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Pressemitteilung-Detail

28.06.2022

Phagenfalle gegen Antibiotikaresistenzen

Studierende aus den Life Science Studiengängen unterstützen Meise Medizintechnik GmbH bei der Herstellung eines neuartigen Medizinproduktes

Iserlohn. Ein unscheinbarer Ordner wechselte gestern in der Fachhochschule Südwestfalen seinen Besitzer. Sein Inhalt ist aber alles andere als unscheinbar. Denn es geht um Informationen zur möglichen späteren Herstellung eines neuartigen Medizinproduktes, dass es so in Europa noch nicht gibt

Die Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn entwickelt in einem Kooperationsprojekt zusammen mit der Meise Medizintechnik GmbH aus Schalksmühle eine „Phagenfalle“, mit der antibiotikaresistente Keime mit Hilfe von körpereigenen Bakteriophagen behandelt werden sollen.

 

Jeder Mensch besteht aus Billionen von Bakterien und Phagen. Bakteriophagen sind Viren, die in der Lage sind, schädliche Bakterien zu vernichten. Sie können gezielt Wunden zugeführt werden, eingeatmet oder geschluckt werden. Diese Therapieform kann helfen, wo gängige Antibiotika versagen. Bei der steigenden Zahl von Antibiotikaresistenzen bekommt der Einsatz von Bakteriophagen eine zunehmende Bedeutung. An der FH hat Projektleiterin Julia-Alexandra Giesbrecht gemeinsam mit Prof. Dr. Kilian Hennes den Prototyp einer Phagenfalle entwickelt. Diese isoliert und vermehrt körpereigene Phagen, die anschließend der erkrankten Person in höherer Konzentration wieder zugeführt werden können.

 

Damit diese Phagenfalle später überhaupt auf den Markt kommen darf, müssen viele regulatorische Anforderungen erfüllt sein. Ein Teil davon ist die sogenannte Entwicklungsakte, die Studierende aus den Life Science Studiengängen der Fachhochschule Südwestfalen zu wesentlichen Teilen mit Inhalt gefüllt haben. „Das sieht nicht nach viel aus, aber ich weiß, dass dort viel Arbeit drin steckt“, sagt Dirk Reinert, Technische Geschäftsführung / Vertrieb bei der Meise GmbH bei der Übergabe der Akte. „Unsere Studierenden aus dem Modul Qualitätsmanagement haben einen Riesenbeitrag dazu geleistet, dass diese Akte ganz konform nach europäischen Regularien gefüllt und entstehen kann.“, ergänzt Julia-Alexandra Giesbrecht und erklärt weiter: „Es ist unabdingbar, dass jeder einzelne Entwicklungsschritt bei der Entwicklung eines Medizinproduktes nach Norm dokumentiert wird, damit alle Prozesse später gut nachvollziehbar sind und für eine Auditierung vorliegen.“

 

Für die Studierenden war es eine gute Gelegenheit die Theorie über Regularien mit der praktischen Anwendung zu verbinden. „Die Veranstaltung war deutlich zeitaufwendiger als andere, aber man hat auch die Verantwortung dafür getragen, dass die Arbeit gut wird“, berichtet Studentin Lisa Werner. Ihr Kommilitone Tobias Tillmann wirft noch ein: „Am Anfang war es noch sehr unstrukturiert, aber am Ende hat es deutlich besser funktioniert und die Arbeitsabläufe zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen wurde immer fließender und dynamischer“.

 

Das Modul ist zwar für dieses Semester beendet, aber die Dokumente der Studierenden werden weiterhin von Projektleiterin Julia-Alexandra Giesbrecht verwendet. Denn auch die weiteren Ergebnisse und Entwicklungsprozesse der Phagenfalle müssen dokumentiert und in den nächsten Teil der Entwicklungsakte für die Meise Medizintechnik GmbH eingebunden werden. Das Gemeinschaftsprojekt läuft voraussichtlich noch bis März 2023.