Wir arbeiten interdisziplinär an praxistauglichen Systemen.
Systemische Evolution bildet den theoretischen Rahmen der Aktivitäten in unserem soziomolekularen Labor. Das Drei-Seiten-Modell der Systemischen Evolution (siehe unten) stellt eine Grundlage der interdisziplinären Erforschung und der Entwicklung von molekularen, zellulären, psychosozialen und organisationalen Systemen dar. Deren selbstorganisierendes Potential bedingt nach unserem Verständnis ihre performative Erhaltung beziehungsweise Gesundheit, wie wir an Anwendungsszenarien belegen. Der Nutzen von Systemischer Evolution als eigenständiger Meta-Theorie besteht in der expliziten Benennung und Erkundung des Zukunftspotetnials von Systemen.
Um die performative Erhaltung (Resilienz) von dynamischen Systemen zu verstehen, ändern wir die in einigen Disziplinen populäre Newton'sche Fragestellung nach den vielfältigen, gesetzmäßigen Wechselwirkungen zwischen Strukturen in eine Deleuze'sche Fragestellung nach der Individuation von dynamischen Systemen: An welchen Strukturen A, B, … wiederholt sich der Multilevel-Prozess C’, der dazu führt, dass das strukturformende Differenzierungspotenzial D entsteht? (vgl. Abbildungen) Oder kürzer:
Welche Differenzierungspotentiale wiederholen sich an diesem oder jenem Lebensprozess fortwährend neu?
Solche Potentiale können das das Teilungspotential der zellulären Prozesse von Mikroorganismen sein oder der Zusammenhalt einer krisengeschüttelten Teamdynamik oder das nicht endende Wettrüsten im evolutionären Verlauf der Virus-Wirts-Interaktion. Eine solche Perspektive, die auf selbst erhaltende Prozesse an Strukturen fokussiert, versuchen wir in unterschiedlichen wissenschaftlich-technischen Themenfeldern einzunehmen.
Wir bearbeiten aktuell:
- Nachweise soziomolekularer Effekte
- Organotypische Prüfsysteme
- Produktionssysteme zur autologen Phagentherapie
- Desinfektionsverfahren im Lebensmittelbereich
- Qualitätsmanagementsysteme
- Grundlagen der Teamresilienz
Die Technologieplattform des Labors für Systemische Evolution im GMP-Technikum ist interdisziplinär, nach dem Stand der Technik aufgebaut und umfasst die folgenden Ausstattungen:
- Coworking-Spaces für systemische Interventionen
- IT-Arbeitsbereiche
- Diverse Cloud-Dienste
- Reinraumtechnik Klasse A in B
- Zellbiologische Ausstattung
- Mikrobiologische Ausstattung
- Molekularbiologische Technologien inklusive:
- Next Generation Sequencing
- Immunologische Assayplattformen
- Diaphragmalyse
- Kryotechnologie
- Lyophilisierungstechnologie
Die Mehrzahl unserer F&E-Vorhaben sind ZIM-geförderte Kooperationsprojekte. Unser Technikum organisieren wir auf der Basis eines Qualitätsmanagementsystemes in Anlehnung an GSP, GMP, ISO 13485 und ISO 17025.
Theoretische Grundlagen:
Systemische Evolution ist eine differenztheoretische Ontologie in Anlehnung an Gilles Deleuze auf der Grundlage der zeitgenössischen Biophilosophie. Zusammengefasst im Drei-Seiten-Model löst sie als paradigmatische Perspektive den metaphysischen Dualismus cartesianischer und darwinistischer Prägung ab. Sie Sie bildet einen theoretischern Rahmen für die interdisziplinäre Forschung und Entwicklung und gründet sich auf die anomale Individuation aller Systeme.
Hennes 2021 Damit ist Systemische Evolution der heterogenen theoretischen Strömung des Neuen Materialismus in der Tradition des
Transzendentalen Empirismus zuzurechnen. Der praktische Nutzen des Drei-Seiten-Models zeigt sich neben der Strukturierung interdisziplinärer Forschung beispielsweise in der daraus abgeleiteten Good Solution Practice, welche konzeptionelle Ansätze der Technik, der Medizin und der Soziologie zusammenführt (die Allgemeine Systemtheorie, das Biopsychosoziale Modell und den Systemischen Ansatz).
Drei-Seiten-Modell der Systemischen Evolution