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Pressemitteilung-Detail

13.01.2022

Einfach mal was ganz anders machen

Nathalie Weiß-Borkowski ist neue Professorin für Werkstofftechnik

Soest. Nathalie Weiß-Borkowski mag Pferde. In ihrer Jugend war sie Westfalenmeisterin im Gruppenvoltigieren. 2006 ist sie mit dem Preis für die beste Hochschulreife ausgezeichnet worden. Beruflich macht sie heute irgendwas mit Tieren, irgendwas mit Medien oder sie ist Lehrerin geworden, liegt die Vermutung nahe. Und darin steckt auch schon der Denkfehler, sagt die 35-Jährige. Dass junge Frauen in technischen Berufen nicht „zuhause“ sind, ist eine geschlechterstereotype Fehleinschätzung. Ins neue Jahr ist sie mit einem neuen Job gestartet – als Professorin für Werkstofftechnik an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest

Als Kind wollte ich Überraschungseier-Figuren erfinden, weil ich die so gerne aufgebaut habe und ich es faszinierend fand, wie ein Bausatz in so ein kleines Format passt“, erzählt Prof. Dr. Weiß-Borkowski von den Anfängen ihrer Ingenieurskarriere. Sachen erfinden, ist aber kein richtiger Beruf, fand sie schnell heraus. Ihr Vater war Pilot und sie durfte gelegentlich mitfliegen: „Eine Zeit lang wollte ich dann Pilotin werden. Aber noch mehr, als die Maschine zu bedienen, hat mich interessiert, warum fliegt denn das Flugzeug eigentlich?“ In ihrem familiären Umfeld gebe es (fast) nur Lehrerinnen und Lehrer, so die aus Büren im Kreis Paderborn stammende Ingenieurin. Sie wollte es anders machen und hat sich schon früh intensiv damit auseinandergesetzt, wo ihre Interessen liegen und welche Berufe infrage kommen. In den Herbstferien meldete sie sich für ein MINT-Schnupperstudium an: „Der Automobilzulieferer Hella war auch beteiligt. Die haben Maschinen präsentiert, die bewegten sich und das funktionierte alles so schön zusammen.“

Die Begeisterung für das Fach Maschinenbau war geweckt. Sie nahm anschließend mehrere Berufsinformationstage mit, schnupperte in viele verschiedene MINT-Bereiche hinein und recherchierte. „Für Mädchen ist es eben immer noch nicht die typische Entscheidung. Ich brauchte Sicherheit, dass es wirklich das ist, was ich machen möchte, weil ich eben was anderes gemacht habe, als meine Freundinnen und die meisten in meiner Familie.“ Nach dem Abitur studierte sie als eine der ersten Bachelor in Kooperation mit der Hella KG „Automotive“ an der FH Südwestfalen in Iserlohn. Es folgten der Master im Studiengang „Maschinenbau“ sowie die Promotion im Bereich Werkstoffleichtbau an der Universität Paderborn. Nach ersten Berufsjahren als Entwicklungsingenieurin ist sie seit 2017 an der Fachhochschule, zunächst als Lehrbeauftragte, später als Nachwuchsprofessorin, heute als Professorin für Werkstofftechnik. Das mit dem festen Vorsatz „bloß-nicht-Lehrerin-werden“ hat also fast geklappt: „Natürlich bin ich auch in der Lehre aktiv, aber mein Beruf ist so viel mehr. Ich beschäftige mich mit immer neuen Fragestellungen und spannenden Forschungsprojekten. So führen wir zum Beispiel im Labor Materialuntersuchungen durch, bestimmen die mechanischen Eigenschaften von Werkstoffen, machen Zugversuche. Kein Arbeitstag ist wie der andere.“

Warum sich immer noch so wenige junge Frauen in technische Studiengänge einschreiben, kann sie sich erklären: „Ich vermute, die Gründe dafür liegen in der frühen Kindheit. Mädchen spielen mit Puppen, Jungs spielen mit Autos. Das wird in den meisten Familien so vorgelebt.“ Sich nicht einschüchtern lassen, mutig sein, durchhalten, selbst aktiv werden und sich intensiv informieren, das rät sie Mädchen und jungen Frauen, die es auch anders machen und Ingenieurin werden wollen. „Eine gewisse Affinität zu technischen Themen ist da sicher von Vorteil, Mathe muss aber nicht das Lieblingsfach sein. Außerdem wird im Studium alles noch einmal gelehrt und erklärt. Das ist eine lösbare Aufgabe und das haben viele andere zuvor auch schon geschafft.“

Ein Großteil der jungen Frauen macht sich Sorgen um den Klimawandel. „Passt perfekt mit MINT-Fächern zusammen“, sagt Prof. Dr. Weiß-Borkowski. „Im Hinblick auf neue, ressourcenschonende Technologien spielen Disziplinen wie Maschinenbau eine wichtige Rolle. Ich forsche beispielsweise an Leichtbau-Werkstoffen. Je geringer das Gewicht, desto weniger Energie muss ich aufwenden, um die Masse zu bewegen. Oder die Herstellung von so genanntem ‚grünem Stahl‘ mit Hilfe von Wasserstoff, all das sind klimarelevante Themen.“

Fachkräftemangel, Innovationsrückgang, pandemiebedingt weniger MINT-Nachwuchs in Sicht – alles, was zum Thema zu lesen ist, klingt eher negativ und nach „Muss“. Dabei darf nicht übersehen werden, dass ein technischer Job einfach auch Spaß machen kann, sagt Weiß-Borkowski: „Mit einem MINT-Studium eröffnen sich unglaublich viele berufliche Möglichkeiten. Ich kann so viele Ideen für Projekte entwickeln und umsetzen, ich kann die Lehre gestalten, das ist also auch ein sehr kreativer Job. Und ich habe es in der Regel mit direkten, aber unkomplizierten, umgänglichen und praktisch denkenden Menschen zu tun, das kommt mir sehr entgegen.“

Wer neugierig geworden ist, die Fachhochschule Südwestfalen bietet viele verschiedene Studiengänge aus dem MINT-Bereich an. Im Rahmen der landesweiten „Wochen der Studienorientierung“ vom 17. Januar bis 04. Februar 2022 können sich Interessierte informieren. Das komplette Angebot ist zu finden unter www.fh-swf.de/cms/wdso.