturierung interdisziplinärer Forschung beispielsweise in der daraus abgeleiteten Good Solution Practice, welche konzeptionelle Ansätze der Technik, der Medizin und der Soziologie zusammenführt (die Systemtheorie, das biopsychosoziale Modell und den Systemischen Ansatz).

Drei-Seiten-Modell der Systemischen Evolution

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