Zum Inhalt springen

Gleichstellung

Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt

Handlungsempfehlungen für Betroffene

Jede Person reagiert anders auf sexualisierte Diskriminierung und jeder Vorfall ist unterschiedlich, daher gibt es keine pauschalen Lösungswege. Vielen Betroffenen ist eine direkte Reaktion nicht möglich, weil die Situation sie oft erstmal sprachlos macht. Eine Reaktion auf eine Situation kann auch später erfolgen (ggf. auch schriftlich). Im Folgenden finden Sie einige Möglichkeiten, die sich bisher als hilfreich erwiesen haben:

1. Hören Sie auf Ihr eigenes Gefühl. Wenn Sie sich unwohl fühlen oder denken, dass jemand Ihre Grenzen überschritten hat, müssen Sie sich nicht dafür rechtfertigen oder schämen. Eine erste Schwierigkeit besteht häufig im Erkennen, dass es sich bei dem Erlebten tatsächlich um eine sexualisierte Belästigung handelt.

2. Wenn es Ihnen möglich ist, wenden Sie das "Drei-Schritte-Modell" an:

  • aussprechen, was gerade passiert ist,
  • sagen, was das mit Ihnen macht,
  • fordern, was das Gegenüber zukünftig tun oder lassen soll.

Beispielsweise: „Halte bitte Abstand, ich möchte nicht, dass du mir so nahekommst.“ oder „Diese Blicke sind mir unangenehm, hören Sie bitte auf, mich so anzusehen.“ oder „Diese Frage ist mir zu intim, ich möchte mit Ihnen und in diesem Kontext nicht darüber reden.“

3. Es ist hilfreich, für sich selbst ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen, egal wo und mit wem etwas vorgefallen ist. Es ermöglicht sich Klarheit über die Situation zu verschaffen, in dem notiert wird wann, wer, wo mit welcher Intensität übergriffig geworden ist. Beschreiben Sie kurz, was passiert ist. Notieren Sie wichtige Äußerungen und andere wesentliche Handlungen und Handlungsabläufe möglichst genau und in der zeitlichen Abfolge. Wie endete die Situation? Gibt es Zeugen*innen? Wenn ja, fragen Sie nach Kontaktdaten und bitten Sie die Personen, ein eigenes Gedächtnisprotokoll anzufertigen.

4. Sprechen Sie mit einer nahestehenden Person oder suchen Sie eine Erstberatung auf (siehe oben). Bei einer Erstberatung bleibt das Gespräch zunächst vertraulich und kann auch anonym über eine vertraute Mittelsperson erfolgen. Weitere Schritte werden nicht ohne Rücksprache oder gegen Ihren Willen eingeleitet.

Handlungsempfehlungen für Kolleg*innen, Kommiliton*innen, Zeug*innen

Es ist sehr wichtig, dass Betroffene nicht das Gefühl haben alleine zu sein. Gerade weil es Betroffenen oft schwer fällt, die notwendigen Schritte selbständig einzuleiten, sollten Sie sie unterstützen. Das solidarische Verhalten von Kolleg*innen oder Kommiliton*innen kann die Betroffenen bestärken und das belästigende Verhalten sanktionieren und sogar unterbrechen.

GUT ZU WISSEN: Wenn Sie sexualisierte Belästigung beobachten, intervenieren Sie! Stellen Sie sich an die Seite der betroffenen Person, aber beachten Sie dabei: Die Entscheidungshoheit liegt bei der betroffenen Person.

1. Zuhören und ernst nehmen

2. Vertraulichkeit zusichern

3. Eigene Sichtweise zunächst zurückhalten. Die betroffene Person muss sich etwas von der Seele reden können, ohne vermeintlich hilfreiche Tipps zu bekommen, wie sie in der Situation besser reagiert hätte.

4. Unterstützung anbieten:

  • Überlegen Sie gemeinsam: Welche Hilfe/Unterstützung wäre jetzt hilfreich?
  • Was möchte sie*er auf keinen Fall tun?

5. Keinen Druck ausüben

6. Einverständnis einholen, wichtige Notizen schriftlich festhalten zu dürfen, ggf. auch empfehlen ein Gedächtnisprotokoll des Vorfalls anzufertigen.

Sanktionen für Täter*innen

Bei sexualisierter Diskriminierung und Gewalt haben Täter*innen je nach Einzelfall und in Absprache mit den Betroffenen und ihrem Anonymitäts- und Schutzbedürfnis mit Sanktionen durch die Hochschule zu rechnen. Die betroffene Person darf auf keinen Fall negative Konsequenzen erleiden. Bei Bekanntwerden eines Vorfalls muss im Einzelfall geprüft werden, inwieweit vorläufige Maßnahmen zum Schutz der betroffenen Person durchzuführen sind. Es gilt für alle Beteiligten unbedingte Vertraulichkeit. Mögliche Sanktionen sind u. a.:

  • formelles Dienstgespräch
  • mündliche oder schriftliche Belehrung/Ermahnung/Abmahnung
  • Versetzung, Umsetzung, Kündigung
  • Einleitung eines Disziplinarverfahrens bei Beamt*innen
  • Entzug des Lehrauftrags
  • Ausschluss von der Nutzung hochschulischer Einrichtungen / von Lehrveranstaltungen
  • Hausverbot nach Hausordnung § 9
  • Exmatrikulation
  • Erstattung einer Strafanzeige