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Pressemitteilung-Detail

FH Gebäude
04.02.2026

Wie Erntemaschinen Diabetikern helfen könnten

Prof Dr. Herbert Michael Heise und Robert Schulenburg forschen an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn an nichtinvasiver Blutzuckermessung

Iserlohn. Es ist ein bisschen wie der Wettlauf zum Mond. Überall auf unserem Planeten beißen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Jahrzehnten die Zähne aus. Wer schafft es? Wer entwickelt als Erster ein zuverlässiges Verfahren zur nichtinvasiven Blutzuckermessung bei Menschen? Vielleicht gelingt es an der Fachhochschule Südwestfalen mit den hier in Iserlohn ansässigen Wissenschaftlern Prof. Dr. Herbert Michael Heise und Robert Schulenburg.

Die Faszination ist fast greifbar. Wenn Prof. Dr. Herbert Michael Heise über nichtinvasive Blutzuckermessung für Diabetiker spricht, dann spricht er ganz eindeutig über seine berufliche Lebensaufgabe. Seit vielen Jahren forscht er am Fachbereich Informatik und Naturwissenschaften der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn, wie auch schon Jahre zuvor am Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS in Dortmund, an einem Traum. Diabetiker sollen endlich die Möglichkeit bekommen, ihren aktuellen Blutzuckerwert ohne den so lästigen Pieks durch die Haut ermitteln zu können. So ähnlich wie bei einer Smartwatch, die über einen optischen Sensor den Puls misst. Bisher ist das nicht möglich. Obwohl es bereits Sensoren gibt. Die jedoch liefern bisher zumeist völlig unbrauchbare Ergebnisse. „Das liegt an der enormen Komplexität unserer Haut“, erklärt Herbert Michael Heise, „es gibt ein Grundrauschen, das zu unzureichender Genauigkeit führt. Vor allem eine Unterzuckerung ist so bisher nicht zuverlässig messbar.“

 

Professor Heise ist ein ausgewiesener Wissenschaftler auf seinem Gebiet. Immer wieder wird er für Vorträge angefragt. Zuletzt in Boston Anfang November beim MIT Laser Biomedical Research Center, Cambridge, MA, wo ein international organisierter Workshop zum Stand der Sensorentwicklungen im Bereich Blutglucose-Diagnostik mit hochkarätigen Firmenbeteiligungen stattfand. Dort wollte eine Firma aus dem Silicon Valley sogar eine Kooperation mit ihm schmieden. „Aber dafür fehlen uns hier dann doch die Ressourcen“, winkte Heise dankend ab. Er meint dabei vor allem die personelle Ausstattung. Doch mindestens einen Verbündeten hat Prof. Heise zurzeit: Robert Schulenburg studierte in Iserlohn zunächst Bio- und Nanotechnologien und anschließend den Masterstudiengang Life Science Engineering. Parallel arbeitet Schulenburg für den Erntemaschinenhersteller Claas. Und hier entsteht eine Synergie, die tatsächlich zunächst unglaublich klingt. Was haben Mähdrescher oder Feldhäcksler mit Blutzucker und dessen Messung zu tun?

 

„Erntemaschinen sind mit optischen Sensoren ausgestattet, die den Zuckergehalt in Futtermitteln wie beispielsweise von Mais in Echtzeit ermitteln“, erläutert Robert Schulenburg. Und genau das bringt ihn und Herbert Michael Heise an einen Tisch. Sie versuchen, die Technik aus dem Feldhäcksler zu miniaturisieren und zu adaptieren. Erste vielversprechende Ergebnisse wurden bereits auf dem letztjährigen internationalen Diabetes Technology Meeting in San Francisco Ende Oktober vorgestellt. Wie gut das klappt? „Naja“, sagt Prof. Heise, „ich will nicht zu viel verraten, aber wir haben großartige Daten und hier an der Fachhochschule im Interdisziplinären Zentrum für Lebenswissenschaften auch herausragende technische Möglichkeiten, die wir selbstverständlich auch unseren Studierenden bei ihren Abschlussarbeiten anbieten können.“

 

Rückschläge gehören natürlich zum Forscherleben. Und so bleibt die entscheidende Frage weiter offen. Wann wird es endlich gelingen? Wann können Diabetikerinnen und Diabetiker auf die gute Nachricht hoffen? „Es wird gelingen, die Richtung stimmt“, sagt Herbert Michael Heise. Dann ergänzt er mit einem Lächeln: „Aber wann und wo? Wer weiß das schon?“ Vielleicht gelingt es ja in Iserlohn. Vielleicht gelingt es Prof. Dr. Herbert Michael Heise und Robert Schulenburg.